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Radtour in Berlin: Ausflug ins historische Brandenburg

Eine Tour voller Kontraste: Vorbei an Plattenbausiedlungen, grünen Parks und einem riesigen Asia-Markt geht es Richtung Osten bis zur Stadtgrenze Berlins. Hier beginnt die brandenburgische Provinz, geprägt von Seen, Wäldern und Feuchtgebieten. Höhepunkte sind die verträumten Städtchen Altlandsberg und Strausberg.

Kontrastreich: Radtour von Berlin nach Brandenburg – zum Strausbergsee
Radtour von Berlin nach Strausberg

Die Idee entsteht spontan: Tolles Sommerwetter, ideal für eine kleine Radtour. Warum nicht einfach einen Tag lang dem „Moloch“ Berlin entfliehen? Raus aufs Land, in Richtung der kleinen brandenburgischen Städtchen Altlandsberg und Strausberg? Kurz entschlossen geht es los, Startpunkt ist die S-Bahn-Station Prenzlauer Allee. Typisch für Berlin, folgen die Kontraste schnell aufeinander: Zuerst folgt man der belebten Storkower Straße nach Osten, dann geht es durch den beschaulichen, mit blühenden Hecken überwachsenen Volkspark Prenzlauer Berg und den Fennpfuhlpark – um sich kurz darauf zwischen Plattenbauten und verwahrlosten Hinterhöfen mit Autoreparaturbetrieben wiederzufinden.

Aber halb so schlimm, denn hier, mitten in Lichtenberg, stößt man auf einen „Insider“-Tipp, bei dem man die monotone Umgebung sofort vergisst: das Dong Xuan Center. In der Ansammlung riesiger Hallen auf dem kahlen Gelände an der Herzbergstraße fühlt man sich von einem Moment zum anderen nach Asien versetzt: Hier gibt es asiatische Kleidung, Elektronikzubehör, Plastikspielzeug, Haushaltswaren, asiatische Lebensmittel und Gewürze in Hülle und Fülle. Friseure bieten Haarschnitte für 5 Euro an und eine Reihe chinesischer und vietnamesischer Restaurants locken mit authentischen Gerichten. Die über 250 Händler, die aus Indien, China, Pakistan, vor allem aber aus Vietnam kommen, bieten ihre Waren überwiegend für Großhändler an. Aber auch wer zufällig vorbeischaut, kann nach Belieben stöbern und einkaufen – fast wie auf einem Markt in Hanoi, Hongkong oder Bangkok.

Ein kurzes Stück weiter, am Ende der Straße, quert man das Gelände des Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge. Wieder eine andere Welt: Die altehrwürdigen Backsteingebäude, die ab 1889 gebaut wurden, liegen streng symmetrisch angeordnet in einem schattigen Park. Nach diesem Stück preußischer Ordnung folgen in den ruhigen Seitenstraßen entlang der Allee der Kosmonauten und des Blumberger Damms kahle Plattenbausiedlungen und in die Jahre gekommene Wohnhäuser. Ein bisschen als sei man ins Jahr 1990 zurückversetzt worden – sogar ein paar Trabis stehen hier und da noch an der Straße.

Hübsch, die alte Steinkirche im winzigen Örtchen Mehrow
Steinkirche in Mehrow

Von der Plattenbausiedlung ins grüne Umland

Aber das alles dauert nur ungefähr 15 Minuten, dann hat man den Eichepark erreicht – und damit auch den Rand der Großstadt. Neben dem dicht bewaldeten, hügeligen Park verläuft die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg. Markiert wird sie auch durch die letzte Station der Berliner Tram: „Ahrensfelde / Stadtgrenze“. Direkt dahinter beginnt das kleine Städtchen Ahrensfelde – der erste Ort in Brandenburg.

Hier biegt man gleich rechts in die Mehrower Chaussee und radelt gemütlich durch hoch stehende Wiesen und Kornfelder – immer geradeaus bis ins zwei Kilometer entfernte winzige Dorf Mehrow. Dort gibt es zwar nicht viel zu sehen, aber immerhin einen modernen Gasthof mit schön angelegtem schattigen Garten. Ideal für eine kleine Rast bei einem Eiskaffee oder einem Stück Kuchen. Nebenbei kann man die hübsche alte Steinkirche nebenan bewundern, deren Anfänge im Jahr 1327 liegen.

Weiter geht es über den Altlandsberger Weg – eine von Bäumen gesäumte Chausseestraße – und über parallel verlaufende Radwege Richtung Altlandsberg. Reifende Kornfelder, Seen, kleine Tümpel und schilfüberwachsenes Feuchtland prägen die Landschaft. Es macht Spaß, sich den Weg zu einem der Teiche, etwa dem Heidesee oder dem Blakesee, zu bahnen. Lange hält man es dort aber nicht aus: Mückenalarm!

In Altlandsberg ist das historische Zentrum noch fast komplett erhalten
Altlandsberg

Mittelalterliche Bauten und Storchennester

In der 9000-Einwohner-Stadt Altlandsberg lohnt es sich, sich in Ruhe umzuschauen. Denn hier ist das historische Zentrum noch fast komplett erhalten. Gleich beim Hineinfahren stößt man auf das Schlossgut Altlandsberg mit seinen prächtigen roten Backsteingebäuden, dem Gutshof und der Schlosskirche. Neben kulturellen Veranstaltungen und einem gemütlichen Restaurant gibt es hier auch eine Brauerei und eine Schnapsbrennerei, die seit 2016 wieder in Betrieb sind. Gleich neben dem Schlossgelände steht die wehrhafte Stadtkirche aus dem 13. Jahrhundert mit ihrem pyramidenförmigen Turm.

