Morphos Schalthebel

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Ein Griff für alle Fälle: Morphos – die Brems-Schalthebelalternative

Ein Griff für alle Fälle
Im Test: Morphos – die Brems-Schalthebelalternative

Nicht jeder möchte alle Jahre wieder sein Rad von Grund auf neu ausstatten. Das geht ins Geld und muss nicht sein: auch mit älteren Komponenten ist bequemes Schalten am Reiserad möglich

Bremsen und Schalten mit einem Griff – für viele Reiseradler war das bisher nicht ohne weiteres möglich. Ältere Schalt-Komponenten verschiedener Firmen wie Shimano, Campagnolo und Suntour, beispielsweise SIS- bzw. Syncro-Systeme oder auch 8-fach Systeme, die inzwischen auch schon fast zum alten Eisen gehören, lassen sich mit den neuen Brems-Schalthebeln dieser Firmen nicht bzw. nicht ohne weiteres kombinieren. Wer also auf seine bewährte Schaltung und den Rennlenker nicht verzichten wollte, hatte bisher keine Alternative zu Unterrohr- oder Lenkerendschalthebeln. (Einzige Ausnahme war der inzwischen nicht mehr hergestellte Command Shifter von Suntour.)

Dass das sich ändert, daran arbeitet die italienische Firma Modolo seit 1995. Vor allem bekannt als Hersteller von (Rennrad-)Lenkern und Vorbauten, brachte Modolo 1997 erstmals den Schalt-Bremsgriff Morphos auf den Markt. Die 99er Version bietet jetzt folgende Kombinationsmöglichkeiten: Der linke Schalthebel bedient 2- und 3-fach Umwerfersysteme. Mit dem rechten Schalthebel lassen sich Shimano 7-, 8- und 9-fach, Campagnolo 8- und 9-fach sowie mit der Einstellung “Index” 5- und 6-fach Schaltungen und Schaltungen anderer Firmen ansteuern.

Simpler Mechanismus

Zunächst überrascht der Brems-Schaltgriff durch sein niedriges Gewicht: Mit 380 Gramm ist er einer der leichtesten auf dem Markt. Die Schalthebel sind aus Carbon gefertigt, an weiteren Materialien kommt Aluminium, Kunststoff und rostfreier Stahl zum Einsatz. Die beiden Hebel zum Herauf- und Herunterschalten liegen nebeneinander auf der Griffinnenseite und werden beide mit dem Daumen bedient. Sie sind vom Bremshebel getrennt. Das bietet offensichtliche Vorteile wie Schutz vor Unfallschäden und die Möglichkeit, die Bremshebel getrennt auszutauschen. Der Griff liegt sehr gut in der Hand und die Bremsen lassen sich auch mit kleineren Händen gut betätigen.

Im Innern der Hebel ruht ebenfalls vor äußeren Einflüssen gut geschützt ein simpler Mechanismus: Ein sechseckiges Rohr, eine Art Zahnstangengetriebe, bewegt den Schaltzug anstelle der sonst üblichen Drehkörper und ermöglicht so theoretisch bis zu sechs verschiedene Rasterabstufungen. Am Kopf dieser Zahnstange stellt man mittels Schraubendreher das gewünschte System ein. Eine am vorderen Griffkörper unterhalb des Gummis versteckte Abbildung zeigt die Einstellmöglichkeiten an.

Bunte Mischung

Die Testbedingungen: Der Brems-Schaltgriff wurde zusammen mit dem Rennlenker Gran Fondo aus dem Hause Modolo montiert an einem Reiseradrahmen aus den 80er Jahren. An Schaltungen kam eine Shimano Deore 6-fach und eine Campa Chorus 8-fach zum Einsatz. Der linke Schaltgriff bediente einen Dura Ace-Umwerfer aus den 80ern sowie einen Campa Veloce-Umwerfer (Bj. ‘96), beide 2-fach. Die Schaltzüge werden – wie damals üblich – oberhalb des Tretlagergehäuses geführt. Als Verzögerer arbeiteten Shimano Deore Cantilever-Bremsen der ersten Stunde (allerdings mit neuen Bremsgummis und optimiertem Seildreieck ausgestattet um eine gute Wirkung zu erzielen).

