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Mit dem Rad durch den Spreewald

Fließe, Mühlen und saure Gurken

Um es gleich vorweg zu sagen: Es gibt sie nicht, die Radtour durch den Spreewald. Die Vielzahl der Tourenvorschläge und -möglichkeiten ist unendlich groß und miteinander kombinierbar. Es gibt überall, zumindest außerhalb der Hauptsaison, ausreichende Übernachtungsmöglichkeiten in Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen mit einfachem bis mittleren Standard.

Auch wir verfolgten nur eine grobe Richtung: Wir wollten mit der Bahn von Berlin aus nach Vetschau (Nähe Cottbus) fahren und von dort aus vier Tage lang durch den Spreewald  in Richtung Berlin zurück radeln. Die Tagesetappen sollten etwa 40 km lang sein, damit genügend Zeit bleibt, um überall dort zu verweilen wo es schön und interessant ist.

Kanäle durchziehen den Spreewald - ideal, um an ihnen entlang zu radeln oder auf ihnen eine Kahntour zu unternehmen

Bei Kaiserwetter starten wir ab Vetschau in Richtung Burg, vorbei an sattgrünen Wiesen, durch Pappelwälder, immer entlang der vielen kleinen Fließe und Kanäle. Fließe sind die naturbelassenen Seitenarme der Spree, während die Kanäle künstlich angelegt wurden. Insgesamt haben sie eine Länge von ca. 970 km.

Fließe werden die naturbelassenen Seitenarme der Spree genannt

In Burg lohnt ein DDR-Museum, bestehend aus zwei Gebäuden, einen Besuch. Im ersten Gebäude schlagen die Herzen der Freunde motorisierter Fahrzeuge höher. Alles, was sich einst über die Straßen der Deutschen Demokratischen Republik bewegte, wie Feuerwehr, Krankenwagen, Pkw, Zwei- und Dreiräder, sind hier in großer Zahl und auf Hochglanz poliert ausgestellt. Im zweiten Gebäude lässt sich hautnah der DDR-Alltag nachempfinden: Ein Klassenraum, eine Küche mit allem Zubehör, die gute alte Wohnstube und ein nachgebauter Kaufladen mit allen gängigen Produkten aus DDR-Zeiten und dem Hinweisschild „Heute keine Bananen“ sind dort zu sehen. In weiteren Räumen befinden sich Fernseh- und Radiogeräte und viele liebevoll gesammelte Gebrauchsgegenstände, die uns einen tiefen Einblick in das Leben des „anderen” Deutschlands gewähren.
www.ddr-museum-burg.de.

So war das – Kaufladen im DDR-Museum

Mit Kahnführer Rudi durch den Spreewald

Nach dem Museumsbesuch ist eine Kahnpartie durch den Spreewald angesagt: nur ca. 300 m hinter dem letzten Ziel geht es los. Kahnführer Rudi kahnt uns über die wunderschönen Fließe und hat eine Menge zu berichten: von den hier lebenden Wenden und Sorben und vom heutigen Leben im Spreewald, und dass der Name „Burg” nichts mit einer Festung zu tun hat, sondern wohl aus dem Wendischen stammt und „Borke” oder „Rinde” bedeutet. Dabei stakt er stehend mit einem ca. 4 Meter langen, sehr schmalen Ruder durchs Wasser. Wir gleiten durch eine fast unwirklich schöne Landschaft, vorbei an alten Spreewaldholzhäusern, satten Wiesen, auf denen Kuhherden weiden. Es sind Bullen mit Kühen und ihren Kälbern, deren junges aber offensichtlich glückliches Leben wohl nur bis zum Herbst dauern wird. Eine Milchwirtschaft gibt es hier nicht mehr, die Milch dient ausschließlich dem Wachstum der Kälber. Friedlich ist es hier. Die Sonnenstrahlen dringen durch das Blattwerk und brechen sich im ruhigen Wasser. Schon Theodor Fontane, der alte Knabe, wusste wo's schön ist, als er seine „Wanderungen durch die Mark Brandenburg" verfasste.

