Kroatien/Montenegro

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Die Adriastädte Dubrovnik und Kotor sind eine Reise wert

Per Rad und Schiff von Kroatien nach Montenegro

 

Historischer Minensucher dient als „Standquartier“

 

Aus dem Lautsprecher des kleinen Schiffs dröhnt die Deutsche Nationalhymne über die Kaimauern. Fast militärisch exakt wird die Flagge am Heck eingeholt. Leute bleiben stehen, lauschen, sehen sich fragend an und gehen dann, teils überrascht, teils amüsiert und manche wohl auch irritiert zur Gangway ihres Luxusliners. Es ist 18 Uhr. Im Hafen von Dubrovnik herrscht reger Betrieb. Drei Kreuzfahrtriesen mit einigen Tausend Gästen an Bord sammeln ihre Passagiere ein. Der Landgang in die Altstadt ist vorbei und bald werden die Kapitäne Kurs auf den nächsten Hafen nehmen. Mitten drin zwischen den Ozeanriesen liegt die (relativ) kleine INDEPENDIA. Für kurze Zeit stand sie im Interesse der anderen Passagiere. Jetzt ist sie nur noch Ziel für 20 Fahrradfreaks, die an Bord kommen, um mit Schiff und Rad auf Adriatour zu gehen. Auch sie haben das abendliche Zeremoniell mitbekommen. Noch verstehen auch sie nicht, was da ablief. Sie wissen zwar, dass ihr schwimmendes Hotel auf Zeit ein Traditionsschiff ist aber dass man auch solche Traditionen an Bord pflegt, nicht. Übrigens, klein wirkt die INDEPENDIA nur neben dem Megalinern. Mit fast 50 Meter Länge gehört sie in manch anderem Adriahafen zu den Großen.

Hinter den Radlern liegt ein erster Tag zu Fuß. Nach ihrer Ankunft auf dem Flugplatz nutzten sie das herrliche Herbstwetter zu einem Erkundungsbummel durch die Altstat von Dubrovnik. Gehört hatten sie alle schon lange von deren legendärer Schönheit. Nun konnten sie sich selbst davon überzeugen. Überall spürten sie den Hauch vergangener Jahrhunderte durch die engen Gassen wehen. Schon vor langen Jahren waren die Besucher der mit mächtigen Mauern bewehrten Stadt von Dubrovnik beeindruckt, heute ist sie ein einzigartiges, lebendiges Freilichtmuseum. Fast täglich liegen Kreuzfahrtriesen im Hafen der Stadt oder auf Reede und bringen tausende Tagestouristen. Alle wandeln sie auf den Spuren berühmter Dichter und Gelehrter. So auch die 20 Fahrradfahrer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und der USA. Es ist ein buntes, recht internationale Häuflein, das da die Eindrücke der alten Mauern, in denen zahlreiche schicke Boutiquen und kleine Cafes und rustikale Restaurants eingezogen sind, tief in sich aufgesogen hat. Die Sonne tat ihr Übriges. Wobei in diesen Stunden wohl keiner der Gruppe daran gedacht hat, dass es mit  dem Wetter schon in Kürze anders aussehen sollte. Doch bereits kurz nachdem die Flagge eingeholt wurde, begann ein erster stürmischer Gewittersturm Unheilvolles anzukündigen.