Um es vorweg zu nehmen: Mit dieser bunten Mischung kam der Morphos gut zurecht. Doch eins nach dem anderen. Die Hebel lassen sich gut montieren. Die Einstellung des gewünschten Systems sollte vor der Montage erfolgen, da z. B. für das Campagnolo 9-fach System kleine Umbauarbeiten am Hebel nötig sind. Die Einstellmöglichkeit des Umwerfers lässt die Wahl zwischen Shimano, Campagnolo und Index. Wir wählten für beide 2-fach Umwerfer nach einigen Versuchen die Einstellung Index. Die sehr gute Bedienungsanleitung will aufmerksam gelesen sein, da aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten einige Besonderheiten zu beachten sind. So müssen z. B. zur Einstellung des linken Schalthebels für 2-fach Umwerfer zwei Rasterschritte von der Endstellung vorgegeben werden.

Der starke Daumen

Die beiden Schalthebel liegen wie beschrieben nebeneinander an der Griffinnenseite. Der kürzere (näher zum Griff liegende) Hebel dient zum Herunterschalten (auf das kleinere Ritzel bzw. Kettenblatt), der längere Hebel zum Heraufschalten. Der kürzere Hebel weist zwei Erhebungen zur Bedienung auf, wobei die Tester aus der Ober- und Unterlenkerposition immer nur eine, die näher zum Fahrer liegende, wählten. Besonders aus der Unterlenkerposition macht sich die Bedienung mittels des Daumens positiv bemerkbar, das hintere Schaltwerk lässt sich komfortabel ansteuern. Mit jeder Rasterung des rechten Schalthebels bewegt die Schaltung die Kette um ein Ritzel, mit etwas Schwung schafft man jedoch auch zwei Ritzel auf einmal.

Generell ist bei der Bedienung des längeren Schalthebels etwas mehr Kraft vonnöten. Außerdem sind – bedingt durch das verschieden einstellbare Zahnstangengetriebe – die Schaltwege der Hebel generell sehr lang.

Das macht sich vor allem beim linken Schalthebel in Kombination mit einem 2-fach Umwerfer bemerkbar: Es müssen einige Schaltschritte getätigt werden, bevor die Kette klettert. Und das geht auf Dauer selbst auf den stärksten Daumen; die Testfahrerin machte dementsprechend beim Umwerfen kein glückliches Gesicht. Der Hersteller geht jedoch davon aus, dass durch eine längere Einfahrzeit die Hebelkräfte etwas egalisiert werden und so die Schalthebel in diesem Punkt bedienerfreundlicher werden. Für Freunde der 2-fach-Half-Step-Übersetzung, die häufiges Umwerfen erfordert, möchten wir dennoch den Morphos eher nicht empfehlen.

Kompatibilität

Umwerfer alter Bauart bereiten in Kombination mit dem Morphos – wie übrigens auch mit Brems-Schaltgriffen der Marktführer – Probleme: Die Federkraft dieser Umwerfer ist so hoch, dass durch Verwindungen des Rahmens beim kräftigen Wiegetritt (aber auch nur dann) der Schalthebel nicht mehr gegenhalten kann und der Umwerfer herunterschaltet. Es sollten also nur Umwerfer jüngeren Datums (ab Anfang der 90er Jahre) zum Einsatz kommen. Die beiden im Test verwendeten hinteren Schaltwerke ließen sich problemlos schalten.

