Tandem-Test: Zwei plus Zwei "Tour"

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Tandem-Test Zwei plus Zwei "Tour"

Im Gleichtakt gemeinsam durch die Welt

Captain und Stoker (engl. für Heizer) werden sie genannt, die beiden Fahrer eines Tandems. Der eine trägt die Verantwortung – der andere tritt. Tritt mit, muss es besser heißen. Denn beim Tandem wird synchron getreten, wobei auch hier Ausnahmen die Regeln bestätigen – weiter unten mehr dazu.

Wer das erste Mal vor einem Tandem steht wird feststellen: Ein Tandem ist echt lang und damit eigentlich nur etwas für Garagenbesitzer oder Leute mit leicht zugänglichen Kellerräumen. Aber ein Tandem kann auch leichter sein als gedacht: Unser Testrad, das Tandem „Tour“ des Kölner Herstellers Zwei plus Zwei, wiegt 23 Kilo und lässt sich unerwartet bequem anheben.

Vor der ersten Runde schadet eine kurze Einführung in die Technik des Tandemfahrens nicht. Der Captain vorne trägt also die Verantwortung, sollte aber auch sensibel schalten und lenken. Dem Hintermann ankündigen, wenn er bremsen, schalten und um die Kurve fahren will. Beim Ausrollen nicht einfach aufhören zu treten, sondern ohne Druck pedalieren, bis der Hintermann das Signal verstanden hat und ebenfalls Druck vom Pedal nimmt, und beide aufhören zu treten. Am einfachsten ist es, wenn der Stoker per Klicksystem mit den Pedalen verbunden ist – sonst verknotet er sich in der Anfangszeit gerne mal die Füße… Der Stoker wiederum darf nicht lenken wollen, muss seinem Captain vertrauen können und sollte genauso wenig unvermittelt mit Treten aufhören.

Tandem-Fahrtechnik: Aller Anfang ist spannend

Der Captain stellt sich auch als erstes über das Rad, fixiert es wenn nötig mit den Oberschenkeln am Oberrohr. Der Stoker kann gleich auf dem Sattel Platz nehmen und die Füße auf die Pedale stellen. Auch bei Stopps zwischendurch bleibt der Hintermann sitzen, der Vordermann hält das Rad. Dies soll mit einiger Übung auch dann gehen, wenn der Captain etwas leichter sein sollte als der Stoker. Ist der Gewichtsunterschied zu groß, der Stoker also um einige Kilos schwerer als der Captain, lässt sich das Gefährt nicht mehr steuern.

In der Regel ist daher die Aufteilung der Plätze auf einem Tandem auch immer dieselbe: der größere Fahrer vorne, der kleinere, leichtere hinten. Dies impliziert allerdings unter Umständen auch, dass der Stoker sich mangels Frontsicht tatsächlich wie der Heizer fühlt, der nichts tut als nachlegen, sprich für Tempo sorgen. Die fehlende Sicht nach vorne wird andererseits – bei entsprechendem Vertrauen und nach einer gewissen Eingewöhnungszeit – wett gemacht durch die Möglichkeit, rechts und links des Weges alles Mögliche zu entdecken, was man als Solofahrer vielleicht nicht registrieren würde und was auch dem Captain vorenthalten bleibt.

Nichts für Nebeneinanderfahrer

Als Testgelände empfehlen sich für den Anfang eher ruhige Straßen oder Landstraßen – wo eben nicht so viel gebremst, angehalten oder um Ecken gebogen werden muss. So viele Kommandos mag keiner geben – und auch nicht empfangen. Es dauert einfach ein wenig, bis sich zwei eigenständige Radler mit der ungewohnten Rollenverteilung abfinden. Wer bislang ungefähr gleich stark gemeinsam unterwegs war, wird vermutlich ohnehin nicht so schnell auf die Idee kommen, sich mit einem Tandem auf Tour zu begeben. Ein Tandem bietet dann besondere Vorteile, wenn die Leistungsunterschiede zweier Radler einer entspannten Tour im Wege stehen, weil einer sich abstrampelt, während der andere eine Zwangspause nach der anderen einlegen muss. Oder wenn der eine Fahrer ein Handicap hat. Auch wer mit Kindern länger unterwegs sein möchte, findet mit einem Tandem eine Alternative zu Quengeleien und Zwischenstopp nach Zwischenstopp.

Zwei plus Zwei Tour – ein Familientandem

Und genau hier sieht Zwei plus Zwei die Zielgruppe für ihre Tandems. Das „Tour“ ist ebenso wie die anderen Tandems des Kölner Zweiradspezialisten als Familientandem konzipiert, auf denen möglichst jedes Familienmitglied entspannt radeln können soll. Vater vorne, Mutter hinten; Mutter vorne, Kind hinten; Sohn vorne, Freundin hinten…

Dieses Konzept bringt auch mit sich, dass das Tandem in nur einer Rahmenhöhe zu haben ist. Vorne liegt die maximale Körpergröße des Fahrers bei 1,90 m. Der hintere Platz ist bereits für 1,70 m große Fahrer relativ kurz, kann dafür jedoch auch von Kindern ab 1,30 m Körpergröße gut besetzt werden. Störend ist der geringe Abstand zwischen hinterem linken Pedal und Seitenständer, gegen den man beim pedalieren bereits mit Schuhgröße 39 stößt. Das Problem ist jedoch bekannt und wird abgeschafft: Das 2009-Modell wird die Montage des Seitenständers direkt am Rohr möglich machen.

