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Natur und Kultur im Hasetal zwischen Osnabrücker Land und Ems
Das Hasetal ist für kunstsinnige Naturfreunde ein ideales Reiseziel. Das für die ganze Familie geeignete Radwegenetz zeichnet sich durch 7000 Obstbäume am Wegesrand, von denen man gesunde Erfrischungen ernten darf, und 3333 Rosenbüsche aus, die auf Initiative des Rundfunksenders NDR 1 gepflanzt wurden.
Die Wege führen direkt am Wasser oder an Wiesen, Mooren und Wachholderhainen entlang. Überall gibt es wunderschöne Häuser und Gärten zu entdecken, die teilweise seit Jahrhunderten gepflegt werden, und am Flussufer wurden viele Skulpturen errichtet.
Gewässer mit Geschichte
Die 193 km lange Hase entspringt im Teutoburger Wald. Ihr Lauf gabelt sich westlich von Melle kaum 10 km vom Quellgebiet entfernt, und so fließt ein Teil des Wassers über Else und Lippische Werra in die Weser, der größere bei Meppen in die Ems. Es ist nicht sicher, ob das seltene Phänomen, wissenschaftlich Bifurkation genannt, natürlichen Ursprungs ist.
Der Legende nach war die Liebe einer Müllerstochter mit Namen Else und eines Ritters namens Herwarth Auslöser für die Teilung der Hase. Des Ritters Vater, ein Graf von Holte, war gegen die Verbindung und forderte den Verlobungsring von Else zurück. Als diese sich weigerte, erstach der Graf sie und warf ihre Leiche in die Hase. Zornig ob der Freveltat trat der Fluss über die Ufer und formte die Else.
Die profanere Erklärung besagt, dass im 16. Jahrhundert der Drost(e) von Gesmold, Herrmann von Amelunxen, den Bau eines Kanals verfügte, um seine Mühlen mit mehr Wasser zu versorgen.
Jahrhundertelang gab es teils erbitterten Streit um das Hasewasser. Heute ist es friedlich geworden, und die verbliebenen Nutzer können sich unbehelligt bedienen.
Im Tuch Macher Museum Bramsche, vormals Produktionsstätte, laufen noch heute die alten Maschinen, um in 18 Arbeitsschritten Tuche aus Schafwolle zu fertigen. Das berühmte Bramscher Rot wurde hier von dem aus Thüringen eingewanderten Schönfärber M.A. Wollf (1709- 1781) erfunden, berichtet Führerin Ursula Barz. Das Geheimnis der leuchtenden Farbe aus der Krapppflanze, die Uniformröcke hannöverscher wie englischer Soldaten zierte, nahm er mit ins Grab. Trotz moderner Analysetechnik ist es bis heute nicht gelungen, den Originalfarbton über Pflanzenfärbung wieder zu treffen. Man weiß nur, dass es ohne Zinn nicht geht.
Krapp, Färberwaid (früher Rohstoff für Indigoblau, obwohl an der Pflanze nichts Blaues zu sehen ist) und andere für die Färberei wichtige Pflanzen sind in einem Garten zu besichtigen, der Teil der Garten Traum Tour des Osnabrücker Landes ist. Das Museum arbeitet eng mit Schulen und Forschern zusammen, und Museumsleiterin Kerstin Schumann ist stolz darauf, dass sie die Mathematikerin und Kulturwissenschaftlerin Dr. Ellen Harlizius-Klück gewinnen konnte, in der Zeit vom 05. Juni bis bis 25. Oktober 2009 in der Forschungswerkstatt zu arbeiten und die Ausstellung „Gesponnen und Verwoben – Textiles zu Zeiten von Römern und Germanen“ zu bereichern.
 - Rechts: Rohstoff Wolle durch den Wolf gedreht
 - Links: Spinnt immer noch Wolle im Tuchmachermuseum, der Selfaktor
Varus- und Tortenschlacht
2009 sind Römer und Germanen im Hasetal allgegenwärtig, denn man feiert das 2000jährige Jubiläum der Varusschlacht, die in Kalkriese bei Bramsche stattfand. Museum und Park Kalkriese, eine der bedeutendsten Grabungsstätten Europas, wurden zum Europäischen Kulturerbe erklärt.
Folgt man der Hase von Bramsche in Richtung Bersenbrück, lohnt es sich, in Rieste Station zu machen und in Rohdes Heuerhaus einzukehren. Das 1627 erbaute Haus diente ehedem zur Landarbeit Angeheuerten als Unterkunft und wurde von den Eheleuten Rohde liebevoll restauriert. Außerdem backt Gerda Rohde phantastische Kuchen und Torten. Der große Garten mit seinen alten Eichen wurde ebenfalls in die Garten Traum Tour aufgenommen.
