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Abenteuer zwischen Zwillingsvulkanen: Nicaragua Isla de Ometepe

Fahrrad, Pferd, Moped: Ein Miteinander im Verkehr auf der Insel Ometepe in Nicacagua (Foto: Christine Amrhein)
Straße auf der Isla de Ometepe

Von Wolken umwogte Bergspitzen, ruhige Sandstrände, geheimnisvolle Flüsse im Urwald, rätselhafte Petroglyphen: Die Isla de Ometepe im Nicaraguasee hat von allem etwas zu bieten. Ideal, um sie mit dem Rad zu erkunden.

Wer Abwechslung sucht, gern in der Natur ist, ruhige Straßen mag und sich von Holper- und Staubpisten nicht abschrecken lässt, ist hier genau richtig: Auf der Isla de Ometepe, im Herzen Nicaraguas, mitten im 8200 Quadratkilometer großen Nicaragua-See.

Trotz ihrer Schönheit ist die Insel noch so etwas wie ein Geheimtipp. Das hat vielleicht mit dem Land zu tun, in dem sie liegt: Lange Zeit galt Nicaragua, bis in die späten 1980er Jahre geprägt von Militärgewalt und Bürgerkriegen, als wenig sicheres Reiseland. Diese Zeiten sind inzwischen vorbei – doch auch jetzt noch ist das sozialistisch orientierte, arme Nicaragua eins der am wenigsten besuchten Länder Mittelamerikas. Umso besser für alle, die hinfahren: Alles ist hier sehr günstig, Touristenmassen fehlen und statt aufdringlichen Touristenschleppern begegnet man überall freundlichen, hilfsbereiten Menschen. Ganz besonders auf der Isla de Ometepe.

Markenzeichen der Insel, die von oben wie eine krumme Acht aussieht, sind die Vulkane Concepción und Maderas, 1610 und 1340 Meter hoch. Sie bilden die beiden Hälften der „Acht“ und laufen von ihrer bis in die Wolken reichenden Spitze flach  zum Seeufer hin aus. Beide sind durch einen schmalen Landstreifen verbunden, und beide werden von einer Ringstraße umrundet. Ideale Verhältnisse also, um die Insel mit dem Rad zu erkunden. Und dabei die Radtour mit weiteren Aktivitäten zu kombinieren: Einer kleinen oder größeren Wanderung, einer Paddeltour oder – eher entspannt – einem Bad im See oder in blubbernden Thermalquellen.

Nur ein paar Mopeds, Reiter und Kühe

Fähre nach Moyogalpa (Foto: Christine Amrhein)
Fähre nach Moyogalpa

Mit dem Schiff von San José ist die Isla in einer Stunde erreicht. Und dann kann man eigentlich sofort losstarten: Entweder, man hat seinen eigenen Drahtesel auf der Fähre mitgebracht – oder man sucht sich einfach in einem der zahlreichen Hostels und Läden im Hafenort Moyogalpa ein passendes Fahrrad aus.

Und keine Sorge: „Orte“ sind hier auf Ometepe kleine, verschlafene Nester. Unter „Verkehr“ kann man sich ein paar Mopeds, gelegentlich ein paar Schüler auf klapprigen Ein-Gang-Rädern, ein paar Reiter und ab und zu eine Herde Kühe vorstellen. Achten sollte man nur auf die oft schlecht sichtbaren Fahrbahnschwellen, die alle paar hundert Meter die Straße queren.

Es überrascht nicht, dass man sich auf der Insel bald wie zuhause fühlt: So gut wie jeder grüßt mit einem herzlichen „Buenos Días“, als sei man ein alter Bekannter oder Nachbar. Und wer sich mal verfährt, fragt einfach den Nächstbesten nach dem Weg – und bekommt garantiert eine freundliche, wort- und gestenreiche Auskunft.

Ein Höhepunkt der Insel: Die Punta Jesús María

Um es sich einfach zu machen, startet man zunächst von Moyogalpa Richtung Süden. Von hier führt eine gute Teerstraße in weitem Bogen um den Volcán Concepción herum bis zum Hafenort Altagracia im Nordosten der Insel. Schon wenige Kilometer hinter Moyogalpa erlebt man eine kleine Überraschung: Hier wird die Straße plötzlich von einer deutlich breiteren „Piste“ gequert, die sich vom Seeufer bis zum Fuß des Concepción erstreckt: Die Landebahn des Flughafens, nur durch ein paar locker hängende Seile von der Straße getrennt. Jedes Mal, wenn ein Flugzeug landet, muss die Straße also komplett gesperrt werden. Bisher ist das allerdings nur zwei Mal in der Woche der Fall.  