Es ist Ruhe und Ordnung eingezogen an Bord der INDEPENDIA. Die Gäste haben ihre kleinen Kajüten in Besitz genommen und ihr Gepäck, soweit möglich, sinnvoll verstaut. Alle freuen sich auf die kommenden Touren durch einen der schönsten Teile der Adria. In der Kombüse werkelt die Crew und bereitet da Abendessen vor. Noch ist bis dahin etwas Zeit und Sascha Wiese, der erfahrene Tourguide von ZeitReisen nutzt die Gelegenheit, seine neue Gruppe zu begrüßen. Natürlich steht der Ablauf der nächsten Tage im Fokus der Gäste. Zwar kennt jeder den Ablaufplan, der im bunten Farbprospekt zu lesen war, doch das, was da geplant ist, ist eine Pilotreise. Noch nie hat ZeitReisen eine kombinierte Radtour mit Schiff zwischen Kroatien und Montenegro angeboten. Der Erfahrungsschatz mit Rad-Motorsegler-Touren in der Adria ist groß. Da aber die Kapitäne der kroatischen Motorsegler bis heute die Fahrt nach Montenegro, zum ehemaligen Kriegsgegner, scheuen, musste man ein Schiff unter deutscher Flagge anmieten. Das wiederum wird nun zu einem neuen, völlig unerwarteten Problem. Quasi „über Nacht“ hat man ein neues Gesetz geschaffen. Das heißt, die Passagiere dürfen nicht an Bord des deutschen Schiffes nach Montenegro. Zum ersten Mal ist Improvisationskunst gefragt. Sascha Wiese und seine Kollegen haben natürlich eine Lösung gefunden: „Wir werden morgen von der Altstadt mit einem kleinen Kutter nach Cavtat fahren und von dort mit den Rädern auf die Tour nach Molunat gehen“, erklärt Sascha. „In Molunat übernachten wir auf unserem Schiff. Übermorgen geht es dann mit den Rädern über die Grenze bis nach Kotor. Die INDEPENDIA muss zurück nach Dubrovnik um die Ausreisformalitäten zu erledigen und von dort dann mit Volldampf nach Kotor. Wenn alles klappt, müsste sie noch vor uns am Ziel sein.“ Das klingt alles etwas kompliziert aber die Vorstellungen südländischer Bürokraten sind eben so.

Auf der Pirateninsel

Der Montag erwartet uns mit Sonnenschein. Endlich kommen die Räder zu ihrem Recht und schon gegen 10 Uhr ist nach einer kurzen Fahrt durch die Stadt alles auf dem Kutter verstaut. Auf bewegter See schippern wir in Richtung Süden. Nach rund einer Stunde legt das Boot auf einer kleinen Insel vor Cavtat an. Es sei eine Pirateninsel, so Sascha, doch auf uns warten keine Piraten, sondern eine deftiges Picknick mit Gegrilltem und leckerem Wein. Eigentlich haben wir ein solches Mittagessen nicht verdient. Was soll’s, wir lassen es uns schmecken. Immerhin warten am Nachmittag noch knapp 40 hügelige Kilometer zur Verdauung. Da kann man schon mal sündigen. Der frische Wind der Morgenstunden entwickelt sich langsam zum Sturm. Kräftige Böen jagen über unsere kleine Insel und nur mit Mühe können wir Gläser und Teller festhalten. Die weißen Wellenberge werden höher und Sascha bekommt allmählich Sorgenfalten. Ob das kleine Boot bei diesem Wellengang überhaupt an der Pier festmachen kann? Schon bald zeigt sich, unbegründet waren seine Sorgen nicht. Nur mit großem Risiko und zahlreichen Anläufen gelingt es dem Kapitän, sein Boot halbwegs zu fixieren. Während wir so schnell wie möglich an Bord gehen, krachen Brecher gegen die Bordwand und drücken den Kutter beängstigend an den Betonsteg. Doch geschafft. Die Überfahrt nach Cavtat gleicht einer Achterbahnfahrt. Im Hafen des Städtchens bleibt der Sturm vor der Tür. So können wir in Ruhe uns und unsere Räder ausladen und das Zubehör sortieren. Dann ist es soweit. Das nachmittägliche Genussradeln beginnt. Ruhige Straßen und herrliche Landschaft mit duftenden Pinienwäldern sind unsere Begleiter. Natürlich geht es erstmal stramm bergauf doch dann rollt es fast von allein. Besonders die lange Abfahrt hinunter zum Hafen von Molunat entschädigt für die Bergauffahrt. Im Licht der Abendsonne wartet die INDEPENDIA bereits auf uns. Mit dem Schlauchboot geht es an Bord. Der Duft vom Abendessen liegt schon im Salon. So könnte es weitergehen.

