Der Nordseeküstenradweg durch Schweden

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Der Nordseeküstenradweg durch Schweden

6.000 Kilometer lang ist der 2001 eröffnete Nordseeküstenradweg. Wer ihm komplett folgen will, betritt von Dänemark her kommend in Varberg schwedischen Boden. Hier beginnt unsere Tour auf dem Nordseeküstenradweg durch Schweden, 380 Kilometer lang, immer entlang der Küste.

Zu Beginn führt die Tour durch die beliebte Badestadt Varberg mit ihrer markanten Festung, deren ältester Teil auf das 13. Jh. zurückgeht, während die Festungsmauern im 17. Jh. unter dem dänischen König Christian IV. errichtet wurden. Im Gegensatz zum 19. Jh. – damals ein Gefängnis – kommen heute die Besucher freiwillig: Neben einem Café und einer Familienherberge befinden sich das Regionalmuseum Länsmuseet Varberg sowie ein Fahrradmuseum in der Anlage. Bekannt ist der „Bockstens Mann" – eine mittelalterliche Moorleiche mit vollständig erhaltener Bekleidung.

In Varberg beginnt die Tour des Nordseeküstenradwegs

Westlich der Bahnlinie geht es durch den Hafen nordwärts zur Halbinsel Getterön mit einem Vogelschutzgebiet und einem Naturzentrum. Die Vögel schätzen das erwärmte Wasser des nahen Klarwerkes, das im Winter die Eisbildung verhindert. Von Getterön folgen Sie dem Radweg rechts am Naturum vorbei nordwärts bis kurz vor Kärradal und oft neben der Bahnlinie am Ufer entlang – so macht Rad fahren Spaß. Bei Ringnes radelt man auf dem ehemaligen Bahndamm. 5 km vor Frillesås erwartet den Radler eine der schönsten Passagen des gesamten Nordseeküstenradweges: Es geht direkt an der Küste entlang, mit Dünen und Sandstrand. Vandelsöfjorden nennt sich diese Bucht südlich von Frillesås. Zur Linken ist auf der Värö-Halbinsel die Silhouette des Kernkraftwerks Ringhals unübersehbar, das 20% von Schwedens Strom erzeugt. Ab Frillesås ist der NR bis nach Göteborg wie folgt beschildert: Ginstleden und Cykelspåret. Die Route führt herrlich auf einem alten Bahndamm direkt am Ufer entlang.

Das Besondere am Nordseeradweg: die Strecke entlang der Dünen

Steinhaufen aus der Bronzezeit

Auf der Ölmanäs Halbinsel westlich von Åsa liegt das Naturreservat Näsbokroks. Teilweise mit Heide bewachsene Felsen bieten einen weiten Blick über das Meer. Typisch für dieses Naturreservat sind die breiten Geröllfelder und die sumpfige Landschaft mit einer artenreichen Flora, u.a. Strandnelken, Sonnentau. Die großen Steinhaufen stammen aus der Bronzezeit. Kurz nach Åsa passiert man das Gräberfeld von Li mit Artefakten aus der Völkerwanderungs- und Wikingerzeit. Mittelpunkt ist der fast 5 m hohe Menhir Frodestenen, der König Frodes zugeschrieben wird.

Nach der Kleinstadt Kungsbacka geht durch ein waldreiches Gebiet nahe der Küste. Von Sarö bis zum südlichen Umland von Göteborg fährt man jetzt fast ausschließlich auf reinen Radwegen nordwärts, die großteils auf dem alten Bahndamm angelegt wurden. Wo man traumhaft dahingleiten könnte, sorgen leider zahlreiche Metalltore für lästige Unterbrechungen des Radvergnügens. Diese sind bei vielen querenden Straßen angelegt, um den Radler hier immer wieder zum Abbremsen zu zwingen. Aber würden da nicht auch Warnschilder reichen? Diese Metalltore lassen sich mit viel Gepäck gerade eben, mit Anhängern oder Tandem gar nicht passieren. Als Alternative bleibt dann nur die Parallelstraße nordwärts.

