E-Bike Fahrbericht auf Mallorca

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E-Bike-Erfahrung auf Mallorca – ein persönlicher Fahrbericht

Software-gesteuerte elektronische Tret-Unterstützung direkt am Ballermann. Die Kalkhoff E-Bikes für die Saison 2011 konnten im Winter auf Mallorca getestet werden.

Ein Hotel direkt am Ballermann. In El Arenal auf Mallorca. Es ist November. Und nichts ist los. Wie leergefegt vom kalten Winterwind. Nur einige Unentwegte sind unterwegs. Und 21 Journalisten, die Kalkhoff eingeladen hatte, damit diese die neuen E-Bikes testen sollten.

Super die Geschenke, die auch der Autor dieser Zeilen angenommen hat: ein Designer-Fahrradhelm, eine Designer-Sonnenbrille und eine langärmlige Gore-Tex-Jacke mit Kalkhoff-Aufschrift.

Das stimmt doch erst einmal positiv, bevor die Testfahrt losgeht. Also Vorsicht, lieber Leser, ich könnte voreingenommen sein, auch wenn ich mich bemühe, es nicht zu sein. Auch Flug, Unterkunft und großzügige Bewirtung spendiert  Derby Cycle. Das ist die Firma, die unter dem Markennamen „Kalkhoff“ die Fahrräder produziert.

Gerade erst dem Bürostress am Morgen entkommen, geht es am frühen Abend gleich aufs erste Testfahrrad.

Kalkhoff bietet mittlerweile viele verschiedene E-Bikes für unterschiedliche Zielgruppen an. Während ich noch zufrieden meine „Geschenke“ auspacke und anprobiere, haben die Kolleginnen und Kollegen sich schon auf die E-Bikes gestürzt. Die tollen schnellen Räder waren somit alle vergeben, für mich blieb nur ein E-Bike im eher traditionellen Design. Ein Damenrad. Ist rot und sieht solide aus. Na gut, das gibt dann auch ein realistisches Testgefühl, denke ich. Mit 56 Jahren bin ja auch nicht mehr der jüngste Tester in der Gruppe. Ca. 2.000 Euro kostet laut unverbindlicher Preisempfehlung so ein Fahrrad.

Immer am Meer lang geht es zur Insel-Hauptstadt Palma. Das macht mit einem E-Bike trotz Gegenwind Spaß. Man fährt zwar nicht von selbst, aber irgendwie beschwingt einfach. Entsprechend schnell ist man unterwegs. Aber dann Frust: bei 25 km/h endet die Tretunterstützung des Akkus. Das schreibt der Gesetzgeber so vor. Wenn man schneller fahren möchte, dann geht das. Aber das ist doch erheblich mühseliger. Zumal E-Bikes wegen der Batterie und des vergrößerten Rahmens keine leichten Fahrräder sind. Bei den schnelleren E-Bikes hört die Unterstützung erst bei 40 km/h auf. Das Fahrrad benötigt dann aber eine Haftpflichtversicherung und ein offizielles Nummernschild.

Hektisch der Verkehr in der Stadtmitte von Palma. Die Trethilfe unterstützt souverän. Anfahren an Ampeln: kein Problem. Doch hinter einer Ampel muss ich schalten, weil es stark bergauf geht. Die Schaltung klappt nicht schnell genug. Ich komme fast zum Stehen. Und trete dann wieder kräftig in die Pedale. Doch oh Schreck: die Tretunterstützung springt nicht sofort an. Meine Oberschenkelmuskeln schmerzen, weil ich das schwere Rad am Berg jetzt ohne Akku-Hilfe voran bringen muss. Dann mit deutlicher Verspätung setzt die Hilfe wieder ein und es läuft wieder leichter.

Es folgt eine sich lang hinziehende Steigung auf die Burg von Palma, die auf ca. 150 m Höhe liegt. Das nervt mich mental erheblich, weil ich immer noch meinen Büro-Stress im Kopf habe. Auf Steigungen am Abend habe ich Null-Komma-Null Lust.

Aber wenn man kontinuierlich tritt und bergauf nicht schneller als 25 km/h fahren möchte, dann zieht einen der Motor souverän bis an den Gipfel. Von Schweiß keine Spur. Nur ein leicht erröteter Kopf und etwas Durst. Mehr als 2 km Steigung, ohne dass man diese spürt. Allerdings sollte man vorher seinen „Schalter“ im eigenen Kopf umlegen: Die Gleichung „Steigung gleich anstrengend“ gilt nicht mehr. Dann machen Steigungen sogar Durchschnitts-Radlern wie mir Spaß.

Gegen Mitternacht sind wir nach zwischenzeitlichem Abendessen wieder im Hotel zurück. Ungefähr 32 km sind wir an dem Abend mit Akku- und Motorunterstützung geradelt. Mehr oder minder müde sind alle 21 Journalisten. Aber ich habe zusätzlich Schmerzen in den Oberschenkeln. Trotz Akku-Hilfe.

Ausgefallen ist bei dem nächtlichen Ausflug kein E-Bike. Nur ein Fahrrad hatte kurz vor dem Ziel einen Platten. Das hat nichts mit dem E-Bike oder Fahrrad an sich zu tun. Alle Batterien funktionierten noch und gaben bis zum Schluss Trethilfe.

