Tel Aviv / Israel: Eine Stadt im Fahrradfieber

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Tel Aviv-Jaffa: Eine Stadt im Fahrradfieber

100 Kilometer Radwege und 150 Verleihstationen machen Tel Aviv-Jaffa zu einer fahrradfreundlichen Stadt – trotzdem kommt hier das „Abenteuer“ nicht zu kurz

Mit dem Fahrrad durch die Gassen der Altstadt in Tel Aviv-Jaffa (Foto: Christine Amrhein)
Jaffa Altstadt

Keine Probleme mehr mit Verkehrsstaus und Parkplatzsuche. Etwas Gutes für Herz und Kreislauf tun, Kalorien verbrennen und noch dazu die Umwelt schonen. So wirbt der Verleiher „Tel-O-Fun“ auf seiner Webseite.

2011 hat Tel Aviv „Tel-O-Fun“ eingeführt – seitdem trifft man die grünen Räder mit ihrem soliden Rahmen an jeder Straßenecke. Familien mit halbwüchsigen Kindern gondeln die Strandpromenade entlang, Sportler fahren im HaYarkon-Park um die Wette, und in der Mitte des breiten Rothschild-Boulevard strampeln Geschäftsleute auf dem Weg von der Mittagspause ins Büro vorbei. Kein Zweifel: Tel Aviv hat das Radfahren für sich entdeckt.

100 Kilometer Radwege durchziehen die moderne, von Hochhäusern überragte Halb-Millionen-Stadt. Inzwischen gibt es 150 Verleihstationen, keine mehr als 500 Meter voneinander entfernt. Auch für Besucher ist es kein Problem, ein Rad zu „erstehen“: Alles was man braucht, ist eine Kreditkarte – und ein bisschen Geduld, wenn der Automat nicht gleich beim ersten Mal tut, was er soll. Aber spätestens beim zweiten Versuch klappt es.

Mit Sonntagsausflüglern entlang der Küste

Wer es gemütlich angehen will, beginnt am besten an der Uferpromenade: Hier führt ein 10 Kilometer langer, gut ausgebauter Radweg von der arabisch geprägten Altstadt Jaffas nach Norden bis zur größten Grünfläche der Stadt: dem HaYarkon-Park, in dem sich Jogger, Inlineskater und Frisbee-Spieler tummeln.

Ein Bummel durch die verwinkelten Gassen Jaffas, ein Blick auf den quirligen Flohmarkt – schon ist man an der Verleihstation am Kedumin-Platz, direkt an der Uferpromenade. Von hier bietet sich ein spektakulärer Rundblick: auf die Tausende Jahre alten Türme und Festungsmauern Jaffas im Süden – und auf die Wolkenkratzer des gerade einmal 100 Jahre jungen Tel Aviv im Norden.

Am Alten Hafen gibt es auch eine Radstation (Foto: Christine Amrhein)
Strandpromenade Tel Aviv

Vorbei am palmengesäumten Charles-Clore-Park und einem halben Dutzend belebter Strände mit Sonnenliegen, Strandcafés und Wellenreitern geht es Richtung Norden bis zum Alten Hafen. Von Schiffen ist hier allerdings nicht mehr viel zu sehen: Schon kurz nach dem Bau in den 1930er Jahren wurde das Hafengelände stillgelegt – heute befinden sich in den alten Lagerhäusern hippe Cafés, Geschäfte und Bio-Restaurants, die durch eine breite, geschwungene Holzpromenade verbunden sind.

Hier – oder auch anderswo – eine Pause einzulegen, ist kein Problem: Einfach das Rad an der nächsten Station anschließen und sich später mithilfe des Bons, den man beim Start erhalten hat, ein neues ausleihen. Nur eins sollte man besser nicht tun: Das Rad mehr als zwei, drei Stunden am Stück behalten – denn dann schießen die Preise in astronomische Höhen.

Aber nicht nur Touristen, auch die orthodoxen Juden haben den Radl-Spaß für sich entdeckt: Am Sonntagnachmittag stehen sie Schlange vor den Verleihautomaten: die Männer mit schwarzen Kippas (jüdische Kopfbedeckung), weißen Hemden und den gedrehten Schläfenlocken, die Frauen mit langen Röcken, bestickten Blusen und Strickwesten. Für einige ist es wohl das erste Mal: Wackelig und mit viel Gelächter geht es los, ein junges Mädchen liegt kurz darauf neben ihrem Fahrrad auf der Straße. Aber sie lacht und ist fest entschlossen, es weiter zu versuchen.

