Camino de la Costa

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Die angegebenen Etappenlängen in diesem Bericht beziehen sich auf persönliche Angaben und beinhalten diverse kleinere „Umwege”. So kommt es ggf. zu Abweichungen von Kilometerangaben, die in Reiseführern oder im Internet zu finden sind.

1. Etappe: Bilbao - Castro Urdiales, ca. 40,5 km
Hauptstationen: Bilbao - Portogalete - Pobeña - Ontón - Castro Urdiales


Pflichtprogramm: Bilbao

Bilbao ist eine kontrastreiche Stadt mit einigen Highlights, in der man sich Zeit für eine Erkundungstour nehmen sollte.

Entlang des Flusses Nervión stößt man auf die schönsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Von der Stadtmitte aus durch den Parque Iturriza Dona Casilda und vorbei am Museum der Schönen Künste fährt man auf den riesigen Kongress- und Musikpalast Palacia Euskaduno zu, der direkt am Ufer des Nervión liegt. An der Uferpromenade geht es weiter zum Guggenheim Museum, einem der modernsten Gebäude der Welt. Die Architektur des Gebäudes, bestehend aus organischen und geometrischen Formen sowie aus verschiedenen Materialarten, ist beeindruckend, genau wie die Außeninstallationen des Museums. Direkt am Ufer trifft man beispielsweise auf die riesige Spinnenskulptur „Maman” von Louise Bourgeois, und vor dem Haupteingang ist die aus Millionen von Blüten bestehende Hundeskulptur „Puppy“  des Künstlers Jeff Koons zuhause. Ein Abstecher ins Museum sollte definitiv auf dem Tagesplan stehen, denn auch die Installationen der ständigen Ausstellung sind überaus imposant. Die künstlerischen Eindrücke lassen sich mit der Besichtigung der avantgardistischen Brücke Zubizuri des Architekten Santiago Calatrava abrunden. Liebhaber historischer Kultur sollten auch die Altstadt von Bilbao mit ihrer gotischen Santiago-Kathedrale auf dem Plan haben.

Auf geht's zur ersten Etappe!

Vorbei an der spektakulären Uferstraße Bilbaos, die von Prachtbauten im Stadtzentrum in das alte, halbverfallene Hafengebiet der Stadt übergeht und einen charmanten Blick auf die ehemalige Hauptindustrie der Stadt bietet, geht es ins 13 km entfernte Portogalete.

Tipp: Es ist gerade in größeren Städten auf der Tour empfehlenswert, auf die Streckenangaben im Pilgerführer zu verzichten und nach den Straßenschildern zu fahren, denn der oben genannte Reiseführer beschreibt die Wege zwar sehr exakt, jedoch muss man ihn quasi ständig zur Hand haben, um der kleinteiligen Ausführung mitsamt Straßennamen und Meterangaben folgen zu können – für Radler extrem unpraktisch. Ein Fahrrad-Navigationssystem am Lenker ist immer ein guter Freund.

Die ersten Kilometer bringt man am besten schnell hinter sich. Die „Highlights” beschränken sich auf verfallene Arbeitersiedlungen und heruntergekommene Industrieanlagen. In Portogalete wendet sich das Bild aber schnell. Hier fährt man durch die kleinen Altstadtgassen steil hinunter zum Nervión-Ufer. An der Promenade finden sich nette Cafés und Tapas-Bars, die zu einer ersten Rast bei leckerem Café con Leche einladen. Außerdem sticht von dort aus die Hängebrücke von Gexto ins Auge. Als eine der ältesten Hängebrücken in Betrieb ist sie ein echtes Wahrzeichen der Region.

Nach den ersten Straßenkilometern kann man auf dem weiteren Teilstück nach Pobeña absolute Ruhe und Natur genießen. Zusammen mit den Fußpilgern geht es am Ortsausgang von Portogalete auf einem mit der Jakobsmuschel gekennzeichneten rot asphaltierten Weg weiter, der gut ausgebaut durch kleine Waldstücke und Felder bis zum Strand von La Arena (Tageskilometer 25) führt.

An einer idyllischen Bucht, umgeben von der rauen Felsenküste des spanischen Nordens, führt der Jakobsweg ca. 300 m lang direkt am Strand entlang. Radler können auf die Landstraße Richtung Pobeña ausweichen, wenn sie das Bike nicht über den Strandweg schieben möchten. Der direkte Weg spart allerdings locker 2 km und zudem ist es eine prima Abwechslung, die frische Meeresluft bei einem lockeren Spazierweg über den Sand zu genießen. Am Ende der Bucht ist man bereits in Pobeña und kann direkt oberhalb der Steilküste auf einem Panoramaweg weiterfahren.