Die Batterien: endliche Kraftpakete

Die Batterien sind das, was den E-Bikes die Power gibt. Und dann ist da noch die Software, die den Motor steuert. Darauf ist man bei Kalkhoff besonders stolz. Ich bin nach meiner Erfahrung beim Schalten an der Steigung davon allerdings nicht besonders begeistert. Bei den Akkus sind die Reichweiten der Batterien die Standardfrage: wie viele Kilometer halten sie?

Kalkhoff bietet 3 Akku-Typen: 8 Ah, 12 Ah und 18 Ah und beschreibt in seinen Presseinformationen die technischen Daten wie folgt:

Die Batterien werden nicht von Kalkhoff selbst entwickelt, sondern von einem Batterie-Hersteller bezogen. Das Gute: alle 3 Akkus passen in jedes Kalkhoff-Rad. Man kann somit auch später einen leistungsfähigeren Akku dazukaufen.

Der Tagesausflug


Es Verger ist ein rustikales Restaurant am Ausläufer des Tramuntana Gebirges. Auf einem Berg nahe der Ortschaft Alaró gelegen. Auf ca. 600 Höhenmetern. Diese gilt es mit den E-Bikes zu bewältigen. Vom Hotel aus ca. 36 km hin und die gleiche Strecke zurück.

Tauschen wollte mit mir keiner. Also fuhr ich wieder auf meinem roten Damen-E-Bike vom Vortag. Wieder am Strand lang, um Palma herum und dann ganz leicht bergauf in Richtung Gebirge. Ein Genuss trotz niedriger Temperaturen.

Dann hinter Alaró: der Bergaufstieg begann. Ein einspuriger, unbefestigter Weg. Holprig und in Serpentinen.

Mich nervt wieder die Software, die den Motor steuert, und ich sehne mich nach meinem leichteren Fahrrad ohne Akku. Das kann ich wenigstens einschätzen. Mal springt die Tretunterstützung an, mal nicht. Dann muss ich das schwere Fahrrad auf einer enormen Steigung ohne Motorhilfe voranbringen. Ätzend, anstrengend und schmerzhaft. Aber nach der Hälfte der Strecke hatte ich es raus: niemals aufhören zu treten. Und die Akku-Unterstützung läuft mit. Nicht beschleunigen, nicht verlangsamen. Dann hilft der batteriegetriebene Motor laut- und problemlos.

Hochgekommen sind alle. Die einen recht zügig, andere eher gemächlich. Und nach 36 Kilometern hatten alle Batterien noch Power. Mehr oder weniger.

Von der Rückfahrt kann ich leider nicht berichten. Das Essen zog sich so lange hin, so dass ich keine Zeit mehr hatte. Wegen ungünstiger Flugverbindungen und privater Termine musste ich im Gegensatz zu den Kolleginnen und Kollegen am Abend wieder zurückfliegen und wurde mit dem Auto zum Hotel zurückgefahren. Ich habe erfahren, dass die Akkus auf der Rückfahrt ausgetauscht werden mussten. Sie haben den kompletten Ausflug von ca. 72 Kilometern nicht geschafft.

Mein persönliches Fazit

Als ich 2009 erstmals Kalkhoff-E-Bikes unter realen Bedingungen in Südspanien testen konnte, war ich hellauf begeistert. Radfahren mit Rückwind fand ich super. Diese Begeisterung hat sich nach der Mallorca-Testfahrt relativiert. Ernüchternde Momente sind die nicht zu Ende gedachte Software-Abstimmung am Motor unter schwierigen Bedingungen. Und die Batterie-Kapazitäten. Diese haben sich zwar erheblich verbessert. Aber so einen Ausflug von El Arenal ins Gebirge wie Kalkhoff ihn für unsere Journalistengruppe organisiert hatte, würde ich mit einem E-Bike privat zur Zeit auf keinen Fall machen. Dazu ist die Akku-Reichweite noch zu begrenzt.

In der Stadt wäre so ein Kalkhoff-E-Bike für mich eigentlich etwas Feines. Da fahre ich nie mehr als 20 km am Tag und könnte in Ruhe den Akku immer wieder aufladen. Dennoch habe ich mir kein E-Bike gekauft. Obwohl ich genau in eines der Zielgruppen-Profile passe: „urban and business“, Und gelegentlich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahre. Der Grund ist einfach: in Köln führt mich mein Weg zur Arbeit über eine Brücke (Südbrücke), an der man das Fahrrad die Treppen hochtragen muss. Und da sind mir E-Bikes leider zu schwer.

Mein persönliches Mallorca-Kalkhoff-Test-Ergebnis

Das gefällt mir gut:

+ Gut verarbeitete Fahrräder
+ Hervorragende Lauf- und Lenkeigenschaften
+ Durchdachte Integration von Batterie und Motor
+ Schnell zu wechselnder Akku
+ Fantastischer Fahrrad-Spaß bei normalen Bedingungen

Das gefällt mir nicht so gut:

- Software-Abstimmung Motor
- Gewicht der E-Bikes
- relativ hoher Preis
- tatsächliche Akku-Reichweite

Text und Fotos: Ertay Hayit

 

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