 - Links: Glück auf Tortenplatten; gespiegelt die Bäckerin selbst
 - Rechts: Teil des Gartens von Rohdes Heuerhaus
Kirchliche und Weltliche Gewalt
Immer der Hase nach geht es weiter nach Bersenbrück, wo die Hasemühle, ehemals Klostermühle von St. Marien, Strom liefert, nämlich 100 Kilowattstunden. Ein Gefälle von 3,40 Metern reicht dafür aus. Das frühere Zisterzienserinnenkloster wurde im Februar 1787 säkularisiert, 556 Jahre nach seiner Gründung, und dient inzwischen als Amtsgericht und Museum. Nach Auflösung des zuvor isolierten Klosters entfiel die Bannmeile, und so konnte sich vor der Klosterpforte eine kleine Stadt entwickeln.
Informativ und stimmungsvoll ist ein spätabendlicher Rundgang mit Bersenbrücks Nachtwächer Manfred Kalmlage, der alle Einheimischen persönlich zu kennen scheint. Die Teilnehmer werden mit Laternen ausgestattet, während er selbst mit einem Elektroscheinwerfer, der nicht ganz zu seiner Originaltracht aus Bramscher Tuch passt, aber zweckmäßig ist, auf die vielen Sehenswürdigkeiten weist. Er hat die Schlüsselgewalt über Rathaus, Amtsgericht und Kirche St. Vincentius, gewährt Zutritt und weiß viel über die wechselvolle Stadtgeschichte zu berichten. Zum Beispiel, dass einer seiner Vorgänger im Jahre 1840 kurzzeitig inhaftiert wurde, weil er betrunken randaliert hatte und in einer der Zellen an der Klosterpforte ausnüchtern musste. Überhaupt soll hier, wo noch immer die originell umkränzten Aufgebote hängen, schon mehr Alkohol konsumiert worden sein als in so mancher Kneipe.
St. Vincentius beherbergt eine ungewöhnliche Jesusfigur. Zeitweilig trug sie einen ledernen Lendenschurz, heute ist sie im Originalzustand zu sehen.
 - Links: Klosterpforte. Die vergitterten Fenster links gehörten einst zu Gefängniszellen.
 - Rechts: Brückenschlagskulptur vor dem Bersenbrücker Rathaus
 - Unten: beinahe lebensgroße Jesusdarstellung von St. Vincentius
Katholisch und Evangelisch
Folgt man der Hase Richtung Quakenbrück, lohnt es sich, die Ortschaft Gehrde an der Artlandroute aufzusuchen. Die im gotischen Stil im 14. Jahrhundert erbaute St. evangelische Christophoruskirche weist ein Gabelkreuz, errichtet um 1290 auf, das zwischenzeitlich, als Gehrde nach der Reformation lutherisch wurde, aus dem Kircheninneren verbannt worden war. Der Ortskern mit seinem altertümlichen Dorfbrunnen und vielen Fachwerkhäusern ist ebenfalls sehenswert.
Wer Lust auf eine Partie Swingolf oder Bogenschießen hat, kann diesen Sportarten auf dem Ferienhof Groneick frönen. Der FITA-Platz ist Norddeutschlands größte Bogenschießanlage. Das Hotel mit seinem riesigen Garten und einer Bildhauerwerkstatt für Gäste, die hier unter fachkundiger Anleitung Steinbehau lernen können, ist ein Schmuckstück von einem Artlandhof.
 - Links: FITA-Bogenschießplatz in Gehrde
 - Rechts: Haus mit Garten am Wegesrand
Durchsetzungs- und Muskelkraft
Von Gehrde kann man über Badbergen, das laut Gästeführerin Maria Schulte weder Bad ist noch Berge hat, nach Quakenbrück radeln. Der Ort, an dem die Hase sich in sieben Arme aufteilt, die dann wieder zusammenfließen, ist eine ehemalige Hansestadt mit vielen historischen Gebäuden. Sein Marktplatz ist den Quakenbrückern heilig. Nicht einmal eine Kirche durfte sich auf das Grundstück ausdehnen, erzählt Frau Schulte.
Es gibt einen Draisinenbahnhof, von dem aus man mit Handhebel- oder pedalbetriebenen Draisinen auf Entdeckungsfahrt gehen kann.
Artlandhöfe und -dorf
Westlich von Quakenbrück liegt Menslage, ein Dorf mit zahlreichen Fachwerkhäusern im Artlandstil. Das Artland, dessen Böden so fruchtbar sind, weil durch Überschwemmungen Löß aus dem Teutoburger Wald eingetragen wurde, hat seinen Namen von Ortland. Ortlande waren Landzungen, die dem Überschwemmungsgebiet abgetrotzt wurden.
Die reichen Grundbesitzer hielten ihren Status quo durch eine rigide Form der Geburtenkontrolle, weiß Frau Schulte. Es galt als unfein für eine Frau von Stand, mehr als zwei Kinder zu haben. Die Last der Verhütung lag ausschließlich auf den Schultern der Frauen, die mit Hilfe von Koniferenbeeren abtreiben mussten. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer reichen Bäuerin betrug keine vierzig Jahre. Viele Mägde hatten uneheliche Kinder, die Kegel genannt wurden. Diese Kegel sind in der Redewendung „mit Kind und Kegel” gemeint.
