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Ecuador: Radtour von den Anden bis zum Amazonas

900 Meter bergab im Sausewind – vorbei an Dutzenden von Wasserfällen, führt die Strecke von den Berghängen der Anden bis ins Amazonastiefland

Wer in Ecuador unterwegs ist, hat schnell ein interessantes Höhenprofil vorzuweisen: Von 2800 Metern in Quito führt die Straße eben mal schnell über einen 4.000 Meter hohen Pass, um auf der anderen Seite langsam ins Amazonastiefland abzusteigen. Wer vom Refugio Whymper, der höchsten Berghütte Ecuadors am Fuß des Chimborazo, nach Riobamba hinunterfährt, legt in einer Stunde 2.300 Höhenmeter zurück – von 5.000 bis auf 2.700 Meter. Und von den windumtosten Höhen des Cajas-Nationalparks geht es auf dem Weg zur Pazifikküste in weniger als zwei Stunden von 4.200 Metern bis auf Meereshöhe hinab.

Was bietet sich da eher an, als einen Teil der Strecke mit dem Fahrrad zurückzulegen? Denn noch beeindruckender als die Höhenunterschiede an sich sind die Veränderungen der Landschaft, die man so besonders hautnah miterlebt. Zum Beispiel auf der 61 Kilometer langen Strecke von Baños nach Puyo, die auch als „Straße der Wasserfälle“ bekannt ist: Von den kargen Hängen der Anden geht es hier hinunter bis ins dicht überwachsene, feucht-heiße Amazonastiefland.

Die Stadt Baños und das Tal Rio Pastaza (Foto: Christine Amrhein)

Über insgesamt 900 Höhenmeter führt der Weg fast kontinuierlich bergab – und dazu warten am Wegesrand jede Menge landschaftlicher Höhepunkte. Im Gegensatz zu den meisten Straßen Ecuadors ist die Strecke explizit als Radler-Route angelegt: Schilder weisen darauf hin, dass andere Fahrzeuge hier die Straße mit Radfahrern teilen. Und an mehreren Engstellen, an denen die Straße lange, unbeleuchtete Tunnel durchquert, gibt es für die Radler extra Ausweichstrecken.

Oberhalb des Gebirgsflusses Pastaza saust man auf der gut ausgebauten Straße das lange, kurvenreiche Flusstal entlang – und ärgert sich beinahe, dass es alle paar Kilometer „schon wieder“ etwas Interessantes zu sehen gibt und man auf die Bremsen gehen muss. Über ein Dutzend Wasserfälle säumen die Strecke, und an vielen Stellen bietet es sich an, ein erfrischendes Bad im Fluss zu nehmen.

Schon etwa zehn Kilometer hinter Baños stößt man auf den Manto de la Novia, einen beeindruckenden Wasserfall, der aus zwei nebeneinander herabstürzenden Kaskaden besteht – und der die Einheimischen offenbar an den Umhang einer jungen Frau erinnert.

Erinnert an den Mantel einer jungen Frau: Wasserfall Manto de la Novia (Foto: Christine Amrhein)

Etwas abseits der Straße liegt der Pailón del Diablo etwa 18 Kilometer hinter Baños beim kleinen Ort Río Verde. Doch die viertelstündige Wanderung durch dichten Urwald lohnt sich: Der Weg zum „Teufelskessel“ zwängt sich am Rande einer Schlucht durch enge Felsöffnungen und führt am Ende direkt unter der Kaskade des Wasserfalls hindurch, um dann vor einem tosenden, Gischt spritzenden Monstrum zu stehen.

Wer möchte, hat an etlichen Stellen die Gelegenheit, in einer Tarabita über das Flusstal oder direkt über einen der Wasserfälle zu gleiten – in einem wackeligen, an Stahlseilen geführten Eisenkorb. In der Vergangenheit haben sich dabei zwar hin und wieder Unfälle ereignet, aber in den letzten Jahren wird die Sicherheit stärker überprüft.