Bei Billdal wird die Bezirksgrenze passiert und man radelt von Halland nach Västra Götaland. Den Wechsel der Bezirke merkt der Radler vor allem an der Beschilderung: In Halland war sie ausreichend, in Västra Götaland ist eher heiteres – und manchmal vergebliches – Schilderraten angesagt. Gelegentlich tauchen Radschilder Sverigeleden auf, die nach Göteborg weisen. Bis nach Askim führt die Route meistens direkt an der Küste entlang, danach geht es auf einem Radweg neben einer Hauptverkehrsstraße nach Göteborg, der zweitgrößten Stadt Schwedens.

Die Tour führt am Störa Hamnkanalen in Göteborg entlang

Großstadtatmosphäre in Göteborg

Göteborg wurde 1621 in einem Moorgelände mit einem kanalreichen Grundriss nach holländischem Muster angelegt und galt damals als eine der am besten befestigten Städte Europas. Architektonisches Wahrzeichen ist heute der „Lippenstift" genannte 87 m hohe Büroturm mit Aussichtsplattform von Ralph Erskine, dessen Form und Farbe tatsächlich an einen Lippenstift erinnern. Mittelpunkt der von Wasser umgebenden Göteborger Altstadt ist die 1815 geweihte Domkirche.

Die Ausfahrt aus Göteborg ist lückenhaft beschildert (zunächst Sverigeleden und Richtung Kungälv) und führt zwischen Schnellstraßen nicht gerade durch die Glanzviertel Göteborgs; nämlich an alten Hafen- und Industriegebieten vorbei. 15 km nach Göteborg ist die Kleinstadt Kungälv mit der Burg Bohus erreicht, im 14. Jh. eine der stärksten und massivsten Festungen Nordeuropas.

Zum Urlaubsdomizil von Ingrid Bergmann

Auf der Küstenstraße gelangt man nach Stenungsund und von dort über eine Brücke zur Insel Tjörn. Die Brücke wurde in nur 17 Monaten erbaut, nachdem 1980 ein Schiff die Vorgängerbrücke bei starkem Nebel gerammt und so zum Einsturz gebracht hatte. Die kleinen Wege über die Insel Tjörn werden schließlich von der stärker befahrenen Straße 160 abgelöst, der man bis zur Insel Orust folgt. Nach Varekil und Ellös setzt man mit der gelben Fähre Malöleder über, einer öffentlichen und daher kostenlosen Fähre. Nach einer weiteren öffentlichen Fähre (Ängöleden) ist das Fischerdorf Fiskebäckskil erreicht, mit kleinen kopfsteingepflasterten Straßen, Holzhäusern und einem netten Hafen. Von Fiskebäckskil geht es per Schiff über den Gullmarfjord, dieses Mal nicht gratis (SEK 30 pro Person und Rad). Die Fähre bringt Sie in den traditionsreichen Kur- und Badeort Lysekil. Vorbei an dem Tierpark Nordens Ark und den Küstenorten Bovallstrand und Hamburgsund geht es weiter nach Fjällbacka, einst mehrmaliges Urlaubsdomizil von Ingrid Bergmann. Hier lohnt sich es sich, sein Rad abzustellen und zu Fuß auf Holstrufen den 74 m hohen Vetteberget zu besteigen. Der Aufstieg mit Holzstufen beginnt am Hafen, links neben einem Laden mit Bootszubehör namens „Järnboden" und führt über eine Schlucht und Holzstufen schließlich auf den Aussichtsberg mit weitem Blick auf die Schärenküste.

In Fjällbacka lohnt sich ein Blick auf die Schärenküste

Gen Norwegen

Von Fjällbacka geht es weiter nach Tanumshede mit seinen vorgeschichtlichen Felszeichnungen, die seit 1994 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt sind. Die Zeichnungen veranschaulichen die einzelnen Aspekte des Lebens in der europäischen Bronzezeit (1.800 bis 500 v.Chr.) und lassen sich bequem auf einem 500 m langen Rundgang auf Holzbohlen entdecken.