Kirchenschmuck als Schmuggelversteck
Radelt man von Menslage aus nach Nordwesten, erreicht man wieder die Hase und den Ort Löningen mit St. Vitus, der größten pfeilerlosen Saalkirche Deutschlands, vormals lutherisch. Das rechteckige Kirchenschiff misst 48 mal 24 m, ist 13,5 m hoch und hat 1200 Sitzplätze. Das klassizistische Gebäude wurde 1809-1813 errichtet. Die Innenausstattung ist barock. Die zwölf überlebensgroßen Apostelfiguren stammen wahrscheinlich vom Kölner Bildhauer Peter Joseph Imhoff (1768-1844).
1836 wurden sie von einem Fuhrmann aus Köln abgeholt. Der nahm einen kleinen Umweg über Aachen, wo er die berühmten Nadeln kaufte und in den Figuren versteckte. Er schmuggelte sie nach Löningen, zurecht auf die Pietät der zahlreichen Zöllner zählend. Aachener Nadeln fanden im 16. Jahrhundert erstmalig urkundlich Erwähnung und sind seitdem ein Exportschlager. Um 1900 gab es in Aachen 29 Fabriken mit über 4000 Beschäftigten.
 - St. Vitus, Löningen: Figur des Lieblingsjüngers Jesu, Johannes, die ehedem zum Nadelschmuggel herhalten musste
Alte Geschichten und alte Fußballträume
Eine weitere Sehenswürdigkeit sind Garten und Museum der Louise Lucas in Löningen/Werwe. Die alte Dame hat Alltagsgegenstände und Kleidung von früher gesammelt, die sie in ihrem wunderschönen antiken Haus ausstellt und erzählt auf Wunsch von der alten Zeit. Bei ihr kann man zu Kaffee, Tee und Kuchen einkehren in eine Gaststube, die selbst ein Museum ist.
Folgt man dem Haselauf, gelangt man von Löningen nach Herzlake. Hier hat der VfL Herzlake, dessen größter Erfolg der Beinaheaufstieg in die Zweite Fussballbundesliga in der Saison 92/93 war, sein Stadion. Inzwischen spielt man wieder in der Kreisklasse Emsland Mitte, aber das Hasetalstadion, das überraschend aus dem Nirgendwo auftaucht, fasst 7000 Zuschauer. Fussball ist auch im Hotel Aselager Mühle ein Thema. Alle Mannschaften, die von Felix Magath betreut wurden, waren hier zu Gast. Der FC Schalke 04 buchte schon, als Magath sich noch nicht als künftiger Knappentrainer geoutet hatte. Deutsche Film- und Fernsehgrößen wie Evelyn Hamann haben sich ebenfalls im Gästebuch verewigt.
Südlich von Herzlake erstreckt sich das Hahnenmoor, ein Naturschutzgebiet von 627 Hektar Größe, das fast vollständig dem Torfabbau zum Opfer gefallen wäre. Inzwischen wird die Fläche geschont, und Schafe kümmern sich darum, dass der Baumbewuchs in Grenzen bleibt. Torfentstehung dauert lange. Um einen Millimeter jährlich wächst die Torfschicht, die hauptsächlich aus abgestorbenem Torfmoos besteht.
Die letzte größere Stadt vor der Hasemündung bei Meppen ist Haselünne, berühmt für ihre Wachholderhaine und die ehemalige Kornbrennerei Berentzen. Der verstorbene Patriarch Friedrich Berentzen war sozial engagiert und spendete die 7000 Obstbäume, die längs des Radweges gepflanzt wurden.
• Hase-Ems-Tour, Länge rund 325 km, wenig Steigungen, häufig direkt am Wasser, hohe Sehenswürdigkeitendichte, Besonderheit 7000 Obstbäume am Weg; Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen einheimischer Sorten
Tourenplanung via
Hasetal Touristik GmbH Langenstr. 33 49642 Löningen Tel. 05432 599599 Fax 95432 599598 zeh@hasetal.de http://www.hasetal.de
Emsland Touristik GmbH Ordeniederung1 49716 Meppen Tel. 05931 442266 Fax 05931 443644 info@emsland.com http://www.emsland.com
Tourismusverband Osnabruecker Land e.V. Postfach 4149 49031 Osnabrück tv@osnabruecker-land.de http://www.osnabruecker-land.de
• DiVa Tour, Länge 99 km, wenig Steigungen, Dinosaurierspuren, Kulturlandschaften, Varusschlachtfeld
Tourenplanung via
Tourist-Information Bad Essen Lindenstr. 39 49152 Bad Essen Tel. 05472 94920 Fax 05472 949285 touristik@badessen.de http://www.badessen.info
Gemeinde Ostercappeln Gildebrede 1 49179 Ostercappeln Tel 05473 92020 Fax 05473 920249 info@ostercappeln.de http://www.ostercappeln.de
Stadtmarketing Bramsche GmbH Maschstr. 9 49565 Bramsche Tel 05461 93550 Fax 05461 935511 stadtmarketing@bramsche.de http://www.bramsche.de
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Text/Fotos: Carola H. Haug (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten
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