Noch dringt kein Lichtstrahl durch das kleine Bullauge der Kabine. Leises tropfen sorgt trotzdem für ein jähes Ende der Nacht. Draußen schüttet es wie aus Kannen. Wie bei Holzbooten nicht ganz unüblich, sucht sich das feuchte Nass durch Ritzen den Weg bis über die Kojen und von dort direkt auf die Bettdecke. Da heißt es schnell improvisieren: Umräumen und wenn möglich mit Handtüchern das Wasser umleiten. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken und da es auf 6 Uhr zugeht, lohnt sich ein erneuter Versuch kaum. Wir ziehen uns an und wagen einen ersten Blick an Deck. Der Regen hat aufgehört doch dunkle Wolken ziehen über das Meer.

Der Kapitän und sein Wetterbericht

Kapitän Jens Wermter hat gerade den neusten Wetterbericht studiert und tröstet schlecht. „Das dürften gestern die letzten Sonnenstrahlen gewesen sein. In den nächsten Tage soll ein großes Tiefduckgebiet für Regen, Sturm und Kälte sorgen.“ Na ja, nicht jeder Wetterbericht stimmt. Wir behalten unseren Optimismus. Als wir nach dem Frühstück auf die Räder steigen, sieht es so schlecht nicht aus. Zumindest ist es trocken und kleine Wolkenlücken sorgen sogar für Hoffnungsschimmer. Bis zur Montenegrinische Grenze sind es nur 15 km. Die Abfertigung dauert erwartungsgemäß einige Zeit. Wir sind Exoten. Fahrradtouristen sind in Montenegro nach dem Krieg noch nicht wieder aufgetaucht. Eigentlich haben wir ja genug Zeit. Bis Kotor warten nur noch reichlich 50 Kilometer. Aber der Himmel treibt zur Eile. Erste Regentropfen fallen und als wir endlich die Grenze passieren können, hat sich ein feiner Landregen entwickelt. Da helfen nur die Regenjacke und ein Trikot mehr, denn auch die letzte mediterrane Herbstwärme ist verschwunden.

Selbst bei diesem Wetter ist nicht zu übersehen, dass die Orte an der Bucht von Kotor lohnende Reiseziele bieten. Besonders in Herceg Novi drängen sich sogar an diesem späten Herbsttag die Touristen durch die Straßen der Altstadt. Die Strände sind zwar leer, doch weicher Sand wartet auf Badelustige. Ganz anders als in Kroatien, wo die Badefreuden zumeist durch steinige Strände getrübt werden. Die montenegrinische Küste ist ein wahres Urlaubsparadies für die Serben. Internationale Touristen trifft man bisher kaum. Sicher wird sich das künftig wieder ändern. Es ist das günstige Klima und die große Zahl der Sonnentage, die Herceg Novi direkt an der Einfahrt zur Bucht von Kotor auch im Herbst und Winter zu einem beliebten Urlaubsziel machen. Wir merken von diesen Vorzügen nichts. Aus dem Landregen wird langsam mehr. Immer entlang der Bucht von Kotor, die von Kennern als schönste Bucht an der Adria eingestuft wird, schlängelt sich die Straße. In Kamenarie, wo sich die Bucht bis auf wenige  hundert Meter verengt, hätte wir unsere Tour per Fähre abkürzen können. Wir sind eh nass und widerstehen der Versuchung. Entschädigt werden wir dafür in einem gemütlichen Restaurant unweit von Morinj. Nicht nur, dass der Fisch köstlich schmeckt und manche heiße Tasse Tee Wärme spendet. Hier haben wir die Möglichkeit, die durchgeweichten Fahrradkleidung gegen die Reserve aus dem Rucksack zu tauschen. So erhalten wir zumindest kurzzeitig ein trocknes Gefühl. Nicht lange, denn als wir auf die letzte Etappe gehen, bis Kotor sind es rund 30 Kilometer, schüttet es wie aus Kannen. Da hilft uns nur noch ein kräftiger Ritt entlang der Bucht. So kühlen wir zumindest nicht völlig aus. Mit bangen Blicken erreichen wir Kotor. Ob es die INDEPENDIA pünktlich geschafft hat? Sie hat! So können wir uns schnell die durchgeweichten Sachen vom Leib reißen und in Trockenes steigen. Natürlich hat ein Schiff keinen Trockenraum, aber einen Maschinenraum. Da die Motoren noch warm sind, hängt bald der ganze Raum voller Sachen und 20 Paar völlig  durchgeweichte Schuhe liegen auf den Motorblöcken der großen Dieselmaschinen.