Am Nachmittag erreichen wir Straupitz mit seiner wunderschönen hellen Schinkelkirche (erbaut 1820-1833) und schauen uns den alten Kornspeicher an. Leider versäumen wir dabei ein ganz besonderes Technikdenkmal: Europas letzte funktionierende Dreifach-Windmühle. Diese „Holländer Windmühle“ besteht aus den drei produzierenden Müllereigewerken Mahlmühle, Ölmühle und Sägemühle. Statt einer Besichtigung haben wir jedoch unsere Hände in das neben dem Kornspeicher befindliche kleine (Wasser-) Glücksbecken getaucht. Eine unserer Mitfahrerinnen steigt nämlich gelegentlich etwas „unkonventionell” von ihrem Rad ab, um sich dann liegend von ihrem Fahrrad zu lösen. Und zudem hat niemand von uns an Flickzeug gedacht. Da wird wohl etwas Glück ganz hilfreich sein.

Gemütlich: Kahnfahrt auf einem Spreekanal

Himmlische Gurkenrezepte

Der nächste Tag beginnt mit neuer Landschaft: Es wird deutlich waldiger, aber immer noch folgen wir den Fließen und Kanälen. Auf einer Teilstrecke führen insgesamt fünf Holzbrücken über die Wasserwege, über die wir unsere Fahrräder mit Armmuskelkraft bewegen müssen. Dabei wird laut über „Gepäckmengen auf Radtouren” nachgedacht.

Weiter geht es in die „Lagunenstadt” Lehde, ein pittoreskes Dorf mit einem Freilicht- und einem Gurkenmuseum. In letzterem erfährt man viel über den Gurkenanbau und erhält dabei himmlische Rezepte. Im Freilichtmuseum lernen wir, wie ein „Dreigenerationenbett” funktioniert: Das junge Brautpaar darf die ersten 4 Wochen auf dem Heuboden schlafen, bevor es zu den Eltern/Schwiegereltern ins Bett umzieht. Dort wird ihnen Platz gemacht von den Großeltern, die ihrerseits nun das Bett räumen müssen, um aufs Altenteil zu gehen. Der zukünftige Nachwuchs schläft in den Schubladen, die abends unten aus dem Bett herausgezogen und zu Kinderbetten umfunktioniert werden.

Im Gurkenmuseum kann man sich wertvolle Kochanregungen holen

Richtung Lübbenau begegnet man zahlreichen Kanufahrern, die wir während unserer Fahrt über die Dämme beobachten können. Es gibt wieder mehr Weitblick und die vorherrschende Farbe ist ein sattes Grün. Es riecht wunderbar nach Natur, nach Bäumen, frischem Gras und leicht moorigem Wasser. Mittags tauchen wir in eine andere Welt ein: Wir gastieren auf dem Schlossplatz vor dem wunderschönen Schloss- (Hotel) Lübbenau aus dem 16. Jahrhundert mit Blick auf die Orangerie und den herrlichen Schlosspark. Anschließend geht es nach Lübben, wo es sich nach einem Abendspaziergang um das kleine Schloss mit Schlosspark gut übernachten lässt.

Schoss Lübbenau aus dem 16. Jahrhundert mit herrlichem Schlosspark

Traumhafte Seenlandschaft

Der 3. Tag beginnt mit einer Fahrt von Lübben nach Schlepzig, ein weiteres Highlight der Tour: Wie Perlen auf der Schnur liegen die Seen neben der Radroute, einer schöner als der andere. Nur die Fische unterbrechen die tiefe Stille, die über der schönen Landschaft liegt und springen – manche sicherlich mehrere Pfund schwer – mit lautem Platschen aus dem Wasser.

