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Eine Radtour vom Berliner Dom zum Rathaus Spandau

Die Spree beim Hauptbahnhof in Berlin
Die Spree beim Hauptbahnhof in Berlin

Vom quirligen Zentrum Berlins geht es an der Spree entlang nach Westen. Vorbei an den Sehenswürdigkeiten und Regierungsgebäuden der Hauptstadt, geht es weiter an versteckten Kanälen entlang und durch verwunschene Feuchtgebiete. Schließlich endet die Fahrt in der nächsten „Metropole“: Spandau mit seiner schönen Altstadt, der berühmten Zitadelle – und einem leckerem Eis.

Berlin wird von Gewässern durchzogen, das weiß jeder, der die Stadt ein bisschen kennt. Doch wo genau verläuft der Landwehrkanal und wo beginnt der Neuköllner Schifffahrtskanal? Wo wird die Dahme zur Spree und wo mündet die Spree in die Havel? Und wo kommt man eigentlich heraus, wenn man einem dieser Wasserläufe konsequent folgt?

Es lohnt sich, das auszuprobieren. Der Einfachheit halber beginnt man mitten im Herzen Berlins, Unter den Linden gegenüber vom Berliner Dom, und folgt der Spree Richtung Westen. Zunächst geht es mitten durch den Trubel der Hauptstadt, vorbei an Flohmarktständen, Straßenkünstlern, Segway- und Fahrrad-Touristengruppen. Am anderen Ufer ziehen die historischen Schätze der Museumsinsel vorbei: Die alte Nationalgalerie, das Pergamon- und das Bodemuseum. Auf den nächsten Bögen der Spree folgen inmitten weiter Grünflächen die Errungenschaften des wiedervereinigten Deutschlands: die glasverspiegelten Fassaden des Paul-Löbe-Hauses, die imposante Kuppel des Reichstags, das Bundeskanzleramt und dann – gegenüber einer gemütlichen Strandbar mit bunten Liegestühlen – das futuristische Gebäude des Hauptbahnhofs.

Die neu angelegten Parkanlagen an diesem Abschnitt der Spree sind gut erschlossen, so dass man einfach dem Radweg am rechten Ufer folgen kann: Immer mit Blick auf die voll besetzten Ausflugsschiffe, führt der Weg vorbei am Haus der Kulturen der Welt – bekannt als „schwangere Auster“ – und dem Schloss Bellevue bis zum hufeisenförmigen, verspiegelten Spree-Bogen-Gebäude, bis 2015 Sitz des Bundesinnenministeriums.

Arbeiterviertel und märchenhafter Schlossblick

Radtouren.de-Autorin Christine Amrhein vor dem Charlottenburger Schloss
Vor dem Charlottenburger Schloss

Jetzt ist man schon mitten in Moabit. Langsam geht das mondäne Hauptstadtflair in einfache Arbeiter-Wohnviertel über. Entlang des Hansa- und Wikingerufers ist es nicht immer einfach, der Spree zu folgen: Mal endet der Uferweg an einer Brücke im Nichts, mal führen vom Ufer nur Treppen wieder zurück zur Straße.

Nach einer Weile stößt man auf eine Stelle, wo man sich zwischen drei Wasserwegen entscheiden muss: Hier trifft die Spree mit dem Landwehrkanal und dem Charlottenburger Verbindungskanal zusammen. Hat man den richtigen Wasserlauf gefunden, ist es nur noch ein kurzes Stück bis zu einem der Höhepunkte der Fahrt: Auf versteckten Wegen geht es an dichten Hecken und verschnörkelten Blumenbeeten vorbei, bis plötzlich das Charlottenburger Schloss vor einem liegt.

Folgt man den Schildern zum „Belvedere“, steht man es nach ein paar Minuten auf einer kleinen, schmiedeeisernen Brücke. Der Blick von hier ist geradezu märchenhaft: über den langgezogenen, in der Sonne blitzenden Schlossteich bis zum prächtigen gelben Barockschloss mit seiner 48 Meter hohen Grünspankuppel.

Durchs Industriegebiet ins Feuchtland

An den Kanälen der Tiefwerder Wiesen
Kanäle Tiefwerder Wiesen

Auf einem Schleichweg geht es wieder aus dem Schlosspark hinaus – und dann verlässt man endgültig das bekannte Berliner Stadtgebiet. Der Radweg zwischen Spree, Bahnschienen und kleinen Schrebergartenkolonien ist so versteckt, dass sich kaum ein anderer Radler hierher verirrt. Unvermittelt endet er an einer großen Straße, die durch ein hässliches Gewerbe- und Industriegebiet führt: der „Freiheit“. Hier reihen sich Autohäuser, Gartentechnik-Center, Kfz-Reparaturbetriebe, Fast-Food-Läden und kleine Berliner Imbissbuden aneinander.

Zum Glück ist es nur ein kurzes Stück, bis man die S-Bahn-Haltestelle Stresow erreicht. Von hier geht es unter der Bahntrasse durch und quer über die Ruhlebener Straße – und schon ist man in einer völlig anderen Welt.  Der Tiefwerder Weg wird zur Dorfstraße und genauso sieht es hier auch aus: Kleine, verschlafene Wohnhäuser mit Vorgärten säumen die Straße, in winzigen Kanälen dümpeln Fischer- und Ausflugsboote vor sich hin. Der Weg führt direkt hinein in die Tiefwerder Wiesen – ein 67 Hektar großes Feuchtgebiet, in dem Graureiher, Ringelnattern und Moorfrösche leben. 2010 wurde hier eine große Herde Wasserbüffel angesiedelt. Die widerstandsfähigen Viecher sollen das Mähen ersparen und die Artenvielfalt fördern.

