Santiago de Compostela

Anzeige

Die Herausforderung gemeistert: Santiago de Compostela

Die Kathedrale von Santiago de Compostela gilt traditionell als Ankunftsort des Jakobswegs. Also kann man sich überlegen, ob man als erstes ebenfalls den Weg durch die Altstadt bis zur Kathedrale anfährt und das Erlebnis, durch einen der Torbögen am Kathedralenplatz anzukommen, teilen möchte. Es lohnt sich allemal, denn die euphorische Stimmung erlebt hier ihren Höhepunkt. Der Obradoiro-Platz ist immer proppenvoll mit Menschen aus aller Welt. Hier kann man wunderbar Stimmungen und Erlebnisse einfangen. Zweifelsohne ist dies einer der eindrucksvollsten Orte in Santiago, weil er so von Gefühlen, spannenden Begegnungen und vielfältigen Menschen geprägt ist. Natürlich ist die Kathedrale selbst auch ein Muss für jeden Ankömmling. Das imposante Gebäude geht auf das 10. Jahrhundert zurück, wurde aber bis ins 19. Jahrhundert immer wieder erweitert und vereint daher einen interessanten Stil-Mix aus klassizistischen, barocken und romanischen Elementen. Die Kirche hat eine Grundfläche von 23.000 qm. Das Mittelschiff ist 100 m lang und knapp 20 m hoch, um nur ein paar Fakten zu nennen, die die gigantischen Ausmaße des Bauwerks beschreiben. In der Kathedrale sind die Reliquien des Apostels Jakobs ausgestellt – an der Grabstätte sowie an der großen Statur des heiligen Jakobus führt natürlich kein Weg vorbei.

In der Altstadt von Santiago wimmelt es nur so von Pilgern und Touristen. Die schnuckeligen Gässchen sind entsprechend überfüllt und überall findet man die typischen Souvenirläden. Rund um den Kathedralenplatz befinden sich eine Menge kleiner Restaurants und Bars, in denen man gerade in den Sommermonaten stundenlang sitzen kann, um den Trubel und die unzähligen Menschen aus allen Nationen der Welt zu beobachten. Ein toller Ort, um von den Strapazen der vorangegangenen Tage zu entspannen und die Reise langsam ausklingen zu lassen. Planen Sie ruhig zwei Tage ein, um sich genügend Zeit zu nehmen, das Flair der Stadt aufzunehmen und jeden Winkel des UNESCO-Kulturerbes zu erkunden.

Tipp: Abstecher zum Kap Finisterre

Der schönste Abschluss der Tour ist sicherlich ein Abstecher nach Finisterre, dem westlichsten Zipfel Spaniens, der von den Römern einst als das Ende der Welt bezeichnet wurde. Wer tatsächlich noch nicht genügend Radkilometer in den Beinen hat, kann sich überlegen, die 93 km in zwei weiteren Etappen zurückzulegen. Sicher würde man die Strecke auch an einem Tag bewältigen können, aber die hügelige Landschaft auf den ersten 75 Kilometern sollte nicht unterschätzt werden. Darüber hinaus bietet de Costa da Morte eine schöne Bucht nach der anderen und zahlreiche malerische Küstenstädtchen, die man nicht einfach so im Sausetempo durchfahren sollte, wenn man sich schon dafür entscheidet, die Strecke mit dem Bike zu absolvieren. Eine gute Alternative ist die Anreise mit dem Bus, der zwei Mal täglich zwischen Santiago de Compostela und Finisterre verkehrt und am zentralen Busterminal von Santiago startet. Die Kosten halten sich in Grenzen: 12,50 Euro hin- und zurück pro Person plus 5 Euro pro Rad.

In Finisterre finden Pilger am berühmten Leuchtturm Cabo Fisterra den „Nullstein”. Hier endet der ursprüngliche Camino Francés mit dem bekannten Steinwegweiser, der 0,0 km ausweist. Hier zieht es natürlich viele Pilger hin, zumal es an den Felsen rund um den Leuchtturm das Ritual gibt, ein von der Pilgerreise zerschlissenes Kleidungsstück zu verbrennen.

Ansonsten beeindrucken in Finisterre nicht nur der Blick auf die Buchten und das Meer am Kap, sondern auch die feinen weitläufigen Sandstrände westlich des Fischerörtchens. Lassen Sie sich auf keinen Fall den Sonnenuntergang am Leuchtturm entgehen.