Es dauert nicht lange und alle Radler sind wieder voller Elan im Salon. Es ist wie verhext und noch dazu ein Glück. Mit unserer Ankunft an Bord hat der Regen aufgehört und so steht einem ersten, abendlichen Bummel durch die Altstadt von Kotor nichts im Wege. Der Ausflug durch die schmalen Straßen und Gassen gleicht fast einer Reise ins Mittelalter. Die zahlreichen kleinen Restaurants, Cafe und Boutiquen, die in die alten Mauern gezogen sind, belehren uns natürlich eines Besseren. Ein Glas Wein inmitten historischen Mauern genossen, ist gleich ein doppelter Genuss. Es ist nachvollziehbar, das die UNESCO die Altstadt, die „Stadt mit den drei Toren“, als Teil des Weltkulturerbes unter ihren Schutz gestellt hat.

Am nächsten Morgen, der Regenschirm ist wieder Pflicht, erwartet uns Dana zu einer Führung. Besonders der Uhrturm aus dem 16. Jahrhundert, die zwischen 809 und 1166 erbaute Kathedrale des Heiligen Triphon und der Prinzenplast aus dem 17. Jahrhundert legen bis heute ein beredtes Zeugnis vom Können früherer Baumeister ab. Ein Seefahrtsmuseum hat in den ehrwürdigen Mauern ebenfalls seine Heimstatt gefunden. Wenig verwunderlich, galten die Seefahrer der Bucht von Kotor seit jeher als besonders tüchtig. Wir nutzen die noch freie Zeit am Vormittag, um zu den Ruinen der alten Festung hoch oben auf dem Berg über Kotor zu klettern. So bleiben wir in Bewegung und ab und an versucht die Sonne sogar, wenn auch vergeblich, den dicken Wolkenteppich zu durchdringen. Augenblicke, wo auch der Schirm geschlossen werden kann.

Am Nachmittag kommen wieder die Drahtesel zu ihrem Recht. Dem Maschinenraum sei dank, selbst die Schuhe sind wieder benutzbar und so steigen wir, natürlich regensicher „verpackt“, auf die Räder. An der Südseite der Bucht geht es über Prcanj und Lepetane nach Tivat. Wieder ist und das Glück nicht holt. Zwar hält sich der Regen zurück, doch die dichten Wolken lassen kaum Licht durch, so dass wir die beiden Inselschönheiten der Bucht, St. Georg und „Frau vom Felsen“ mit ihren hübschen kleinen Kirchen wieder nicht fotografieren können. Als „Ersatz“ gönnen wir uns in Tivat, der jüngste Stadt an der Bucht, leckere Kalorienbomben in Form von Kuchen und Torte. Hier, wo im Mittelalter Adlige aus Kotor und Prcanj ihre Sommerpaläste gebaut haben, ist heute ein Zentrum für Yachtsegler. Die kleinen Buchten bieten optimale Voraussetzungen für Marinas und Yachtklubs. Über einen Bergrücken geht es zurück nach Kotor. Einige von uns nutzen noch die Gelegenheit den rund 1000 Meter hohen Pass zu erklimmen, über den die Straße nach Podgorica führt. Ohne Hoffnung auf die erträumten Panoramafotos fehlt uns die Motivation. Wir  rollen gemütlich zurück in die Stadt.

