Reiserad-Test: Intercontinental von riese und müller

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Im Test: Intercontinental von riese und müller

Ich fahr dann mal los …

Ich fahr dann mal los – mag doch der Rest der Redaktion die Schreibtischarbeit erledigen. Dieses Rad fordert seinen Besitzer förmlich dazu auf, es mit einer möglichst kompletten Langzeit-Radtour-Camping-Ausrüstung zu beladen und zu starten. Unter den Rädern der Feldweg, über dem Radler der Himmel. Der Weg ist das Ziel, die Rückkehr ungewiss.

Doch zurück zur Redaktions-Realität: Die Testfahrer fordert das Rad erst einmal dazu auf, es in Augenschein zu nehmen, dann zu fahren, dann zu schreiben.
Also, der Reihe nach.

Augenschein

„Robust-Souverän“, so beschreibt Hersteller riese und müller sein Intercontinental. Der erste optische Eindruck bestätigt diese Aussage. Die Rahmenkonstruktion ist auf Stabilität ausgelegt. Der Gepäckträger ist in den Rahmen integriert und über Gelenke mit der Hinterbauschwinge verbunden. Große Rohrvolumina und zusätzliche Verstrebungen unterstützen das robuste Erscheinungsbild des Intercontinental.

Der Rahmen ist in zwei Lackierungen zu haben. Neben der Farbe „Sahara“ des Testrads gibt es das Intercontinental auch in schwarz. Enttäuschend ist übrigens an einem Rad dieser Preisklasse die unschöne Verarbeitung einiger Schweißnähte. Dass es auch anders geht, zeigt die Fotografie eines anderen Interconti-Rahmens, die der Redaktion von Radtouren.de auf Nachfrage von riese und müller zur Verfügung gestellt wurde (Abbildung rechts, klicken für eine vergrößerte Ansicht):

Schaltung und Bremsen sind unter den Gesichtspunkten Haltbarkeit, Unempfindlichkeit und Funktionalität ausgewählt: Die wartungsarme Rohloff Speedhub 14-Gang-Nabenschaltung schaltet in jeder Lebenslage, die hydraulische Felgenbremse Magura HS 33 verzögert zuverlässig. Serienmäßig wird das Intercontinental ohne Lichtanlage ausgeliefert. Die Verkabelung ist jedoch bereits gelegt, so dass sich dies auch ohne Probleme nachrüsten, bzw. gegen Aufpreis bereits montiert (SON- oder Shimano-Nabendynamo plus Leuchten von Buch und Müller) liefern lässt.

Technik

Die Produktpalette der Firma riese und müller umfasst ausschließlich voll gefederte Räder. Seit Firmengründung 1995 hat sich auf diesem Gebiet natürlich jede Menge Know-how konzentriert, was beim Intercontinental gut zur Geltung kommt. Je größer die gefederte Masse im Verhältnis zur ungefederten ist, desto effektiver arbeitet das System. So ist es nur konsequent, auf einem Reiserad auch das Gepäck gefedert zu transportieren, was der in die Hinterbauschwinge integrierte Träger ermöglicht. Die Gelenke zwischen Gepäckträger und Hinterbauschwinge erhöhen bei stark beladenem Gepäckträger die Fahrstabilität.

Das Intercontinental ist optional mit dem Lowrider faiv lieferbar, dessen Befestigung an der Marzocchi-Gabel den gefederten Transport auch des vorderen Gepäcks ermöglicht.

Entscheidend für den Bedienkomfort ist, dass sich die jeweilige Federung mit wenigen Handgriffen an die unterschiedlichen Gewichte anpassen lässt, wenn man mal mit, mal ohne Gepäck unterwegs ist. Das Federelement der Hinterbauschwinge kombiniert eine Stahlfeder mit ölhydraulischer Dämpfung. Die Vorspannung der Stahlfeder lässt sich durch Drehen per Hand fein auf das Gewicht einstellen. Die Federn sind in verschiedenen Stärken erhältlich, um auch für sehr leichte bzw. schwere Fahrer einstellbar zu sein. Die Zugstufen-Dämpfung lässt sich durch Drehen des Einstellknopfes justieren. Mit ihr wird das Nachschwingverhalten der Hinterradfederung bestimmt.

Als Option ist das Intercontinental mit einem Luftfederelement erhältlich. Da mit dieser über den Luftdruck tatsächlich die Federstärke, nicht nur die Vorspannung eingestellt wird, lässt sie sich viel variabler an verschiedene Gewichte anpassen. Denn große Gewichtsschwankungen lassen sich bei Stahlfederungen nur durch das Auswechseln der Feder regulieren. Da die Dämpferpumpe für die Marzocchi-Gabel bereits auf Reisen mitgenommen werden sollte, lohnt es sich, über die Investition in diese Ausstattung nachzudenken.

Die Vorspannung der Luftfeder der Marzocchi Gabel wird mithilfe der mitgelieferten Federgabelpumpe justiert. Die Federung lässt sich während der Fahrt mit einem kurzen Handgriff ausschalten (Lockout).