Auf ins Verkehrsgewirr der Innenstadt

Vom Alten Hafen ist es nur ein kurzes Stück bis ins Getümmel der Innenstadt: Schnell ist man auf der belebten Dizengoff-Straße, wo Stadtbusse, Sheruts (Sammeltaxis) und hupende Autos um den besten Platz im Verkehrschaos kämpfen. Laut und verwirrend geht es hier zu, aber auch die Zweiradfahrer bahnen sich – mit etwas Geduld – ihren Weg.

Wie viele Straßen der Innenstadt ist die „Dizengoff“ von weißen, schmucklosen Häusern mit klaren Ecken und Kanten gesäumt. Sie gehören zu den über 4.000 Bauhaus-Gebäuden, die von ausgewanderten jüdischen Architekten entworfen wurden und Tel Aviv den Namen „weiße Stadt“ einbrachten. Auf den zweiten Blick fallen auch die besonderen Elemente auf: abgerundete Ecken, lange Balkone oder verglaste Treppenhausschächte.

Wunderschönes Farbenspiel bei Nacht: Der Feuer- und Wasserbrunnen vom israelischen Künstler Ya'akov Agam (Foto: Christine Amrhein)
Feuer- und Wasser-Brunnen in Tel Aviv

Bald mündet die Straße in den Dizengoff-Platz mit dem berühmten Feuer- und Wasser-Brunnen. 1986 vom israelischen Künstler Ya’akov Agam erbaut, erstrahlt er nachts in noch bunteren Farben als tagsüber. Dann nämlich leuchten die Wasserfontänen in farbigem Licht, und in der Mitte taucht – begleitet von feierlicher Musik – eine Flamme auf.

Nur einen Katzensprung entfernt liegt der weitläufige Rabin-Platz. Hier wurde Premierminister Yitzchak Rabin 1995 von einem ultraorthodoxen Juden ermordet – weil er sich für den Friedensprozess zwischen Israel und Palästina eingesetzt hatte. Eine kleine Gedenkstätte mit Steinplatten und israelischen Flaggen erinnert an den Ort des Attentats.

Berühmte Museen und coole junge Menschen

Auf dem Weg zu den berühmtesten Museen der Stadt kann man einen Blick auf die Azrieli-Türme erhaschen. Hierbei handelt es sich um eines der Wahrzeichen Tel Avivs – bestehend aus einem runden, einem dreieckigen und einem quadratischen Wolkenkratzer. Gleich um die Ecke liegt das Tel Aviv Museum of Art, in dem sich vom Impressionismus bis zur Moderne ein berühmter Name an den anderen reiht: europäische Maler wie Monet, Picasso, Matisse, aber auch jüdische Künstler wie Chagall und Soutine.

Die berühmten Azrieli-Türme, eines der Wahrzeichen der Stadt Tel Aviv(Foto: Christine Amrhein)
Azrieli-Türme in Tel Aviv

Zum Museum gehört auch der kleine Helena-Rubinstein-Pavillon, der wechselnde Ausstellungen von modernen Künstlern zeigt. Hier ist man im Herzen des modernen Tel Aviv angelangt. Glasfassaden, ein weitläufiges Wasserbecken und eine Stahlskulptur aus übereinander geschichteten Kreisen prägen den HaBima-Platz, an dem auch das Nationaltheater und der Kulturpalast liegen.

Auf dem ruhigen, von Bäumen gesäumten Rothschild-Boulevard geht es nun Richtung Süden bis zur Sheinken-Straße – angeblich die „coolste“ Straße Tel Avivs. Hier tummeln sich die Jungen und Schönen mit überdimensionalen Sonnenbrillen, Designer-Jacken und bunten Einkaufstaschen. Und hier reihen sich Coffee Shops, Modegeschäfte und Boutiquen aneinander. Dazu gibt es noch mehr Bauhaus-Architektur.

