Camino de la Costa

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3. Etappe: Santander - Santillana del Mar, ca. 50km
Hauptstationen: Santander - Boo - Miengo - Barreda - Santillana del Mar
Ein Abstecher in vergangene Zeiten

Die Strecke aus Santander heraus gen Westen gleicht auf den ersten Kilometern dem typischen Anblick spanischer Großstädte: Es geht vorbei an hässlichen, eng bebauten Hochhäuservierteln bis man nach ca. 12 km in Boo die größeren Vorstädte verlassen hat und sich langsam der kantabrischen Abgeschiedenheit nähert. Hier muss man aufpassen, dass man nicht plötzlich „lost in Cantabria” ist, denn sowohl die Jakobsweg- als auch die Straßenbeschilderung lassen auf dem Teilstück bis Miengo (Tageskilometer 18) zu wünschen übrig.

Generell muss man sich in manchen Regionen Kantabriens ein wenig auf sich selbst bzw. das Navigationssystem verlassen, da die Pilgerstrecke hier von freiwilligen „Hospitaleros” markiert wird und es deshalb eher willkürlich erscheint, wie gut die Wege ausgeschildert sind. Am besten hält man sich hier an die Küstenstraße CA-232 und ab Barreda an die CA-131.

Die Etappe nach Santillana del Mar ist wenig anspruchsvoll. Ein paar kleinere Anstiege treiben den Puls ab und an ein wenig in die Höhe, aber ansonsten hat sich dieser Abschnitt das Prädikat „flach” verdient. Erst kurz vor dem Etappenziel wendet sich das Blatt wieder. Und Santillana selbst ist ein absolutes Highlight auf der Tour. Es ist das Rothenburg ob der Tauber Spaniens. Hier taucht man ins Mittelalter ein und kann gemütlich durch die autofreie Altstadt mit ihren kopfsteingepflasterten Gassen und den Steinfassaden mit prächtig geschmückten Balkonen schlendern.

Natürlich ist dieser Ort ein touristischer Anziehungspunkt, dennoch wirkt er nicht überfüllt, sondern strahlt ein warmes Willkommensein aus. Santillana hat eine Vielzahl an Restaurants und Tapas-Bars mit wunderschönen, steinalten Gärten zu bieten. In einem davon sollten Sie es sich gemütlich machen typische Gerichte aus der Region ausprobieren, zum Beispiel Kotelett, Patatas Fritas und Spiegeleier. Spiegeleier werden in Kantabrien übrigens zu fast allen Gerichten gereicht. Auch wenn es eine kurze Etappe von Santander bis Santillana ist, sollte man sich die Zeit nehmen, um in diesen Ort einzutauchen.

4. Etappe: Santillana - Llanes, ca. 80 km
Hauptstationen: Santillana - Comillas - San Vincente de la Baquera - Llanes
Willkommen in Asturien

Nach der eher einfachen Strecke der dritten Etappe ist die folgende etwas strapaziöser. Es geht gleich am Ortsausgang von Santillana mit einer schier endlos erscheinenden schleichenden Steigung über insgesamt 20km bis kurz vor Comillas los.

Tipp: Am Stadtrand von Comillas gibt es einige kleine Wege, die zu einer Steilküste führen. Das Küstenmassiv ist an dieser Stelle besonders rau und der Anblick der tosenden Wellen tief unten ist atemberaubend schön.

Das 2000 Einwohner zählende Städtchen Comillas wartet gleich mit mehreren Sehenswürdigkeiten auf. Hier ragt der Gründungssitz der Päpstlichen Universität über der Stadt. Das riesige Gebäude im neugotischen und Mudéjar-Stil war bis zum Ende der 1960er Jahre noch der Hauptsitz der berühmten spanischen Universität. Mittlerweile ist der Campus nach Madrid umgezogen und das Bauwerk ist in städtischem Besitz. Bei einem Kaffee in einer der kleinen Hafenbars kann man den Blick wunderbar über die Anhöhe schweifen lassen. Wer Lust hat, kann hier auch noch ein von Gaudi errichtetes Sommerhaus aus dem 19. Jahrhundert sowie den Palacio Sobrellano besichtigen.

Die weitere Strecke bis hinein nach Asturien ist vornehmlich flach. Die 30 km auf den kleinen Nebenstraßen an der Küste kann man hier im Nu abspulen. Nehmen Sie sich die Zeit, um auf der 500 m langen Steinbrücke über den Rio San Vincente den Blick auf das Fischerdörfchen zu richten. In Asturien ist die Jakobswegbeschilderung wesentlich besser als auf der gesamten vorherigen Strecke. Ab hier finden sich vermehrt ca. 80 cm hohe Monolithe mit dem Jakobsmuschelsymbol als Wegmarkierung. Aber auch an Häuserfronten und Mauern findet man Kacheln mit diesem Symbol. Verfahren kann man sich ab hier also kaum noch.

Hinter dem Dörfchen Unquera (Tageskilometer 55) schlängelt sich ein Anstieg 1,5 km lang von Meereshöhe-Niveau auf ca. 150 m serpentinenartig nach Colombers. Von dort sind es nur noch 23 km bis zum Etappenziel Llanes, einem der bekanntesten Badeorte Asturiens. Darüber hinaus ist Llanes ein sehenswertes Städtchen mit mediterranen Fassaden und einer alten Stadtmauer.