Die Nacht war wieder feucht und damit kurz. Am Morgen jedoch hat sich der Regen verzogen. Voller Vorfreude packen wir unsere Räder auf den Radhänger des Kleinbusses. Über Budva und Bar wollen wir hinauf zum Skutarisee fahren um dieses Kleinod in den montenegrinischen Bergen per Rad zu genießen. Der See ist immerhin 43 Kilometer lang und bis zu 14 Kilometer breit. Auf uns wartet eine ca. 60 km lange, malerische Tour durch die Bergwelt am Ufer des Sees. Vorher jedoch sind 120 Kilometer Anfahrt zu bewältigen. Nach kurzer Zeit erreichen wir hinter der alten Hafenstadt Budva Sveti Stefan, wohl das bekannteste Touristische Highlight des gesamten Landes. Das Wetter ist gnädig und gestattet uns regenfreie Blicke. Die Sonne fehlt allerdings erneut, also nichts mit mediterrane Flair. Der Charme des kleinen mittelalterlichen Städtchens, das auf einer felsigen Insel errichtet wurde und mit dem Festland nur durch eine schmale Landzunge verbunden ist, fasziniert. Man kann verstehen, dass es immer wieder auch Prominente hier her zieht. Das Who is who der Besucher reicht von Königin Elisabeth II. über Kirk Douglas, Alberto Moravia bis hin zu Claudia Schiffer. Um nur einige Beispiele zu nennen. Als die ursprünglichen Bewohner das Städtchens verlassen hatten, wurde es im vorigen Jahrhundert zu einer exklusiven Hotelsiedlung umgebaut. Dem Charme der engen Gassen und malerischen Plätze hat das nicht geschadet.

Für uns bleibt nur wenig Zeit. Wir müssen weiter. Über Bar und Ulcinj nähern wir uns der Albanischen Grenze. Von Ulcinj aus geht es mächtig bergauf. Kurz vor der Passhöhe wartet, fast im Niemandland, ein relativ neues Restaurant mit einheimischen Speisen auf hungrige Gäste, also auf uns. Die große Glasfront bietet einen weiten Blick über die wilde Bergwelt bis weit hinein nach Albanien. Schon bei der Vorspeise fallen erste Regentropfen und es beginnt einmal mehr zu schütten, als hätte Petrus all seine Schleusen geöffnet. Nun, wir haben noch Zeit. Aber der Hauptgang kommt, es schüttet, die Nachspeise kommt, es schüttet und nach dem Kaffee sieht es nicht anders aus. Ein Wolkenbruch über Stunden ist zwar wahrlich nicht die Regel, doch uns bleibt scheinbar auf dieser Tour nichts erspart. So entschließen wir uns die geplante Strecke schweren Herzens im Bus zu absolvieren. „Die Straßen sind eng und teils auch steil, “ erläutert Sascha die Entscheidung. „Bei diesem Wetter ist die Sturzgefahr einfach zu groß. Die Tour mit dem Rad zu fahren, wäre blanker Wahnsinn.“ Selbst mit dem kleinen Bus kommen wir nur langsam vorwärts. An vielen Stellen gleicht die Straße einem Flusslauf. So geht es Stunde um Stunde weiter. Erst kurz bevor wir vom See, den wir kaum sehen können, abbiegen müssen, lässt der Regen etwas nach und gestattet einen Fotostopp. Als „Berufsoptimisten“ greifen wir zur Kamera, zu sehen ist freilich kaum etwas. Selbst als wir am späten Abend zurück in Kotor sind, regnet es noch immer. Wo kommt nur das viele Wasser her?

Mit 2400 PS übers Meer

Der Wetterbericht für die nächsten Tage verspricht nichts Gutes und so treffen wir uns nach der abendlichen Stärkung zu einem „Krisengipfel“ im Salon. „Durchgehend Regen wird für Kotor prognostiziert“, erläutert Sascha das Desaster. „Im Norden soll es etwas besser aussehen. Deshalb schlage ich vor, dass wir morgen früh mit dem Schiff in Richtung Dubrovnik fahren und die letzten beiden Tage dort Radtouren aussuchen.“ Auf das Dach des Salons prasselt der Regen und wir sind mit diesem Vorschlag einverstanden.