Die Bauhaus-Architektur brachte Tel Aviv den Namen „weiße Stadt” ein (Foto: Christine Amrhein)
Bauhaus-Architektur in Tel Aviv

Bummel über den Karmel-Markt – dann „chillen“ am Strand

Jetzt ist wieder eine Radl-Pause angesagt: Für einen Bummel über den quirligen Karmel-Markt, auf dem jüdische Händler von Blumen über Obst und Gemüse, Trockenfrüchten und Gewürze bis hin zu Fisch und gefälschten Markenklamotten alles verkaufen.

Gestärkt mit einem duftenden Falafel im Pita-Brot steht man wieder vor der Qual der Wahl: Jetzt das angrenzende jemenitische Viertel erkunden? Noch eine Runde auf dem Rad drehen? Oder den Tag an einem der nahe gelegenen Strände ausklingen lassen – und einfach die Seele baumeln lassen.

Praktische Infos

Anreise
Die israelische Fluggesellschaft El Al und Lufthansa bieten Direktflüge von Berlin, Frankfurt am Main und München nach Tel Aviv (Ben Gurion-Flughafen) an (Kosten ab ca. 250 €, Flugdauer ca. 4 Stunden). Auch viele andere Linien- und Charter-Fluggesellschaften fliegen Tel Aviv an, oft aber mit Zwischenstopp. Wegen der strengen Sicherheitskontrollen sollte man drei Stunden vor Abflug am Flughafen sein.

Vom Ben Gurion-Flughafen gelangt man bequem mit dem Airport Shuttle-Zug zum Bahnhof Tel Aviv Merkaz im Stadtzentrum. Am Shabbat (Freitag ab Sonnenuntergang bis Samstag zum Sonnenuntergang) fahren allerdings keine öffentlichen Verkehrsmittel, dann kommt man nur mit dem Taxi in die Stadt.

Beste Reisezeit
Die besten Reisezeiten für Israel sind das Frühjahr (März bis Juni) und der Herbst (September bis November). Im Sommer ist es an der Küste heiß und schwül, im Winter relativ kühl (ca. 10 Grad) und teilweise windig und regnerisch. Eine (Rad-)Reise in Israel ist aber das ganze Jahr über möglich.

Ein Fahrrad leihen in Tel Aviv
Für die Benutzung des Verleihsystems Tel-o-Fun braucht man eine Kreditkarte. Einfach den Anweisungen am Automaten folgen, der sich an jeder Verleihstation befindet. Die Grundgebühr beträgt 17 Schekel (3,50 €) pro Tag, die ersten 30 Minuten sind kostenlos – danach steigen die Fahrtkosten mit jeder weiteren Stunde (ohne zwischenzeitliche Rückgabe) deutlich an: eine Stunde kostet 6 Schekel (1,20 €), zweieinhalb Stunden 32 Schekel (6,50 €), viereinhalb Stunden 152 Schekel (31 €) und jede weitere Stunde 100 Schekel (20,40 €).

Adressen in Tel Aviv und Jaffa

Touristeninformation
46, Herbert Samuel Esplanade
Tel. 03-5166188 (Landesvorwahl Israel: +972)
Öffnungszeiten: Sonntag bis Donnerstag 9.30 h bis 17 h, Freitag 9.30 h bis 13 h
www.visit-tlv.com

Unterkünfte
Die Unterkünfte sind in Jaffa günstiger als in Tel Aviv.

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In Jaffa:
Old Jaffa Hostel
13, Amiad Street
Doppelzimmer: ab 280 Schekel (57 €)

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In Tel Aviv:
Sky Hotel
34, Ben Yehuda Street
Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad: 230 Schekel (47 €)
Doppelzimmer mit eigenem Bad: 280 Schekel (57 €)

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Sun City Hotel
42, Allenby Street
Doppelzimmer: 500 Schekel (102 €)

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Christine Amrhein

Die Autorin Christine Amrhein

Die Autorin, Dr. Christine Amrhein, hat Psychologie studiert und in diesem Fach auch promoviert. Seit 2007 arbeitet sie als freie Journalistin, hauptsächlich als Wissenschaftsjournalistin. Reisen und Fahrradtouren machen ihr große Freude. Und so schreibt sie auch gerne zu diesen Themen.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Alle Angaben wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Hayit Medien-Redaktion sowie von Radtouren.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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