Kurz danach verlässt man das Baskenland in Ontón. Kantabrien empfängt seine Besucher mit den ersten größeren Anstiegen auf der Tour. Hier sind zum ersten Mal 200 Höhenmeter zu bewältigen, bevor man vom höchsten Punkt der ersten Etappe bereits den Zielort im Blick hat: Castro Urdiales an der Costa de Occidental.

Castro Urdiales ist eine Kleinstadt in malerischer Kulisse. Entlang der Strandpromenade sollte man den kleinen Hafen und den alten Festungsturm Santa Ana auf seiner Reise mitnehmen. Der Stadtstrand lädt zu einer wohlverdienten Abkühlung im Atlantik ein.

 „Pilger-Einsteiger” sollten vielleicht nicht gerade die öffentliche Alberge von Castro Urdiales für die erste Erfahrung in einer Pilgerunterkunft ansteuern.
Tipp: beim Mexikaner an der Calle de Silvestre Ochoa gibt es köstliche Nachos mit Käse.

Exkurs: Nichts für schwache Nerven

„Wir hatten uns im Vorfeld unserer Reise dazu entschieden, so oft wie möglich in den Pilgerherbergen, den sogenannten Albergen, zu übernachten, um ein wenig die Atmosphäre der Wanderer zu spüren. Aus Erzählungen hatte ich allerdings eine viel zu verklärte Vorstellung von diesen Pilgerunterkünften. Ich stellte mir eher eine Art normale Jugendherberge darunter vor...Bei der Ankunft in der öffentlichen Herberge von Castro Urdiales, die im Pilgerführer als eine der besseren Unterkünfte angepriesen war, blieb mir dann jedoch im ersten Moment die Luft weg: 18 Betten in einem völlig stickigen Raum von ca. 20m2. Meine erste Reaktion: Rückwärts raus und ganz tief durchatmen!

Fazit meiner ersten Nacht auf dem Jakobsweg: ca. 2 Stunden Halbschlaf waren mir bei hohem Geräusch- und Ausdünstungspegel gegönnt, bis um 4 Uhr der Wecker des ersten eifrigen Fußpilgers klingelte und die anderen ihm nach und nach folgten. Für mich stand nach dieser Nacht fest: Albergen sind nichts für mich! Wir änderten unsere Unterkunftspläne und beschlossen, ab diesem Zeitpunkt etwas komfortabler zu nächtigen, wann immer es möglich war. Deshalb finden sich in diesem Bericht auch in erster Linie kleine Hotels und Pensionen als Übernachtungstipps."

2. Etappe: Castro Urdiales  - Santander, ca. 79 km
Hauptstationen: Castro Urdiales - Laredo - Santoña - Pedrena - Santander
Unterwegs zu Land und zu Wasser

Die ersten 10 km von Castro Urdiales auf dem Weg nach Santander lassen sich hervorragend auf dem Fußpilgerweg fahren. Hier ist man auf einem unbefestigten, aber gut befahrbaren Pfad unterwegs, vorbei an urigen Gehöften und kleinen Ortschaften mit alten Steinhäusern. Wenn dieser Weg die N-634 kreuzt, fährt man am besten dort weiter bis Laredo (Tageskilometer 35). Die Strecke führt in einem ständigen Rauf- und Runter bei weiterhin moderatem Höhenprofil (höchste Steigung: 7% auf ca. 2km Länge) durch hügelige Waldlandschaften, die immer wieder atemberaubende Blicke auf die kleinen Örtchen an der Küste offenbaren.


Zum anderen Ufer

Laredo ist einer der beliebtesten Badeorte an der Nordküste. Das Städtchen beeindruckt mit der größten Bucht Kantabriens und mit der kleinsten Fähre, mit der wir jemals gefahren sind. Am westlichsten Zipfel der Stadt auf der Halbinsel El Puntal legt ein kleiner Holzkahn direkt am Strand an, um die Passagiere auf de andere Seite der Bucht nach Santoña zu bringen. Die kleine Fähre (Kosten im Sommer 2011: 1 Euro pro Person, 1,70 Euro pro Fahrrad) fährt nur in der Hauptsaison regelmäßig. In der Nebensaison kann man sich in der Touristen-Info in Laredo (Alameda de Miramar) über die Fahrzeiten informieren.