Ein besonders idyllisch gelegenes Café lädt ein, gemütlich am langsam vorbei fließenden Wasser sitzend Gurken, Schmalzbrote und Kuchen zu probieren und die die warmen Sonnenstrahlen zu genießen. Dann geht es zur Besichtigung in die nah gelegene Privatbrauerei, in der  „Spreewald Pils” gebraut wird. Mehr als das Bier begeistert uns jedoch ein großer, auf gleichem Grundstück befindlicher „Weidendom”. Zum Anwurzeln in die Erde gesteckte Weidenbündel werden zu kuppelähnlichen Trägerstrukturen geformt und stabilisiert. Die wachsenden Blätter schließen irgendwann den „Dom”,  und ein neues, überaus sehenswertes Bauwerk der Natur ist entstanden.

Der Weidendom, ein sehenswertes Natur-Bauwerk

Über Krausnick nach Köthen radeln wir bei perfektem Wetter hauptsächlich durch Nadelwald, wobei es hügeliger und sandig wird. Es riecht harzig und mit dem aufkommenden Wind hat man manchmal fast das Gefühl, durch dünenähnliche Landschaften in Holland zu fahren. Oft muss abgestiegen  und geschoben werden,  um nicht im Sand zu versinken. Ein anderer Teil der Strecke ist mit Schotter belegt worden, so dass wiederum das Rad geschoben werden muss.

Über Märkisch-Buchholz führt der Weg nach Halbe, wo es leider keine passende Übernachtungsmöglichkeit für uns gibt. Mit der Regionalbahn fahren wir kurz entschlossen eine Station weiter nach Groß Köris, wo wir eine größere Auswahl schöner Unterkünfte vorfinden.

In den Nadelwäldern zwingen manchmal Sandwege und Steigungen zum Absteigen

Schloss der „Langen Kerls“

Die letzte Etappe führt am nächsten Morgen entlang des „Hölzernen Sees” über Prios nach Königs Wusterhausen, eine Strecke von über 30 km. Vor dem Schloss von König Friedrich-Wilhelm I (www.schloss-koenigs-wusterhausen.de) lohnt eine Pause, um das im Jahr 2001 wiedereröffnete Schloss mit seinen „Kavalierhäusern” auf sich wirken zu lassen. Hier also kamen sie her, die legendären „Langen Kerls”, die der König als seine Soldaten verpflichtete. Sechs Fuß hoch mussten sie sein, ca. 1,80 m also, was damals eher selten anzutreffen war. Wozu dieses Gardemaß notwendig war und welche Vorteile es im Krieg mit sich brachte, kann man sich bei einer Schlossführung erklären lassen. Dabei erfährt man auch, warum Friedrich Wilhelm I. in genau diesem Schloss das Todesurteil für seinen eigenen Sohn unterschrieben hat, der allerdings überlebte. Nach einem Besuch der in der Nähe des Schlosses liegenden Kreuzkirche, kehren wir am Abend mit der Bahn wieder zurück nach Berlin.

Dass sich auf der gesamten Tour niemand verletzt hat, uns kein Plattfuss heimsuchte und  der Wettergott uns hold war, verdanken wir ganz offensichtlich dem Wasser des Straupitzer Glücksbeckens, in das wir unsere Hände getaucht haben. Was übrigens jedem zu empfehlen ist, der sich aufmacht, mit dem Fahrrad das wunderschöne Spreewaldgebiet zu erkunden.

Alexandra von Stein

In König Wusterhausen lohnt ein Besuch des Schlosses von König Friedrich-Wilhelm I

Kommentare

Renate Bonzol, 03-10-11 20:02:
Den Bericht zu lesen hat Spaß gemacht, vor allem aber Lust sich selber auf den Weg zu machen.
Vielen Dank
Renate B.
Alexandra v. Stein, 30-09-11 17:59:
Da hast du ja eine schöne Tour mitgemacht. So richtig zum Neid-erwecken.
Wir gehen am Wochenende bei herrlichem Sonnenschein zur Traubenlese. Auf das Angebot kommen wir wirklich mal zurück.
Es werden keine leere Versprechungen bleiben.
Liebe Grüße
Heinz

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Text/Fotos: Alexandra von Stein (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

Spreewald-Touren

Durch den Spreewald führen verschiedene Fahrradrouten. Unter anderem der Gurkenradweg, deutlich zu erkennen an seinem charakteristischen Symbol.

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