Funktionswäsche

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Wie funktioniert Funktionswäsche?

Außen nass und kalt – innen trocken und warm

Jeder weiß es: Kleidung für Sportler soll atmungsaktiv sein. Doch was genau heißt das? Radtouren.de zeigt, welche Materialien welchen Komfort bieten und was für die Praxis zu beachten ist

Angenehm beim Rad fahren: atmungsaktive Sportbekleidung (Foto: © Milkos - Fotolia)

Die magische Zahl 37

Was auch immer Mensch gerade tut – sein Körper versucht seine Idealtemperatur von ca. 37 °C zu erreichen und zu halten. Im Ruhezustand sorgen Organ- und Muskeltätigkeit für die Wärmebildung; überschüssige Wärme wird zum geringeren Teil durch die Atmung, zum Großteil über die Haut (im Zustand der Ruhe als trockene Wärme) abgegeben. Reichen diese Mechanismen zur Temperaturregulierung nicht mehr aus, beispielsweise weil bei körperlicher Anstrengung wesentlich mehr Wärme produziert wird, muss zusätzlich Verdunstungskühle auf der Haut erzeugt werden: der Mensch schwitzt. Das heißt, die Haut sondert Wasser ab, das als Wasserdampf an die Umgebung abgegeben wird. Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit bestimmen die Aktivitäten des Körpers zur Wärmeregulierung. Je niedriger die Umgebungstemperatur ist, desto größer ist der Verlust trockener Wärme durch die Haut. Hierbei spielt auch der Wind eine große Rolle: Wir empfinden bewegte Luft als kälter als ruhende Luft (der sog. Windchill-Effekt), d.h. dass die Haut mehr Wärme abgibt, je größer die Windgeschwindigkeit der umgebenden Luft ist. Je trockener die umgebende Luft ist, desto effektiver arbeitet die Temperaturregulierung durch Schwitzen, da die trockene Luft aufnahmefähiger ist als feuchte Umgebungsluft. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto mehr schwitzt der Mensch also.

Funktionswäsche

Diese Ausführungen zeigen, dass zum Beispiel bei sportlicher Aktivität der menschliche Körper ganz schön gefordert wird. Beim Rad fahren spielen Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind eine große Rolle. Es ist einleuchtend, dass an die Bekleidung dementsprechend eine hohe Forderung gestellt wird. Sie sollte die körpereigene Wärmeisolationsfähigkeit genauso wenig wie seine Fähigkeit zur Wärmeabgabe behindern. Sie muss isolierend wirken, Feuchtigkeit von innen nach außen transportieren können, Luftaustausch ermöglichen und zu guter Letzt noch von außen einwirkende Feuchtigkeit (Regen) möglichst vollständig vom Körper abhalten. Traditionelle Stoffe wie Wolle, Seide oder Baumwolle sind hiermit rasch überfordert. Daher kommen heute diverse moderne (synthetische) Fasern ins Spiel, um Sportwäsche funktionaler arbeiten zu lassen (s. Kasten).

„Eierlegende Wollmilchsau?“

Die Anforderungen an funktionelle Sportlerkleidung sind im Einzelnen:

Wärmeisolation: Die wärmeisolierende Wirkung der Kleidung hält die Abgabe trockener Wärme durch die Haut möglichst gering.

Wasserdampfdurchlässigkeit: Die Kleidung muss imstande sein, die auf der Haut entstehende Feuchtigkeit (Wasserdampf) nach außen durchzulassen. Eine gut isolierende Kleidung setzt dem Wasserdampf einen höheren Widerstand entgegen, weist also einen höheren sogenannten Wasserdampfdurchgangswiderstand auf.

Luftaustausch: Körperbewegung beeinflusst sowohl Wärmeisolation als auch Wasserdampfdurchlässigkeit der Kleidung. Die durch Körperbewegung in Bewegung versetzte Luft unter, in und um die Kleidung verringert die Isolationsfähigkeit und erhöht den Transport von Wasserdampf. Geschickt angelegte Ventilationsöffnungen in den Kleidungsstücken – z. B. unter den Achseln – erhöhen also den Tragekomfort, wenn von der Sportbekleidung eher Wasserdampfdurchlässigkeit als Wärmeisolation gefragt ist.

Wasserdichtigkeit: Bei der Oberbekleidung beim Rad fahren spielt die Wasserdichtigkeit eine große Rolle. Spezielle Membrane wie Gore-Tex oder Sympatex bestimmen heute den Markt, da sie im Idealfall sowohl wasserdicht sind als auch wasserdampfdurchlässig. Die „eierlegende Wollmilchsau“ gibt es dennoch nicht. Egal ob Membrane ohne Poren oder mikroporöse Membrane oder Beschichtung – es gibt immer Umstände, die deren Funktionalität nahezu außer Kraft setzen. Um z.B. den Transport der Verdunstungswärme nach außen zu gewährleisten, muss die Temperaturdifferenz zwischen innen und außen stimmen. Innerhalb der Kleidung muss es deutlich wärmer sein als außerhalb (sprich der Druck muss größer sein). Je wärmer also die Umgebungstemperatur, desto schlechter sind die Chancen der „atmungsaktiven“, d.h. wasserdampfdurchlässigen Materialien, ihre Wirkung effektiv zu entfalten.