An Tagen, an denen die „barca” nicht verkehrt, muss man einen Umweg über den Ort Colindres in Kauf nehmen und quasi einmal komplett um die Bucht herum fahren. Die Fähre ist auf jeden Fall ein kleines Erlebnis: Mensch und Rad werden vom Fährmann mit Hilfe eines kleinen Holzbrettes an Bord des Holzkahns geladen. Zehn Minuten später hat man im Schneckentempo das Ufer von Santoña erreicht. Die Fischerstadt liegt auf einer kleinen Halbinsel und war aufgrund ihrer Kessellage früher einmal militärischer Rückzugsort. Alte Festungen und herrschaftliche Gebäude erinnern an diese Zeit. Besonders schön ist es aber in den kleinen, mediterranen Gässchen im Zentrum.

Von Santoña aus sind es noch ca. 45 km bis Santander, die man durch eine weitere Fährverbindung in Pedrena (Tageskilometer 79) aber etwas abkürzen kann. Auf dem Weg zum Fähranleger nach Santander folgt man am besten der Küstenstraße CA-141. Vorbei an idyllischen Örtchen mit ihren typischen kleinen Steinkirchen wartet noch ein gewaltiger Anstieg auf den fleißigen Radler. Dieser zieht sich ca. 15 km vor Pedrena gute 5 km mit 7 % Steigung kurvenreich den Berg hinauf. Am höchsten Punkt erscheint Santander bereits in der Ferne. Nun geht es schnell: nur noch bergab in Richtung Pedrena und auf die Fähre über einen Seitenarm des Golfs von Biskaya in die Hauptstadt Kantabriens, die als elegante Bade- und Universitätsstadt gepriesen wird.

Info: Fähre Pedrena - Santander: 2,40 Euro pro Person (im Sommer 2011), verkehrt alle 30 Minuten

Im historischen Stadtkern der kantabrischen Hauptstadt Santander gibt es viel zu sehen. Hier reiht sich ein perfekt restauriertes Gebäude ans nächste. Außerdem gibt es eine Fülle von Kneipen und Cafés. Nur nach „richtigen” Restaurants, in denen keine Tapas serviert werden, muss man länger suchen. Dafür geht die Suche nach einer passenden Unterkunft dank der Touristen-Information umso schneller. Die Info befindet sich direkt zwischen Fähranleger und Durchgang zum Stadtzentrum vor dem prunkvollen Hauptsitz der Santander Bank.

Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text und Fotos: Daniela Steins (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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Baskenland:

Das Baskenland „Euskadi” ist eine autonome Gemeinschaft, die im Osten an Frankreich und im Westen an Kantabrien grenzt. Traurige Bekanntheit erlangte die Region durch die Terroranschläge der separatistischen Partei ETA, die seit Anfang der 1960er Jahre für eine Abspaltung von Spanien und einen autonomen Staat kämpft. Erst Anfang 2011 legte die ETA die Waffengewalt nieder und einigte sich mit der spanischen Regierung auf einen dauerhaften Waffenstillstand, der im Oktober nochmals mit der Ankündigung der definitiven Beendigung aller bewaffneter Aktivitäten bekräftigt wurde.

Im Baskenland wird bis heute die baskische Sprache Euskara gefördert. Entsprechend findet man in dieser Region zweisprachige Beschilderung; und auch in Restaurants sind die Speisekarten vielerorts zweisprachig. Das Baskenland besteht zu großen Teilen aus Mittel- bis Hochgebirgsregionen. Besonders bevölkert ist das Gebiet am Golf von Biskaya, wo sich auch die Hauptindustrien der Region angesiedelt haben.

Bilbao:

Hauptstadt der autonomen Region Baskenland
Einwohner: ca. 350.000
Highlights: Guggenheim-Museum, Nervión-Ufer, Altstadt, Hafenviertel
Unterkunftstipp:  Hotel Abba Parque *** direkt im Einkaufs- und Geschäftsviertel, ca. 50 Euro pro Person/Nacht

Kantabrien:

Kantabrien ist eine autonome Gemeinschaft am Golf von Biskaya mit der Hauptstadt Santander. Die Region ist mit dem Kantabrischen Gebirge eine der bergigsten Spaniens.

Santander:

Hauptstadt der autonomen Region Kantabrien
Einwohner ca. 190.000
Highlights: Historisches Stadtzentrum, Halbinsel La Magdalena  mit dem Schloss Alfons des XIII, in dem sich heute  u. a. die Internationale Sommeruniversität befindet, Leuchtturm Cabo Mayor, Hafenviertel „Puerto Chico”
Unterkunftstipp: Privatpension „Madrid”, Calle de Madrid 21, 10 Euro pro Person. Sehr zentral, sauber und freundliche Pensionswirte.
Für ein gutes Frühstück: Cafeteria Alaska, Paseo Pereda 16, direkt neben der Deutschen Bank.