Ein kurzes Stück weiter zweigt eine 1,5 Kilometer lange Staubpiste zu einem der schönsten Punkte der Insel ab: Zur Punta Jesús María. Hier ragt eine schmale, sandige Landzunge weit bis in den See hinein – in der Trockenzeit teilweise bis zu einen Kilometer. Während das Wasser von beiden Seiten in kleinen Wellen heranschwappt, kann man sich bis zur Spitze der Landzunge vortasten. Dreht man sich um, bietet sich ein nahezu unglaublicher Ausblick: Über die S-förmige Landzunge, das dichte Grün der Insel bis zum perfekten Kegel des Vulkans Concepción, von einer linsenförmigen Wolke aus Rauch und Wasserdampf umwogt. Dieser Anblick wird einen nun ständig verfolgen – oder besser gesagt: Sich beim Radeln immer wieder aus einer neuen Perspektive zeigen.

Wer möchte, kann im kleinen Restaurant beim Zugang zur Punta eine Pause einlegen und fangfrischen Fisch aus dem See probieren oder am ruhigen Sandstrand nebenan entspannen und ins erfrischende, kühle Wasser springen.

Die Autorin, Christine Amrhein, am Punta Jesús María (Foto: Ronald Kohls)
Punta Jesús María

Abstecher zu Aussichtspunkten und Mineralquellen

Als nächstes folgt man der Straße Richtung Westen, durch verschlafene Dörfer zwischen Feldern, hoch aufragenden Grasbüscheln und Wald. Immer wieder bieten sich neue, bezaubernde Aussichten. Oder man folgt einfach einer der Stichstraßen, die mit Sicherheit irgendwo am Seeufer, bei einer romantischen Finca oder einem weiteren schönen Strand herauskommen. Wer Lust hat, kann kurz vor dem Hafenort San José del Sur einen Abstecher zu den Museos El Ceibo machen. Hier sind archäologische Funde von der Insel ausgestellt: unter anderem alte Steinskulpturen, Begräbnisurnen, Keramikfunde und alte Münzen.

Hinter San José del Sur wird die Landschaft allmählich hügeliger. Es macht Spaß, spontan das Rad an der Straße abzustellen und einen der Aussichtspunkte zu erklimmen: Zum Beispiel den Mirador del Diablo auf einem Hügel oberhalb des Seeufers oder einen 1000 Meter hoch gelegenen Mirador am Hang des Vulkans Concepción. Zu letzterem ist man zwar zwei bis drei Stunden unterwegs – doch auch, wenn man nur ein paar hundert Meter nach oben kraxelt, hat sich die Mühe schon gelohnt.  

Weiter geht es bis El Quino, wo eine gute Straße nach Süden zum Vulkan Maderas abzweigt. Bald führt rechts eine Seitenstraße durch dichte Bananenplantagen zum Ojo de Agua – einem bläulich schimmernden, natürlichen Wasserbecken, in dem 35 kleine Mineralquellen aus dem Boden sprudeln.

Paddeltour zum Rio Istiam (Foto: Christine Amrhein)
Paddeltour zum Rio Istiam

Petroglypen im Urwald – und Kaimane auf dem Río Istiam

Nach einem erfrischenden Sprung ins Wasser setzt man seinen Weg zur Landenge zwischen den Inselhälften fort. Hier, wo die Straße dicht an der Playa de Santo Domingo entlangführt, liegt quasi das „touristische Zentrum“ der Insel: Zahlreiche Fincas und einfache, kleine Cafés und Restaurants säumen die Straße. Bei einem frischen Fruchtsaft kann man sich hier von der Hitze erholen – mit tollem Blick auf den mit Schilf bewachsenen Strand, auf dem sich wilde Pferde tummeln.

Genau dort, wo die Ringstraße um den Vulkan Maderas beginnt, liegt die Abzweigung zur Finca El Porvenir. Das Besondere hier: Überall auf dem Gelände liegen große Felsblöcke verstreut, die mit 3000 Jahre alten Petroglyphen verziert sind. Das sind in den Stein gekerbte Spiralen und andere geometrische Muster, aber auch Menschen- und Tierfiguren, die präkolumbianische Siedler hier hinterlassen haben. Über 1700 solcher Petroglyphen gibt es auf der Insel – weitere sind ein paar Kilometer entfernt, bei den Orten El Socorro und Balgüe zu finden.

Wer noch Zeit genug hat, biegt bei der Finca El Porvenir auf eine holprige Straße nach rechts ab und folgt den Schildern zum Kanuverleih, der sich zwischen dürren, hoch aufgeschossenen Palmen am Seeufer verbirgt. Hier werden zweistündige Paddeltouren angeboten, die über den See bis zur Mündung des Río Istiam führen. Zunächst geht es mit atemberaubenden Blick auf den Concepción über den See, dann in den seichten, mit Schilf und Pflanzengestrüpp überwucherten Fluss hinein. Wenn man sie nicht selbst entdeckt, wird sie mit Sicherheit der Guide erspähen: Die vielen exotischen Tiere, die hier im Dickicht leben. Da gibt es Brüllaffen, Raubvögel, Schildkröten, Lurche und seltsame Vögel mit überdimensionalem Schnabel. Und wenn man Glück hat, „trifft“ man sogar den einen oder anderen Kaiman.