Storchennest auf dem Strausberger Turm
Storchennest, Strausberger Turm

Auch die Kopfsteinpflastergassen rund um den Marktplatz wirken mittelalterlich – und tatsächlich wurden sie im Mittelalter als Vieh- und Bauernmarkt genutzt. Rund um den winzigen Stadtkern verläuft die Stadtmauer, gesäumt von zwei beeindruckenden Wachtürmen: dem Berliner und dem Strausberger Torturm. Der Strausberger Turm, aus unregelmäßigen Natursteinen gebaut, diente früher als Gefängnis. Seit 1897 nisten auf der roten Ziegelspitze Störche – und auch jetzt kann man die langbeinigen weißen Vögel dort wunderbar beobachten.

Auf dieser Seite des Orts beginnt auch die Straße, die weiter Richtung Strausberg führt. Bald findet man sich in einem dichten Waldgebiet wieder, das von den Wasserläufen des Fredersdorfer Mühlenfließes durchzogen wird. Nach einem kurzen Stück auf der Landstraße geht es auf holprigen Forstwegen weiter: vorbei am langgezogenen Bötzsee, durch den kleinen Ort Spitzmühle und auf dem Spitzmühleweg bis zum Straussee. Schnell hat man die Ausläufer des kleinen Städtchens Strausberg erreicht, das verträumt am östlichen Seeufer liegt.

Seilfähre und Fischerkiez

Ähnlich wie in Altlandsberg gibt es auch hier viel Historisches zu entdecken: Rund um den Marktplatz stehen an den Kopfsteinpflaster-Gassen noch viele alte Bürgerhäuser. Geht man beim Landsberger Tor links durch eine kleine Pforte, stößt man bald auf die Reste der meterhohen Stadtmauer. Und gleich dahinter startet die Strausseefähre zu ihrer Fahrt quer über den See – eine elektrisch betriebene Personenseilfähre, die in Europa einmalig ist.

Vom anderen Ufer bietet sich ein schöner Blick auf das malerische, von Weiden und Schilf umrahmte Strausberg. Ein weiteren tollen Ausblick auf den See hat man vom Aussichtspunkt im beschaulichen Fischerkiez – der früheren Siedlung der Dienstleute. Zum Abschluss kann man hier im Feinschmeckerrestaurant „Am Fischerkiez“ einkehren und sich ein frisches Forellenfilet und erlesenen Wein schmecken lassen – allerdings nicht gerade billig.

Wer Zeit hat, sucht sich jetzt ein Zimmer und setzt seinen Weg am nächsten Tag fort: Zum Beispiel nach Osten Richtung Märkische Schweiz oder nach Süden Richtung Müggelsee. Ansonsten nimmt man einfach die S-Bahn – und ist in einer Stunde wieder zurück in der Hauptstadt.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos

Leihfahrrad in Berlin
Leihfahrrad, Berlin

Radverleih
Ohne eigenes Rad kann man in Berlin eines der vielen Leihfahrrad-Angebote nutzen. Wer bei Call-a-Bike oder DB Bike / Lidl-Bike angemeldet ist, findet die Standorte der Fahrräder bequem per App und kann ein Rad per Anruf oder über die App ausleihen. Achtung: Die Räder stehen nur innerhalb des S-Bahn-Rings und müssen am Ende der Fahrt auch wieder in diesem Bereich abgestellt werden.

Eine Übersicht über Anbieter von Leihfahrrädern in Berlin gibt auch das Stadtmagazin Tip:
https://www.tip-berlin.de/fahrradverleih-berlin
 
Öffentliche Verkehrsmittel
In den U-Bahnen, S-Bahnen und Regionalbahnen in und um Berlin ist die Fahrradmitnahme problemlos möglich. Eine Einzelfahrkarte Erwachsene für die Zonen ABC (mit Berliner Umland) kostet 3,40 €, eine Tageskarte Erwachsene 7,70 €, eine Fahrrad-Tageskarte 5,40 €. Verbindungen und Abfahrtszeiten sind auf der Webseite oder in der App der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu finden.

Infos zu interessanten Orten entlang der Strecke

Übernachten

Einkehr
Mehrower Hof
Restaurant und Café im Ortszentrum, mit Übernachtungsmöglichkeiten
Dorfstr. 9
Mehrow
Tel.: 033394-57925
www.mehrower-hof.de
mehrower-hof@mehrower-hof.de

Restaurant im Brau- und Brennhaus des Schlossguts Altlandsberg
Krummenseestraße 1
Altlandsberg
Tel.: 033438-154528
www.schlossgut-altlandsberg.eu/restaurant
Brauhaus@Schlossgut-Altlandsberg.eu  

Restaurant Am Fischerkiez
Am Fischerkietz 6
Strausberg
Tel.: 03341-497900
http://www.restaurant-fischerkietz.de
mail@restaurant-fischerkietz.de 

Christine Amrhein

Die Autorin Christine Amrhein

Die Autorin, Dr. Christine Amrhein, hat Psychologie studiert und in diesem Fach auch promoviert. Seit 2007 arbeitet sie als freie Journalistin, hauptsächlich als Wissenschaftsjournalistin. Reisen und Fahrradtouren machen ihr große Freude. Und so schreibt sie auch gerne zu diesen Themen.

Mehr als 1.800  Seiten für Fahrrad-FahrerInnen. Jede Menge Tipps und Infos rund ums Radfahren und Radreisen.

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