14-Gangnabe

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Die Mutter aller Naben

Quelle: www.rohloff.de

Eine Hommage an Rohloffs legendäre Getriebenabe

1999 ging Bernhard Rohloffs Getriebenabe Speedhub 500/14 in die Serienproduktion. Fünf Jahre Tüftelns waren vorausgegangen. Das erklärte Ziel war damals stressfreies Biken in jedem Gelände, zum Beispiel am Strand. Mit einer Kettenschaltung funktioniert das nur, bis die erste sandige Welle das Ritzelpaket flutet. Die damals erhältlichen Getriebenaben wiederum hatten nicht einmal annähernd genügend Gänge, um abseits des Strandes, etwa im Gebirge mithalten zu können.

Die Bemühungen, das hehre Ziel zu erreichen, kulminierten in der Entwicklung der Speedhub 500/14. Dieses Getriebe besteht aus drei in Reihe geschalteten Planetengetrieben, von denen zwei symmerisch sind, und hat eine Gesamtübersetzung von sensationellen 526 Prozent.

Die beiden symmetrischen Getriebe ergeben dabei theoretisch drei mal drei, also neun Gänge. Wegen der Symmetrie sind drei Gänge gleich, deshalb gibt es nur sieben verschiedene Gänge. Das dritte Getriebe liefert mit noch zwei Gängen den Faktor zwei. Macht zusammen 14. Die Gangabstufung beträgt gleichmäßig 13,6 Prozent.

Das kann keine Kettenschaltung leisten. Deren Gesamtübersetzung ist mitnichten höher und mehr effektive (unterschiedliche) und sinnvolle Gänge ohne ungünstige Kettenschrägstellung hat sie auch nicht zu bieten, von der wechselnden Abstufung ganz zu schweigen.

Einzig vom Gewicht her ist die Kettenschaltung im Vorteil. Die Speedhub bringt komplett über 1,8 Kilogramm inclusive Schalthebel auf die Waage. Shimanos hochwertige XT-Gruppe mit 27 Gängen wiegt im Vergleich dazu fast 500 Gramm weniger. Für Leichtbaufetischisten ein gewichtiges Argument gegen die Rohloffnabe.

Ein anderes Gegenargument ist der vermeintlich hohe Preis. Um die tausend Euro muss man dafür berappen. Wenn man jedoch bedenkt, dass die Speedhub nahezu wartungsfrei funktioniert, Kette und Kettenblatt kaum verschleißen, man also nicht ständig Kette und Ritzel(paket) wechseln muss, amortisiert sie sich spätestens nach einigen Jahren. Soviel zu den Vernunftargumenten.

In Sachen Spaßfaktor ist die Rohloffnabe nicht zu toppen. Das Mehrgewicht am Hinterrad ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber Bunnyhops können trotzdem gesprungen werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Nabe direkt über dem Tretlager zu platzieren, realisiert zum Beispiel von Kalle Nicolai mit dessen G-boxx. So zentral am Bike ist ihr Gewicht kaum noch zu spüren.

Man kann nach Belieben schalten, selbst im Stehen, und außerdem muss man sich nicht durch gelegentlichen Blick nach unten versichern, dass man einen brauchbaren Gang eingelegt hat. Nur unter Volllast kann nicht geschaltet werden. Das bedeutet praktisch allerdings lediglich, für einen Sekundenbruchteil keine Muskelkraft aufs Pedal zu bringen. Dafür gibt es keine schnellere Schaltung. Nicht einmal die XTR-Schaltung arbeitet annähernd so präzise.

Vorausschauendes Schalten entfällt ersatzlos. Ist der Berg steiler als gedacht, legt man lässig einen leichteren Gang ein. Wer sich schon mal verschaltet hat, weiß wie ärgerlich es ist, mitten im Hang absteigen zu müssen, weil man nur noch durch Anheben des Hinterrades und gleichzeitiges Kurbeln den richtigen Gang ’rein bekommt. Mit der Rohloffnabe gehören solch peinliche Momente der Vergangenheit an.

Die unnachahmliche Leichtigkeit des Schaltvorgangs wiegt den Gewichtsnachteil sogar in den Augen einiger Marathonisti auf. Beim diesjährigen Sympatex-Bike-Marathon in Willingen waren gleich mehrere Bikes mit der Rohloffnabe ausgestattet!

Ihr Wirkungsgrad liegt bei 95 bis 99 Prozent und ist damit genauso gut wie der der hochwertigsten Kettenschaltung.

Nachdem sie zunächst keine Zulassung für den Einsatz in Tandems und Liegerädern bekommen hatte, stellte sich alsbald heraus, dass sie selbst so starken Belastungen ohne weiteres gewachsen ist. Mittlerweile ist sie die einzige für Tandems zugelassene Getriebenabe.

Für Tourenbiker und Alpencrosser gibt es keine bessere Alternative als die langlebige Stressfreinabe. Zufriedene Kunden sind damit schon um die Welt geradelt und selbst nach weit über 50 000 Kilometern Fahrleistung funktioniert sie wie neu. Umweltfreundlicher geht es kaum.

Die Speedhub wurde seit ihrer Markteinführung vor acht Jahren über 75 000 Mal verkauft. Die Tendenz ist steigend. Verbesserungspotenzial gibt es nur bezüglich des Gewichts, sieht man von der bisher eher theoretischen Möglichkeit eines Variomatikgetriebes fürs Bike ab. Der US-Hersteller ATC hat jüngst mit der Nuvinci ein stufenloses Getriebe entwickelt, das aber mit einem Gewicht von 4,2 Kilogramm nicht konkurrenzfähig ist...

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass eine leichtere Version in Vorbereitung ist, die jedoch „nur“ eine garantierte Lebensdauer von 50 000 Kilometern haben soll. Langfristig dürfte spätestens mit dieser Version der Siegeszug von Bernhard Rohloffs legendärer Getriebenabe nicht mehr aufzuhalten sein.

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Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text: Carola H. Haug (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

Link-Tipps

Links zu ausführlichen Tests von Rädern, an denen die 14-Gang-Nabe verbaut ist:

• Utopia: SilberMöwe

• riese und müller: Intercontinental