Rio Istiam (Foto: Christine Amrhein)
Rio Istiam

Auf die harte Tour

Wer keine Mühen scheut, kann sich am nächsten Tag an eine etwas „härtere“ Tour wagen: Auf Straßen, die bisher noch keine Teermaschine gesehen haben. Tiefe Furchen, Staub, große Steine und Schlaglöcher gehören hier zur Tagesordnung. Eine Möglichkeit ist die Runde um den Vulkan Maderas, bei der man neben Pedroglyphen auch die Cascada de San Ramón erkunden kann: einen 40 Meter hohen Wasserfall, der auf einer zweistündigen Wanderung vom Ort San Ramón zu erreichen ist. Oder man probiert die Strecke zwischen Moyogalpa und Altagracia auf der Nordseite der Insel. Hier gibt es zwar keine besonderen „Sehenswürdigkeiten“. Dafür kann man einfach die ständig wechselnde Landschaft auf sich wirken lassen, das ländliche Treiben beobachten – und sich am Ende bei einem eiskalten Getränk darüber freuen, dass man auch diese Herausforderung geschafft hat.

Nach allen dem Strapazen ist es nicht schwer, den Tag gemütlich ausklingen zu lassen: Zum Beispiel in der Hängematte am Strand seiner Finca, an den sich sonst kein Mensch verirrt hat. Einfach zuschauen, wie die Sonne blutrot im See versinkt, dem Krächzen der Papageien in den Bäumen lauschen – und dabei ganz vergessen, dass man längst schon vor ein paar Tagen weiterreisen wollte.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Playa de Santo Domingo (Foto: Christine Amrhein)
Playa de Santo Domingo

Praktische Infos

Anreise

Von San José auf dem Festland verkehren regelmäßig Fähren nach Moyogalpa im Nordwesten der Isla de Ometepe. Sie starten zwischen 7 Uhr morgens und 18 Uhr abends, die Fahrt dauert eine Stunde. Einige Fähren fahren auch nach San José del Sur im Süden der Insel.

In ganz Nicaragua fahren alte amerikanische Schulbusse – auch „Chicken Busse“ genannt – durchs Land. Sie sind langsam, heiß, laut und meist hoffnungslos überfüllt. Trotzdem oder gerade deswegen ist die Reise mit ihnen ein ganz besonderes Erlebnis. Alternativ fahren auf einigen Strecken auch modernere Minibusse.

Um nach San José zu gelangen, nimmt man zunächst einen Chicken Bus nach Rivas – zum Beispiel von Managua, Granada oder San Juan del Sur an der Pazifikküste. Anschließend fährt man mit dem Bus (ca. einmal pro Stunde) oder mit dem Taxi ins 6 Kilometer entfernte San José.

Beste Reisezeit


Beste Reisezeit für Nicaragua ist die Zeit von November bis Mai, wenn das Wetter sonnig und trocken ist. Allerdings sind dann auch die meisten Reisenden unterwegs. Zwischen November und Februar können starke Winde auftreten, die die Fahrt mit der Fähre unangenehm machen können.

Von März bis November regnet es häufiger, eine Reise ist aber trotzdem möglich. Pfade und ungeteerte Straßen können in dieser Zeit matschig und zum Teil unpassierbar sein. Ungemütlich werden kann es in der Hurrikan-Saison, die von September bis November dauert – dann können Stürme und heftige Regenfälle die eigenen Reisepläne durchkreuzen.

Adressen

Radverleih

Fahrräder werden von mehreren Hostels und Shops in Moyogalpa und von einigen Unterkünften zwischen der Playa Santo Domingo und Santa Cruz (an der „Engstelle“ der Insel) verliehen. Die Preise liegen bei ca. 5 bis 7 Dollar pro Tag.

In Moyogalpa verleiht zum Beispiel die Hospedaje Central El Indio Viejo im Ortszentrum Fahrräder:
Internet: hostelometepe.com
E-mail: elindioviejo@hotmail.com
Tel.: (+505) 25694262 oder (+505) 86180860

Unterkünfte

In Moyogalpa:
Cornerhouse B&B
Kleines, nettes Guesthouse in der Nähe des Hafens.
Einzelzimmer: ca. 25 Dollar, Doppelzimmer: ca. 35 Dollar
Adresse: Muelle 1c O, Moyogalpa
de-de.facebook.com/The-Cornerhouse-Ometepe-170727402973616/

Bei der Punta Jesús María:

Finca Samaria
einfache Unterkunft mit etwas ältlichen Zimmern, dafür nah am See gelegen mit eigenem Strand und kleinem Restaurant
Doppelzimmer: ca. 20 Dollar
Adresse: Cementerio Esquipulas, 30 m al lago
Telefon: (+505) 8824-2210

In Santa Cruz, auf der Nordseite des Vulkan Maderas:


Finca del Sol
ruhiges, ökologisch orientiertes Hotel, verleiht kostenlos Fahrräder
Hütte für 2 Personen: ab 49 Dollar
Adresse: Santa Cruz
Internet: www.hotelfincadelsol.com


Eine gute Auswahl an Unterkünften findet man auch unter:
ometepenicaragua.com/hotels

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