Tipps für die Praxis

Gerade der Radtourist sieht sich auf einer Tour wechselnden Bedingungen ausgesetzt. Da hilft nur das altbewährte Zwiebelprinzip. Die Kleidung als Schutzschicht zwischen Körper und Außenwelt sollte aus mehreren dünnen Lagen bestehen, die unterschiedlich kombiniert werden können. Die Unterwäsche sollte vor allem den Feuchtigkeitshaushalt des Körpers regulieren helfen, also die entstehende Feuchtigkeit rasch von der Haut wegleiten und sie nicht speichern, sondern nach außen abgeben. Während der auf die Aktivität folgenden Ruhephase darf keine Feuchtigkeit auf der Haut zu Unterkühlung führen. Meist kommen reine Kunstfasern zum Gebrauch, da diese nicht quellen, also weder Feuchtigkeit speichern noch die Atmungsaktivität behindern. Selten werden auch Kunstfaser-Woll-Gemische verarbeitet. Die zweite Schicht darf den Feuchtig- keitstransport nach außen nicht unterbrechen, sollte aber je nach Witterung außerdem windabweisend und/oder wärmend wirken. Im Sommer fällt die Wahl hier sicherlich auf ein Trikot mit Frontreißverschluss, in der kühleren Jahreszeit können Fleece-Kleidungsstücke die erste Wahl sein. Das Funktionsgewebe aus Polyester gibt es in verschiedenen Dicken, aufgeraut oder relativ glatt, mehr oder weniger wärmend. Windstopper sind vorne zusätzlich mit einem wind- abweisenden Material versehen. Oben drüber folgt insbesondere in der kühleren Jahreszeit der wasserdampfdurchlässige Wind- und Regenschutz. Egal auf welche Art von Membrane die Wahl fällt, entscheidend ist die Verarbeitung des Materials. So müssen z.B. die Nähte perfekt abgedichtet sein. Will man beim Rad fahren einen Rucksack tragen, sollte dies berücksichtigt werden, da Radjacken in der Regel mit einem dünneren Oberstoff versehen sind und nicht unbedingt einem schweren Rucksack standhalten. Accessoires runden die Bekleidung ab. In der kühlen Jahreszeit kommen Socken, Schuhen, Handschuhen und Mütze eine wichtige Rolle zu. Die Socke muss bei guter Wasserdampfdurchlässigkeit eine hohe Wärmeisolationsfähigkeit aufweisen. Ein Regenüberzug über die (warmen) Schuhe sorgt für annähernde Wasserdichtigkeit, die allerdings bei langen Regenfahrten wegen des Spritzwassers von der Straße kaum noch gewährleistet ist.

Cornelia Auschra

Kleine Materialkunde

Baumwolle
Die sehr saugfähige Faser speichert zwischen 40-80 % des Eigengewichts an Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit bleibt so nah am Körper.

Elasthan
Eine elastische Faser auf der Basis von Polyurethan; kommt in Stretchgeweben und Bündchen zum Einsatz. Markenname: Lycra

Gore-Tex
Eine hauchdünne, mikroporöse Membrane. Die Poren sind wasser-dampfdurchlässig (von innen), aber zu klein für Wassertropfen. Die Membrane ist sehr wasserdicht.

Hohlfasern
Hohlfasern sind hydrophil, die Feuchtigkeit verschwindet im Hohlraum der Faser und wird von dort an die Oberfläche ohne weiteren Hautkon- takt abgegeben. Bekannter Markenname: Coolmax.

Mikrofasern
Extrem feine Polyamid- oder Polyester-fasern, engmaschig verwebt. Ergeben extrem leichte weiche und reißfeste Stoffe (Pertex, Meryl, Tactel u.a.).

Polyamid
Faser mit höchster Reiß- und Scheuer-festigkeit. Polyamid ist dehnfest und nimmt nur max. 4 % des Eigengewichts an Feuchtigkeit auf. Markenname Nylon.

Polyester
Reißfeste und leichte Faser, die nahe- zu keine Feuchtigkeit aufnimmt. Das Gewebe lässt sich gut beschichten und laminieren.

Polyurethan
Synthetisches Material für wasserdichte und atmungsaktive Beschichtungen.

Seide
Echte Seide ist weich, leicht und geschmeidig, weist eine gute Wärmeiso- lierung auf, zieht Feuchtigkeit an. Ist nicht beständig gegen Schweiß und UV-Strahlen.

Sympatex
Sympatex-Membrane besitzen keine Poren. Sie sind wasser- und winddicht; Wasserdampfmoleküle durchdringen die Membrane mit Hilfe eines chemischen Prozesses.

Wolle
Reine Wolle nimmt bis zu 40 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf bei gleichbleibender Wärmeisolier fähigkeit. Nachteil ist ihr verhältnis- mäßig hohes Gewicht, außerdem ist ein Wollgewebe nicht scheuerfest.

 

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Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text: Cornelia Auschra (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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