Fazit

Der Preis für die vielfältigen Einstellmöglichkeiten mit Hilfe des Zahnstangengetriebes sind die langen Schaltwege. Sie gestalten die Bedienung insgesamt etwas umständlicher – im Vergleich mit den jüngsten Brems-Schalthebeln der Marktführer Shimano und Campagnolo. Als Zielgruppe kommen daher vor allem Reise- und Rennradfahrer in Betracht, die für etwas mehr Komfort nicht zu tief in die Tasche greifen möchten um ihr komplettes System aufzurüsten. Statt neue Nabe plus Ritzelpaket, Schaltung und Kette kaufen zu müssen und sich dann eventuell mit dem Problem des zu engen Hinterbaus herumzuschlagen, ist die Investition in den Morphos eine sehr gute Alternative.

Stichwort: Gran Fondoaus dem Hause Modolo: Carbon LenkerbandAn unserem Testrad kamen zwei weitere Produkte aus dem Hause Modolo zum Einsatz: der Lenker Gran Fondo und das Carbon-Lenkerband. Die Firma Modolo, die ja bereits unter anderem das Patent auf den anatomischen Rennradlenker mit der griffgünstigen Position im Unterlenkerbereich hat, ist jetzt neu mit dem Gran Fondo auf dem Markt. Der Lenker ist im oberen Bereich um drei Zentimeter nach hinten gekröpft. Man gewinnt dadurch keine zusätzliche Griffposition, sondern die Oberlenkerhaltung wird aufrechter, was sich je nach Geschmack des Fahrers auf längeren Touren und Bergauffahrten positiv bemerkbar machen kann. Als Zielgruppe für diesen Lenker gelten daher Reise- und Langstreckenradler.

aus dem Hause Modolo: Lenker Gran FondoAls angenehm griffig, einfach zu wickeln und bei Hitze trocken bleibend erweist sich das Aktiv-Carbon Lenkerband. Es ist mehrschichtig aufgebaut: schweißabsorbierende Polyurethanoberschicht, Netzeinlage aus reißfester Zellulose, Polyurethan-Latex-Trägerband mit AktivcarbonUmweltbewußt wurde dabei auf die Verwendung von PVC verzichtet. Das Lenkerband ist in diversen Farben im Großhandel erhältlich.

Details Morphos: Materialien Aluminium 7075-T6; Kleinteile gedreht und CNC gefräst, DUPONT , Kunststoff, rostfreier Stahl, Karbon-Faser, Gewicht 380 g,
inkl. Zügen und Gegenhaltern für Unterrohranlötsockel

Details Gran Fondo: Material Aluminium 6082-T6, Größen 38, 41, 43 cm, Form Standard und Randonneur, Farbe silber oder schwarz, eloxiert

unterhalb des Gummis versteckte Abbildung zeigen die EinstellungModolos Gran Fondo


Einsatzbereich: Für Besitzer von Reise- und Rennrädern älterer Bauart, die auf ihre alten Komponenten nicht verzichten möchten und den Luxus eines Brems-Schaltgriffs suchen. Kombinierbar mit div. 5-, 6-, 7-, und 8-Schaltsystemen, für die es keine (oder nicht mehr) Brems-Schaltgriffe der Marktführer gibt. Ebenfalls verwendbar mit 9-fach-Systemen
Positive Merkmale:
Griffe liegen gut in der Hand, Bremsgriff ist auch mit kleineren Händen gut zu bedienen, Schalthebel sind gut geschützt untergebracht, Bremshebel lässt sich separat tauschen, Betätigung der Schalthebel mit dem starken Daumen, vielfältige Kombinationsmöglichkeiten, geringes Gewicht, einfacher Mechanismus, bei Bedarf von außen nachstellbar
Verbesserungswürdig:
Schaltwege zu lang, störend vor allem beim linken Schalthebel (Umwerfer), der äußere Schalthebel (Hochschalten) erfordert mehr Druck/Kraft als der Innere (wogegen der Daumen näher zur Hand mehr Druck aufbringen kann)

Fazit:
Für Liebhaber älterer Komponenten, die komfortables Schalten suchen und dafür nur in den Schaltgriff investieren müssen. Für Individualisten, die verschiedene Komponenten an einem Rad kombinieren möchten, sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis

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