Langsam zieht der nächste Morgen herauf. Während uns das Frühstück schmeckt, wirft Dirk Merkel, der als Matrose auf Handelsschiffen auf den Meeren der Welt zuhause war, die Leinen los und Jens (man ist auf dem Schiff perdu), lässt seine 2400 Pferdestärken an den Start gehen. „Ursprünglich waren die beiden je 1200 PS starken Schiffsdiesel von Maybach nur für Minensuchgeräte an Bord, damals hatten die eigentlichen Schiffmotoren doppelt soviel Leistung,“ erläutert er, während es in flotter Fahrt hinaus aus der Bucht aufs offene Meer geht. Völlig unverhofft bildet sich für kurze Zeit eine Wolkenlücke und gibt einen sonnigen Blick auf die Bucht frei. Immerhin 20 Knoten kann die INDENENDIA laufen. Doch das ist eigentlich mehr ein theoretischer Wert. Auch 10 Knoten reichen für den kurzen Sprung nach Norden. Das spart nebenbei auch reichlich Diesel.

Eine offene Brücke ist auf der INDEPENDIA normal, so kann jeder der Lust hat Jens oder Anett, seiner Lebensgefährtin, über die Schulter schauen. Hier sieht es fast wie auf einem großen Pott aus. Elektronische Seekartensystemen, GPS, Radar, Echolot und verschiedene Funkempfänger haben ihren Platz gefunden. „Wir sind so ziemlich auf dem modernsten Stand der Technik“, unterstreicht Anett Höft. Sie ist seit drei Jahren mit Jens unterwegs. Als gelernte Hotelfachfrau war sie vorher eher eine Landratte. „Die Leidenschaft von Jens ist seine INDEPENDIA und ich habe mich schnell heimisch gefühlt. Da war es nur folgerichtig, dass ich auch das Patent zum Führen des Bootes abgelegt habe.“ So kann sie fachgerecht einspringen, wenn Not am Mann ist. Die Hotelausbildung kommt ihr beim Bordbetrieb jedoch mindestens genauso zu gute. Immerhin ist die INDEPENDIA ja ein kleines schwimmendes Hotel. Aus der Bucht heraus geht die See ganz schön hoch. Die INDEPENDIA stampft durch die Wellenberge. Gut dass Dirk alles, besonders auch die Fahrräder an Deck, fest verschnürt hat. Nachdem Jens wieder am Ruder steht, serviert Anett im Salon Kaffee mit Kuchen. Das Motto lautet, eine Hand zum Festhalten und eine zum Essen. Es schmeckt gut, so wie alles, was aus der modernen Kombüse kommt. Am späten Nachmittag macht die INDEPENDIA im Hafen von Dubrovnik fest. Alle sind gespannt, was uns morgen erwartet.

So ganz falsch scheint die Entscheidung für Dubrovnik nicht gewesen zu sein. Wir holen ein letztes Mal die Räder vom Schiff. Aufmuntert blinzeln uns einzelne Sonnenstrahlen zu. Gut gelaunt rollen wir vorbei an der mächtigen Autobahnbrücke, dem Wahrzeichen des modernen Dubrovnik, in Richtung Komolac. Dann geht es hinauf in die Berge, die dicht hinter Dubrovnik wie ein Bollwerk stehen. Es fährt sich gut, ganz ohne Regen. Jedoch, unsere Freude währt nur zwei Stunden, dann setzt leichter Nieselregen ein und auch der Himmel sieht bedrohlich aus. Wir rollen in Richtung Cavtat. Gegen Mittag überreden uns unsere amerikanischen Mitradler zu einer kleinen Pause in einem gemütlichen Kaffee. Und dann begann der Weltuntergang. All das, was wir an Regen vorher hatten, wird zum Kinderspiel. In den deutschen Nachrichtensendungen wird am Abend über schwere Unwetter in Dubrovnik berichtet werden. Über 50 Liter je Quadratmeter in drei Stunden sagt der Nachrichtensprecher. Wir erleben das zurzeit vor der Tür des Cafes. Nach fast zweistündiger Wartezeit gibt Sascha auf. Langsam auch entnervt ruft er zwei Taxis, die uns zurück zum Schiff bringen, die Fahrräder holt später ein kleiner Kastenwagen.