Vorbei an Skee mit seiner romanischen Kirche geht es schließlich wieder direkt an die Küste in die Seestadt Strömstad. Das an der Mündung des Flusses Strömsån im Kosterfjord gelegene Strömstad ist ein beliebter schwedischer Badeort unweit der norwegischen Grenze mit einer buchtenreichen Schärenküste, die viele Segler lockt. Nach Strömstad landeinwärts passiert man nach einigen hundert Metern das bekannte Gräberfeld bei Blomsholm mit 20 eisenzeitlichen Steingräbern und einem sehenswerten schiffsförmigen Steingrab aus der frühen Eisenzeit (1050-500 v. Chr.). Bald darauf gelangt man nach Svinesund, der Grenzstadt zu Norwegen. Von hier geht es entlang der ehemaligen E6 über die alte Brücke. In Norwegen verläuft der Nordseeküstenradweg dann auf einer Länge von 1100 km weiter bis nach Bergen.


Idhuna & Wolfgang Barelds

Die einzelnen Etappen (ges. 380 km):

Varberg – Kungsbacka (55 km), Kungsbacka – Göteborg (37 km), Göteborg – Kungälv – Stenungsund (65 km), Stenungsund – Fiskebäckskil (60 km), Lysekil – Fjällbacka (65 km), Fjällbacka – Tanumshede – Strömstad (68 km), Strömstad – Svinesund (30 km)

Buchtipp: Nordseeküstenradweg

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Weitere Infos zum Nordseeküstenradweg Schweden und Norwegen gibt es im OutdoorHandbuch „Nordseeküstenradweg: Schweden und Norwegen“. Die beiden Autoren Idhuna und Wolfgang Barelds sind als (Rad-)Reiseleiter mehrmals im Jahr in der Region unterwegs und haben bereits mehrere Radreiseführer (nicht nur zum Nordseeküstenradweg) veröffentlicht.

Die Bücher der Outdoor-Reihe zeichnen sich durch ihr kompaktes Format, die vielen nützlichen Tipps und Hintergrundinfos sowie den sehr guten Detailkarten aus.

Outdoor Handbuch Schweden Norwegen: Nordseeküstenradweg
2. Auflage 2013,
224 Seiten, 21 Farbkarten, 44 farbige Abbildungen
ISBN: 978-3-86686-228-9
Preis: EUR 14,90

Ebenfalls im Conrad Stein-Verlag erschienen sind die Bände zu den Abschnitten Dänemark, Deutschland, Niederlande und England/Schottland.

www.conrad-stein-verlag.de

Detaillierte Infos zum Nordseeküstenradweg in Schweden

Alles rund ums Thema Radfahren in Schweden, Anreise, Übernachtung, Informationsstellen und Reisebedingungen für Radfahrer erfahren Sie hier.

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Alle Angaben wurden von Hayit Medien und radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text und Fotos: Idhuna und Wolfgang Barelds (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

Überblick

Der schwedische Teil des Nordseeküstenradwegs ist 380 km lang und führt durch die Provinzen Halland und Västra Götaland – mit leichten bis mittelschweren Etappen. Von Varberg über Göteborg bis nach Kungälv ist die Strecke überwiegend flach, während zwischen Kungälv und Lysekil einige mittelschwere, weil hügelige Strecken zu bewältigen sind. Von Lysekil bis nach Strömstad folgt wieder ein leichterer Abschnitt, während das letzte Stück Schweden – von Strömstad nach Svinesund – wieder mit einigen Höhenzügen aufwartet.

Beschilderung

Die Beschilderung in Schweden ist unterschiedlich: Zwischen Varberg und Göteborg folgt man dem Schild Ginstleden Cykelspåret. Der daran anschließende nördliche Teil zwischen Göteborg und Strömstad ist mit dem fantasievollen Namen Cykelspåret („Fahrradspur") ausgeschildert. Gemeint ist damit der durch die historische Provinz Bohuslän führende Fernradweg.