Technik auch fürs Auge

Auffällig am Rahmen des „Tour“ im Vergleich zu Touren-Tandems anderer Hersteller ist das zweite Rahmenrohr, das parallel zum Sitzrohr des Captain verläuft und Vorbau/Lenker des Stoker fasst. Das sieht nicht nur gut aus, sondern bringt handfeste Vorteile: Das von Zwei plus Zwei spaßeshalber DTD („Don’t Turn the Driver“) getaufte Rohr ermöglicht die separate Anbringung des Stoker-Lenkers. Wird dieser nämlich, wie sonst üblich, direkt an der Aufnahme der Captain-Sattelstütze montiert, kann der Stoker schon mit etwas heftigeren Bewegungen (z.B. Lenkversuchen…) den Sattel des Captain verdrehen. Das DTD-Rohr bietet außerdem den Vorteil, dass sehr viele verschiedene Positionen des Lenkers relativ unabhängig von der Sattelhöhe des Captain gewählt werden können, und der Lenker nicht wie sonst üblich immer unterhalb des Sattels bleiben muss. Entwickelt wurde diese Konstruktion vom französischen Rahmenbauer Gilles Berthoud.

Das „Tour“ ist ein sehr stabiles Rad, dafür sorgt auch das durchgezogene Oberrohr. Es rollt gut auf 26’’-Rädern, fährt sich leicht und durchaus wendig, wenngleich der Radius natürlich größer ist als bei einem Solorad. Die Magura-Hydraulikbremsen (HS33) packen kräftig zu – unverzichtbar, da mit dem verhältnismäßig schweren Rad und zwei Personen wesentlich mehr Gewicht abgebremst werden muss als bei einem Solorad. Die Ausstattung des „Tour“ ist hochwertig, SON-Nabendynamo und Busch&Müller-Lichtanlage, tubus-Gepäckträger und recht bequeme Selle Royal-Sätteln zieren es.

Unser Testrad ist mit einem Shimano Deore-Antrieb ausgestattet. Die Synchronkette läuft links, sie wird mittels Exzenter (im hinteren Tretlager) gespannt. Das „Tour“ ist alternativ auch mit Rohloff Speedhub 500/14 zu haben. Diese Ausstattung bietet zwei Vorteile: Die Synchronkette liegt hier wie die Antriebskette rechts. So können beide Ketten komplett mit einem von Zwei plus Zwei speziell entwickelten geschlossenen Kettenschutz versehen werden. Außerdem ist die Rohloff-Nabe auch mit einem Einzelfreilauf erhältlich, d.h. der Stoker tritt unabhängig vom Captain, was in manchen Fällen sicherlich eine interessante Alternative zum Treten im Gleichtakt ist.

Fazit

Das Zwei plus Zwei „Tour“ ist ein solides, flexibel zu nutzendes Rad. Es lässt sich mit wenigen Handgriffen auf verschiedene Fahrer einstellen und ist somit ein vielseitiges Familienrad, mit dem man in unterschiedlicher Besetzung auf kürzere und mittlere Touren gehen kann.

Testergebnisse im Überblick

Einsatzbereich: Kurze und mittlere Touren, Familientouren, Asphalt und befestigte Wege
Pluspunkte: Rahmen, Ausstattung, variable Anpassung an unterschiedliche Körpergrößen vorne und hinten
Minuspunkte: Zu geringer Abstand zum Seitenständer (wird 2009 behoben), kurzer Sitzplatz hinten (was andererseits auch Kindern ein sehr komfortables Mitfahren ermöglicht)
Fazit: Solides, vielseitig nutzbares Familientandem mit sehr guter Ausstattung und interessanten Ausstattungsvarianten

Spezifikationen Zwei plus Zwei „Tour“

Rahmen: Zwei plus zwei Direct Lateral Alu 7005, mit Verstärkung hinteres Sitzrohr
Rahmenhöhe vorne/hinten: 50/42
Gabel: CroMo Stahl Tandem, verstärkt 1 1/8"
Farbe: nachtblau metallic
Lenkervorbau vorne: Humpert verstellbar, Ausladung 130 / Schaftlänge 230
Lenkervorbau hinten: Humpert verstellbar, Ausladung 90 / Schaftlänge 300 + Zoom Lenkeradapter
Lenker vorne und hinten: Humpert Downhill Alu
Sattelstützen: Humpert Hook silber, poliert, starr
Sättel: Selle Royal Shadow Damen und Herren
Schaltung: Shimano Deore 27-Gang
Nabe vorne: Schmidts Nabendynamo SON
Nabe hinten: DT Swiss Onyx
Felgen: Grünert Tandem plus 21-559 36 Loch
Speichen; DT-Swiss Competition 2,0-1,8-2,0
Kettenradgarnitur (Übertragung): Lasco 39 Zähne
Kettenradgarnitur (Antrieb): Shimano Deore Alu 48-36-26 Zähne
Ritzel: 11-32 Zähne, 9-fach         
Entfaltung: 1,64 m - 8,81 m
Reifen: Schwalbe Marathon NEW Reflex 50-559
Bremsen: Magura HS 33
Scheinwerfer: Busch & Müller Lumotec Oval Senso plus (Standlicht)
Rücklicht: Busch & Müller Selectra plus (Standlicht)
Dynamo: Schmidt Nabendynamo SON
Schutzbleche: SKS Trekking silver 53 mm
Pedale: VP 196 Industrielager
Gepäckträger: tubus Logo schwarz
max. Zuladung: 200 kg
Gewicht: 24,0 kg (Herstellerangabe. Testrad: 23 kg)
Preis: 2.295 Euro. Die Variante mit Rohloff Speedhub kostet 3.095 Euro.

Weitere Infos: www.zweipluszwei.com

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Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text/Fotos: Cornelia Auschra (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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