Wer reist kann viel erzählen, dass das nicht unbedingt immer nur Positives sein muss, haben wir auf dieser Tour deutlich erfahren. Aber Eindrücke bleiben trotzdem und der Wunsch, das Ganze nochmals bei dem mediterranen Klima zu erleben, auf das wir uns gefreut hatten, als wir vor dem grauen deutschen Herbst geflohen waren.

Axel Scheibe

 

Information Kroatien/Montenegro

Allgemein

Während Radreisen in Mittel- und Nordkroatien  mittlerweile sehr verbreitet sind, trifft man Radtouristen am spektakulären Küstenabschnitt Süddalmatien in und um Dubrovnik bisher selten. Noch exotischer Erscheinen sie in Montenegro, wo zumindest nach dem Krieg, noch keine organisieren Radtouren angeboten werden. Die Straßen der Reiseroute sind relativ wenig befahren. Wie überall an der Adria warten schon kurz nach der Küste Hügel und Berge. Da die Reisen naturgemäß auf Meereshöhe beginnen, gehören sehr abwechslungsreiche Streckenprofile zum Standard. Eie Ausnahme davon bieten die Touren rund um die Bucht von Kotor.

Anreise/Abreise

Verschiedene Fluggesellschaften bieten in der Saison Direktflüge nach Dubrovnik. Wer die Reise zu einer ein oder mehrtägigen Kurzvisite in Zagreb nutzen will, was sich auf jeden Fall lohnt, der ist bei Croatia Airlines gut aufgehoben.

Tagestouren

1. Tag:             Anreise mit dem Flugzeug nach Dubrovnik. Transfer zum Schiff, Einschiffung. Nachmittäglicher Ausflug mit den Rädern in die Altstadt. (ca. 10 km)
2. Tag:             Fahrt in die Altstadt. Bootfahrt über die Pirateninsel  nach Cavtat. Radtour von Cavtat nach Molunat. (ca. 40 km)
3. Tag:             Radtour von Molunat über die Grenze nach Montenegro. Dann entlang der Bucht von Kotor nach Kotor. (ca. 65 km)
4. Tag:             Vormittag Altstadt und Festung von Kotor. Am Nachmittag Radtour in der Bucht von Kotor nach Tivat, von dort über einen Bergrücken zurück nach Kotor.
5. Tag:             Ganztagesausfahrt mit Kleinbussen und Radhänger zum Skutarisee. Dort geplante Radtour am See. (theoretisch ca. 55 km)
6. Tag:             Mit dem Schiff zurück nach Dubrovnik. Abendlicher Bummel Altstadt.
7. Tag:             Radtour durch das bergige Hinterland Dubrovniks. (ca. 35 km)
8. Tag:             Ausschiffung. Transfer zum Flugplatz von Dubrovnik. Rückflug.

Literatur und Karten

Zu Kroatien gibt es bei allen großen Buchreihen der touristischen Verlage ein breites Angebot. Speziell zu Dalmatien sind der neue Marco Polo, das Handbuch aus dem Reise-Know-How Verlag und der Dumont aus der Reihe Richtig Reisen zu empfehlen. Umfangreiches Informationsmaterial verschickt die Kroatische Zentrale für Tourismus, Kaiserstraße 23 in 60311 Frankfurt am Main, Tel.: 069/2385350, Mail: kroatien-info@gmx.de.

Schwierig ist das mit Montenegro. Aktuelle Reiseführer existieren praktisch nicht und eine deutsche Vertretung des Tourismus gibt es auch nicht. So kann man es nur direkt bei der National Tourism Organisation of Montenegro, Omladinskih Brigada 7 in YU81000 Podgorica versuchen. Tel.: 00381/81/231101, Mail: tourism@cg.yu.

Weitere Informationen

Nähere Auskünfte zur vorgestellten Reise gibt es bei Radurlaub ZeitReisen GmbH, Mainaustraße 34, 78464 Konstanz, Tel.: 07531/8199390, E-Mail: info@inselhuepfen.de, www.inselhuepfen.de.

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