Unterkunftstipp: Casa Velay, Plaza Cerca, Fisterra. 10 Euro pro Person/Nacht in einem sauberen und gemütlichen Zimmer mit Bad auf dem Gang. Zimmer mit Bad sind auch vorhanden.

Fazit: Eine tolle Strecke für gut trainierte Radfahrer

Die andere Seite Spaniens, die Nordküste am Atlantik, ist ein sehenswertes Reiseziel. Sie bietet dem Radreisenden eine abwechslungsreiche Route mit einem insgesamt mittelschweren und phasenweise kräftezehrenden Streckenprofil. Mit wenigen Ausnahmen führt die Strecke konstant durch hügeliges bis bergiges Gebiet. Dieses ist allerdings bis auf kleinere Teilstrecken in Asturien und Galicien immer gut zu befahren, weil es sich fast nur um befestigte Wege handelt.

Auch wenn man sich dafür entscheidet, nicht nur in Pilgerherbergen zu übernachten, ist der Trip durch den Norden relativ günstig. Einheimische Lebensmittel sowie die Preise in Restaurants, Tapas-Bars und Cafés sind im Vergleich zu Deutschland günstiger. Auch die Übernachtungskosten sind mit 15 Euro im Schnitt als gering anzusehen. Ein wenig Luxus mit der Einkehr in dem einen oder anderen 3-Sterne Hotel sollte man sich auch gönnen – wenn man den Trip nicht als Pilgerreise im eigentlichen Sinne ansieht. Die Mischung aus ein bisschen Komfort und ganz einfachem Leben macht diese Radreise extrem faszinierend.

Der Camino de la Costa eignet sich hervorragend für alle, die die Ursprünglichkeit der Natur mit einem ständigem Wechsel von Berg- und Küstenlandschaften mögen. Darüber hinaus ist dies die richtige Tour für Radler, die sich nicht vor Herausforderungen in bergigem Terrain scheuen.

Daniela Steins

Exkurs: Zu diesem Bericht

„Der ein oder andere wird sich vielleicht darüber wundern, dass dieser Bericht keine Informationen zur Rückreise enthält. Das liegt daran, dass unsere komplette Reise eine „Rundreise" war, die uns auf dem Rückweg von Santiago de Compostela auf Teile des Camino Francés zwischen Ponferrada und Burgos zurück nach Bilbao führte und wir insgesamt 21 Tage unterwegs waren. Der Camino Francés sowie unser weiterer Rückweg nach Bilbao hält meiner Meinung nach nur wenige Highlights bereit – zum Beispiel eine ganz tolle Bergetappe von Ponferrada nach Astorga über das Cruz de Fero auf 1.500 m oder die Stadt Burgos und die baskischen Berge zwischen Miranda de Ebro und Llodio. Ansonsten ist dieser bekannteste Abschnitt des Jakobswegs eher unspektakulär und einfach nur überfüllt. Deshalb würde ich für den Rückweg empfehlen, entweder den Küstenweg mit einigen Abweichungen, beispielsweise der Überquerung der Galicischen Berge um El Cebreiro und Ponferrada mitzunehmen, um danach in nordöstlicher Richtung in Oviedo wieder auf den Küstenweg zu stoßen. Wer keinen Rundweg wählen möchte, sollte sich ein paar Tage für Finisterre aufsparen und dann von Santiago de Compostela aus zurück gen Heimat fliegen.”

Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text und Fotos: Daniela Steins (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

Anzeige

Wallfahrtsort Santiago de Compostela:

Santiago de Compostela wurde um 830 zum Wallfahrtsort ernannt. Im 11. Jahrhundert wurde das Symbol der Jakobsmuschel eingeführt. Seinen ersten Höhepunkt erlebte der Bischofssitz im Mittelalter, als erstmals Pilgermassen aus ganz Europa in die westspanische Stadt strömten.

1976 fiel der Geburtstag des heiligen Jakobus wieder einmal auf einen Sonntag. In der römisch-katholischen Welt wird dieses Ereignis als Heiliges Jahr bezeichnet. Seit diesem Heiligen Jahr erlebt der Jakobsweg seine Wiedergeburt. Wurden 1976 noch 243 Pilger in Santiago gezählt, verachtfachte sich die Pilgerzahl im nächsten Heiligen Jahr 1982.

Heute beenden, unabhängig vom Heiligen Jahr, durchschnittlich ca. 75.000 Menschen pro Jahr zu Fuß, auf dem Fahrrad oder zu Pferde ihre Pilgerreise in Santiago.