5. Etappe: Llanes - Gijón, ca. 105 km
Hauptstationen: Llanes - Pineres - Ribadesella - Villaviciosa - Gijón

Je länger, desto besser

Am 5. Tag wartet die längste Etappe auf die Radtouristen. Ein kleiner Tipp für einen guten Start in den Tag:  Zunächst kann man ab Llanes wieder prima dem markierten Fußpilgerweg durch die Felder bis nach Póo (ca. 3km) folgen. Hier lässt es sich in der einzigen Bar des Örtchens richtig gut frühstücken.

Das Streckenprofil auf den nächsten 30 km bis Ribadesella bewegt sich konstant zwischen Meereshöhe und 100 Höhenmeter. Mangels größerer sportlicher Herausforderungen auf diesem Abschnitt bleibt viel Zeit, um die weite Wald- und Gebirgslandschaft zu genießen. In der Ferne erschließen sich die oftmals auch im Sommer schneebedeckten Gipfel des asturischen Hochgebirges. Rechts das Meer, links die sich auftürmende Berglandschaft mit weißbedeckten Hauben. Einfach schön.

Ribadesella ist ein Touristenzentrum mit einem gemütlichen Fischerhafen und einer sehr pompösen Strandpromenade. An dieser findet man diverse kleine Strandbars, an denen es sich lohnt, ein Päuschen einzulegen und das Getümmel am Strand zu beobachten.

Tipp: Abstecher nach Terenes

Bei der Weiterfahrt lohnt sich ein kleiner Umweg: Folgen Sie am Ortsausgang nicht den Pilgermarkierungen, sondern machen Sie einen Schlenker hoch nach Terenes. Von dort oben türmt sich wieder einmal die Küstenlandschaft auf – diesmal an der Costa Verde, die ihrem Namen alle Ehre macht. Die Küstenabschnitte sind in dieser Region wirklich sehr grün. Über San Pedro geht es vorbei an Schafen, Kühen und alten Bauernanwesen, bis man in San Esteban de Leces wieder auf die N-632 stößt und bis Colunga (Tageskilometer 55) hügelige Wälder durchquert.

Es wird bergig

Ab Colunga werden auch gut trainierte Radlerwaden wieder kräftiger beansprucht. Kurz vor Sebrayo gilt es, 200 Höhenmeter innerhalb von zwei Kilometern zu bewältigen. Auf der Abfahrt nach Villaviciosa kann man dann noch einmal Kraft für den sprichwörtlichen Höhepunkt des Tages tanken. Es folgen 12 km mit einer durchschnittlichen Steigung von 8 % auf 450 Höhenmeter. Die meisten werden wohl ein extrem befreiendes Gefühl spüren, wenn der höchste Punkt bewältigt ist. Beim Blick über das weite, grüne Bergland fühlt man sich ein wenig wie in den Voralpen.

Gijón – Hauptstadt Asturiens und Etappenziel nach ca. 105 Kilometern. Eine etwas andere spanische Großstadt, die in weiten Teilen nicht so eng und verbaut wie so viele andere erscheint. Auf dem Weg ins Zentrum passiert man das weitläufige Universitätsgelände sowie das Messezentrum und fährt direkt auf den Stadtstrand zu, der in eine breit ausgebaute Uferpromenade mündet und bis zur Altstadt führt.

Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text und Fotos: Daniela Steins (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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Santillana del Mar:

Einwohner: ca. 4.000
Highlights: die komplette Altstadt, Stiftskirche Santa Juliana, die Höhle von Altamira (ca. 2km südlich)
Unterkunftstipp: Campingplatz „Santillana del Mar”, Carretera Comillas, Santillana, kleine Holzhütte für 10 Euro pro Person/Nacht
Restaurant-Tipp: Los Blasones, Plaza de la Gándara, Santillana. Unbedingt den roten Hauswein probieren!

Asturien:

Asturien liegt zwischen dem Kantabrischen Meer und dem gleichnamigen Gebirge  an der Costa Verde, an der sich einige der schönsten Strände Spaniens befinden.

Besondere Merkmale: In der ganzen Region stößt man auf die typischen asturischen Steinkirchen, die der asturischen Präromantik, einer Mischung aus gotischen und romantischen Elementen, entstammen. Zwar ist es vornehmlich grün in Asturien, trotzdem ist die Region eine der Hauptindustrieregionen Spaniens mit den Schwerpunkten Bergbau und Schwermetall.

Llanes:

Einwohner: ca. 13.000
Touristen-Info: Calle Alfonso IX im mittelalterlichen Turm
Unterkunftstipp: Hotel Alfonso am Stadtrand. Für 5 Euro pro Person kann man hier in der „Pilger-Sektion” des Garni-Hotels unterkommen: 4 Betten inklusive Bad. Nüchtern und nicht besonders komfortabel, aber ausreichend für eine Nacht.
Restaurant-Tipp: Pizzeria „La Fontana” im Stadtzentrum und danach einen heißen ColaCao in einem der zahlreichen Cafés in der Altstadt.