Hinter Río Verde werden die „Höhepunkte“ allmählich weniger, und weil die meisten Ausflügler nur bis hierher fahren, hat man die Straße nun weitgehend für sich. Alle paar Kilometer geht es durch ein kleines Dorf, in dem rauchende Grillroste und dampfende Kessel an der Straße zu einer Stärkung einladen. Ab und zu überholen Lkws oder Busse – oder man rauscht an ihnen vorbei – aber insgesamt hält sich der Verkehr sehr in Grenzen. Nun wird die Landschaft schnell tropischer, hohe Urwaldbäume, Bambusgräser, Bromelien und Bananenstauden wuchern neben der Straße. Allmählich fühlt sich die feuchte Luft an wie eine warme Wand, und die eine oder andere Steigung gibt es nun auch zu überwinden. Doch dafür taucht am Straßenrand immer wieder ein rustikales Café auf, von dem sich ein fantastischer Blick über das inzwischen schon sehr breite Flusstal bietet. Wer übrigens eine Panne hat oder schon früher die Lust verliert: Einfach dem nächsten vorbeifahrenden Bus Richtung Baños winken – der nimmt das Fahrrad samt Fahrer problemlos mit.

Ein typisches Imbiss-Restaurant in Puyo (Foto: Christine Amrhein)

Die letzten Kilometer – vorbei an den verschlafenen Ortschaften Mera und Shell – sind weitgehend eben, und schneller als gedacht tauchen die Ausläufer des Dschungelstädtchens Puyo auf. Hier kann man wahlweise einen botanischen Garten oder ein ethnografisches Museum besuchen oder sich in einem der zahlreichen Imbiss-Restaurants stärken – und sich anschließend wieder auf den Rückweg machen. Noch einfacher ist es jedoch, sein Fahrrad in den nächstbesten Bus zu laden und schon zwei Stunden später zurück in Baños zu sein.

Dort kann man es sich nach all den Strapazen dann so richtig gut gehen lassen. Weil das kleine Städtchen am Fuß des aktiven Vulkans Tungurahua liegt, gibt es mehrere heiße Thermalquellen, und auch Massagen werden überall im Ort angeboten. Anschließend sollte man sich die typischen Süßigkeiten der Region nicht entgehen lassen: Caña de Azúcar (Zuckerrrohrstangen), knallbunte Bonbons oder Melcocha, eine süße, klebrige Masse, die um Holzstäbchen gewickelt wird. Überflüssige Pfunde abtrainieren kann man schließlich auch ein anderes Mal.

Typische Süßigkeiten der Region (Foto: Christine Amrhein)

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos

Anreise
Baños liegt im zentralen Hochland Ecuadors, an den östlichen Hängen der Anden. Es ist mit dem Bus 3,5 Stunden von Quito und 7 Stunden von Guayaquil entfernt.

Puyo, zwei Busstunden weiter östlich gelegen, ist ein guter Ausgangspunkt für Touren im Amazonastiefland.

Beste Reisezeit
Die beste Zeit für Radtouren ist die Trockenzeit von Juni bis September. Am meisten Regen fällt im Dezember und Januar – häufig aber erst am Nachmittag, so dass die Radtour das ganze Jahr über möglich ist.

Ausrüstung
Mehrere Läden in Baños verleihen Mountainbikes, die meist in gutem Zustand sind. (Preis: ca. 6 bis 10 Dollar pro Tag). Dazu sollte man auch ein Schloss und einen Fahrradhelm leihen. Die meisten Anbieter geben zusätzlich eine Karte der Region, Fahrradwerkzeug und einen Ersatzschlauch mit. Weiterhin sollten Regenkleidung und ein gutes Insektenschutzmittel mit im Gepäck sein.

Adressen in Baños:

Touristeninformation
im Busbahnhof und in der Calle Rocafuerte
Tel: 03-274-0483 (Landesvorwahl Ecuador: +593)
E-Mail: mun_banos@andinanet.net

Thermalbad
„Baños El Salado“
Öffnungszeiten: 5 h bis 16.30 h
Eintritt: 3 Dollar
2,5 Kilometer außerhalb der Stadt

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