Fahren

So viel Robustheit und Komfort hat seinen Preis: Das Testrad (Rahmengröße 49, mit Lowrider, ohne Beleuchtung) bringt 19 Kilo auf die Waage. In Kombination mit den stollenbewehrten Schwalbe Marathon Cross-Reifen wird schnell klar: Das Intercontinental besitzt man, um in einer mittleren Reisegeschwindigkeit die Welt jenseits der großen Straßen zu erkunden, nicht, um auf Asphalt Kilometer zu machen. Die Federung spricht sehr fein an und bügelt Wellen und Bodenunebenheiten mit und ohne Gepäck einfach weg. Die breite Gesamtübersetzung der Rohloff Speedhub lässt den geübten Fahrer auch steile Anstiege sicher bewältigen.

Die Rahmengeometrie ist so gut abgestimmt, dass trotz ruhigem Geradeauslauf dank langem Radstand (109 cm beim 49er-Rahmern) das Intercontinental für ein Reiserad angenehm wendig ist.

Der winkelverstellbare Vorbau bietet komfortabel viele Einstellmöglichkeiten. Die bequemen Ergo-Griffe entschädigen dafür, dass der Lenker nur eine Griffposition bietet.

Fazit

Voluminös und stabil, schwer und massig ist dieses Rad, das man dennoch nur sehr ungern wieder wegstellt. Zu bequem läuft es, zu komfortabel gleitet es über Stock und Stein. Geometrie und Ausstattung prädestinieren das Intercontinental für weite Touren mit viel Gepäck und ohne Eile.

Testergebnisse im Überblick

Einsatzbereich: Weite Touren mit viel Gepäck abseits der Straßen

Pluspunkte: Robustes Rad, sehr komfortable Federung

Fazit: Draufsetzen, losfahren, nicht mehr wiederkommen – das Intercontinental macht einfach Spaß!

Spezifikationen riese und müller Intercontinental

Rahmen: Aluminium 7005 T6, WIG-geschweißt
Rahmenhöhe: 49, 54 oder 60 cm
Oberfläche: Pulverbeschichtung
Farbe: sahara (RAL 1014) oder schwarz (RAL 9005)
Gabel: Marzocchi MX Pro AIR 100mm, Luftfeder, Öldämpfer, Lockout
Federelement: X-fusion Glyde R-PV mit 850 lbs Feder (Luftfederelement Manitou Radium R Air: +129,90 Euro)
Steuersatz: TH No. 9, semi-integrated
Sattelstütze: Ritchey Comp, Alu, 30.4 x 350mm
Sattelklemme: Kalloy SC-201, 34.9mm, schwarz
Reifen: Schwalbe Marathon Cross 47-559 Reflex
Schläuche: Schwalbe 13 SV-40/62-559, franz. Ventil
Felgen: Ritchey MTN Pro Girder XC, 26“, 32 Loch, schwarz, Flanken CNC-bearbeitet
Speichen: 2.0 mm (14G), Edelstahl
Vorderradnabe: Shimano Deore XT, (HB-M760-S), 32 Loch
Hinterradnabe: Rohloff Speedhub 8015, Nabenschaltung 14-Gang
Tretkurbel: Truvativ Stylo 42 Zähne, 170mm, schwarz, Alu-Kettenschutz
Kette: KMC Z92, 108 Glieder
Kassette: Rohloff 15 Zähne, Wenderitzel
Schaltwerk: Rohloff, CNC-gefräst (Kettenspanner)
Schalthebel: Rohloff, Drehgriff
Sattel: Selle Royal 5207 HRC Freccia Lookin
Pedale: VP-196 MTB, Aluminium
Lenker: Ritchey Rizer Pro
Vorbau: X-TAS-Y Swell 100mm, winkelverstellbar
Griffe: Ergon MP-1-PO-E
Bremsen: Magura HS 33 Evo 2 schwarz
Bremshebel: Magura, 4-Fingerhebel
Schutzbleche: SKS Mountain 60, schwarz
Gepäckträger: im Rahmen integriert, Spanngummi. Testrad: vorne Lowrider faiv Pumpe: SKS Rookie XL, silber-schwarz
Klingel: Original Billy
Ständer: Pletscher Comp Zoom 26“, schwarz
Lichtanlage: Optional, Testrad: ohne
Sonstiges: 3 Flaschen Zefal 156, 600ml/Flaschenhalter (RH 49: 2), Giyo Dämpferpumpe
Entfaltung: 1,58 bis 8,30 m
Gewicht: Testrad (RH 49, mit Lowrider): 19 kg, Herstellerangabe für Ausstattung „Intercontinental Lowrider“:  19,2 kg
Preis: Testrad mit Lowrider, ohne Lichtanlage: 3.388,90 Euro
Infos:www.r-m.de

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Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text/Fotos: Cornelia Auschra (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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