In der zugewucherten Auenlandschaft kann man auf einer Bank mit Blick aufs Wasser prima eine Rast einlegen. Wenn nur die vielen Mücken nicht wären: Ehe man sich versieht, ist man von oben bis unten mit dicken roten Quaddeln übersäht.

Vorbei geht es an einer Herde von Wasserbüffeln, die 2010 in den Tiefwerder Wiesen angesiedelt wurden
Wasserbueffel

Kleinstadtflair, Turmfalken und historische Gebäude

In Spandau: die mittelalterliche Nikolai Kirche
Nikolai Kirche Berlin-Spandau

Also schnell weiter und am besten wieder zurück in die Zivilisation! Weil in das Feuchtgebiet nur ein Weg hineinführt, geht es auf dem gleichen Weg zurück bis zur Ruhlebener Straße. Nun einfach den Radweg-Schildern folgen, und schon ein paar Kilometer später erreicht man Spandau. Das gehört zwar noch zu Berlin, hat aber so gar nichts mehr mit Großstadt zu tun: Die Altstadt hinter dem imposanten Rathaus ist Fußgängerzone, in den hübschen kleinen Gassen locken Cafés, Alt-Berliner Restaurants und Currywurstbuden. Der Höhepunkt ist die mittelalterliche Nikolai-Kirche, in deren Kirchturm sogar Turmfalken nisten.

Auf der anderen Seite der Altstadt ist man sofort wieder am Wasser. Hier liegt mitten in der Havel die wehrhafte Zitadelle Spandau, die bis Ende des 19. Jahrhunderts als Festung, aber auch als Gefängnis und Geldtresor diente. Zum Abschluss gibt es in einer der vielen Eisdielen noch ein leckeres Eis. Dann schiebt man einfach sein Rad in die S-Bahn und ist in einer halben Stunde zurück an der Friedrichstraße oder am Alex – mitten im Trubel der Millionenstadt.

Doch wer weiß: Vielleicht hat einen inzwischen das Fluss-Erkundungs-Fieber gepackt? Also sucht man sich spontan eine Pension und setzt die Entdeckungstour am nächsten Tag fort: Vielleicht nach Süden entlang der Havel zum Wannsee und weiter nach Potsdam mit seinem Gewirr aus Seen und Kanälen? Oder nach Norden, vorbei am Tegeler See und am Oder-Havel- und Oranienburger Kanal entlang bis nach Oranienburg? Oder man biegt bei Hennigsdorf zum Havelkanal ab und folgt ihm im Bogen Richtung Süden – bis er schließlich westlich von Potsdam wieder an der Havel herauskommt. Der Fantasie sind (fast) keine Grenzen gesetzt.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos

Fortbewegung

Radverleih
Wer kein eigenes Rad hat, kann in Berlin eines der vielen Leihfahrrad-Angebote nutzen. Leihräder von Call-a-Bike oder DB Bike / Lidl-Bike sind an vielen Orten in den Straßen Berlins zu finden. Wer bei einem der Dienste angemeldet ist, findet die Standorte bequem per App und kann das Rad per Anruf oder über die App ausleihen. Achtung: Die Räder stehen nur innerhalb des S-Bahn-Rings und müssen am Ende der Fahrt auch wieder in diesem Bereich abgestellt werden.

Eine Übersicht über Anbieter von Leihfahrrädern in Berlin bietet auch das Stadtmagazin Tip:
https://www.tip-berlin.de/fahrradverleih-berlin
 
Öffentliche Verkehrsmittel
Die Fahrradmitnahme ist in den S-Bahnen und Regionalbahnen in und um Berlin problemlos möglich. Eine Tageskarte Erwachsene für die Zonen A und B kostet 7 €, eine Fahrrad-Tageskarte für diese Zonen 4,80 €. Verbindungen und Abfahrtszeiten kann man bequem auf der Webseite oder in der App der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nachschauen.

Infos zu interessanten Orten entlang der Strecke

Reichstag / Bundestag
https://www.bundestag.de/besucher

Paul-Löbe-Haus
https://www.bundestag.de/besuche/architektur/loebehaus

Haus der Kulturen der Welt
https://www.hkw.de/de/index.php

Schloss Charlottenburg
https://www.spsg.de/schloesser-gaerten/objekt/schloss-charlottenburg/

Altstadt Spandau
http://www.ag-altstadt-spandau.de/

Turmfalken in der Nikolai-Kirche
turmfalken-nikolai-spandau.de/turmfalkennews/

Zitadelle Spandau
http://www.zitadelle-berlin.de/

Übernachten

Suche nach Unterkünften in Spandau
https://www.berlin.de/hotels/spandau/
http://www.spandau-tourist-info.de/hotels/

Christine Amrhein

Die Autorin Christine Amrhein

Die Autorin, Dr. Christine Amrhein, hat Psychologie studiert und in diesem Fach auch promoviert. Seit 2007 arbeitet sie als freie Journalistin, hauptsächlich als Wissenschaftsjournalistin. Reisen und Fahrradtouren machen ihr große Freude. Und so schreibt sie auch gerne zu diesen Themen.

Mehr als 1.800  Seiten für Fahrrad-FahrerInnen. Jede Menge Tipps und Infos rund ums Radfahren und Radreisen.

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