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Köln hautnah: Eine Stadterkundung per Fahrrad

Köln zu Fuß zu erkunden ist zeitaufwändig und anstrengend. Wer die Stadt und ihre Menschen hautnah kennen lernen möchte, steigt am besten aufs Rad

Köln ist keine Stadt, Köln ist ein Zustand. Die Rheinmetropole ist Kunststadt, Hochburg des Karneval, modernes Handels- und Dienstleistungszentrum, Standort zahlreicher Brauereien, die vor allem die obergärige Bierspezialität Kölsch produzieren. Aber “Kölsch” bezeichnet auch einen Menschenschlag; das unbestimmbare Etwas, eine Stimmung oder Atmosphäre, die diese Stadt auszeichnet. Wer dieser per Fahrrad auf die Schliche kommen will, ist gut beraten. Man kommt schnell vorwärts, um verschiedenste Ecken kennen zu lernen und hat gleichzeitig genügend Zeit, die Stimmung in den einzelnen Stadtvierteln einzufangen.

Die Stadt glänzt nicht unbedingt mit perfekt ausgebauten Radwegen. Zum Teil sind sie viel zu schmal, schlecht gepflastert oder fehlen an manchen Stellen gänzlich. Andererseits gibt es zahlreiche kleine Straßen in verkehrsberuhigten Zonen, die aufgrund ihrer Eigenschaft als Einbahnstraßen Autofahrer zur Verzweiflung bringen können – Fahrradfahrern aber ein verhältnismäßig stressfreies Vorwärtskommen ermöglichen. An einer für Fahrradfahrer durchgängigen Beschilderung wird seit einiger Zeit gearbeitet. Gleichzeitig gibt es wohl kaum eine Stadt in Deutschland, in der so viele Straßenschilder fehlen. Häufig genug kann man einfach nur raten, ob man sich in der richtigen Straße befindet...

Grob betrachtet zerfällt Köln in zwei Teile: die linke und die rechte Rheinseite. Linksrheinisch legen sich drei ringförmige Straßenzüge um die Stadt. Der innere Ring (einfach “die Ringe” genannt) entstand entlang der mittelalterlichen Stadtbefestigung von 1180 -1220. Drei der ehemals 12 großen Stadttore sind erhalten geblieben (Severins-, Eigelstein- und Hahnentor). Als nächstes folgen der – im Süden allerdings nicht geschlossene – innere Grüngürtel entlang der Inneren Kanalstraße, noch weiter außerhalb dann der äußere Grüngürtel.

Die im folgenden beschriebene Tour führt immer in nächster Nachbarschaft zum inneren Ring auf kleinen Straßen durch einige der sehenswertesten Viertel der Stadt, zu schönen Gartenanlagen und netten Kneipen.

Auf kölschen Spuren
Eine Runde zum Sehen und Genießen, Essen und Trinken
Auf dieser Tour lassen sich verschiedene Seiten Kölns erleben. Urige Viertel, einladende Kneipen und erholsame Gartenanlagen säumen die Strecke
Start- und Zielpunkt ist das Rheinufer an der Hohenzollernbrücke. Natürlich kann die Tour auch an jedem beliebigen anderen Punkt gestartet werden – je nachdem, wo man sein zweites Frühstück zu sich nehmen und in welchem Brauhaus oder Biergarten man gerne die Runde beschließen möchte.

Die Fahrt flussaufwärts auf den Rheinuferpromenade kann an manchen Sommertagen zu einer Slalomfahrt zwischen zahllosen Fußgängern ausarten. Vielleicht steigt man direkt vom Rad und erkundet schiebend die Frankenwerft. Jenseits des Rasenstreifens reiht sich in alten Bürger- und Handelshäusern Restaurant an Restaurant – eine sehr touristische Angelegenheit. Auch die dahinter liegende Altstadt ist eine Gegend, von der Kölner sagen, dass echte Kölner nie hingingen. Trotzdem: die kleinen Straßen und Gassen beherbergen neben zahlreichen Geschäften und Einkehrmöglichkeiten auch viele architektonische Perlen und sind eine kleine Einlage zu Fuß wert.

Schokolade und Bier

Zurück am Rheinufer geht es vorbei am sehenswerten Schokoladenmuseum (Imhoff-Stollwerck-Museum, geöffnet Di-Fr 10-18 Uhr, Sa, So, Feiertage 11-19 Uhr), Rheinauhafen und Bayenturm auf einem von der Straße abgetrennten Radweg weiter südwärts. Zusammen mit den von Süden kommenden Straßenbahnschienen überquert man schließlich die Rheinuferstraße und gelangt auf dem Ubierring zum Chlodwigplatz. Die Severinstorburg am nördlichen Ende des Platzes gehörte zur mittelalterlichen Stadtbefestigung und wurde Ende des 12. Jahrhunderts errichtet. Rund um den Chlodwigplatz erstreckt sich die Südstadt, ein tagsüber und dank seiner vielen Kneipen auch nachts sehr lebendiges Viertel. Lecker und stilvoll essen und trinken lässt es sich zum Beispiel im “Früh im Veedel” (geöffnet Di-Do 11-24 Uhr, Fr+Sa 11-1 Uhr), einem Ableger der Früh-Brauerei am Chlodwigplatz.

Wer jetzt die Zeit für ein zweites Frühstück gekommen sieht, umrundet den Chlodwigplatz, fährt kurz auf dem Ubierring Richtung Rhein zurück und biegt rechts in die Alteburger Straße ein. An der ersten Ampel geht es links in die Teutoburger Straße zum sogenannten Eierplätzchen an der Ecke Mainzer Straße. Im “Café Römerpark” (geöffnet Mo-Sa 9-20 Uhr, So 9.30-19 Uhr) gibt es eine große Auswahl an Kaffees und ein reichhaltige Frühstücksangebot.

Kwartier Lateng

Weiter geht die Tour vom Café am Römerpark zurück auf der Teutoburger Straße, über die Alteburger Straße und anschließend die Bonner Straße hinweg in die Rolandstraße. Ab hier kann man auf dem Mittelstreifen zwischen Bäumen weiterfahren bis in die Volksgartenstraße. Im Volksgarten linker Hand wird im Sommer viel geboten, überall treffen sich Gruppen und musizieren oder spielen. Auf dem See kann man Tretboot fahren oder am Rande ein Bier im Hellers Biergarten zu sich nehmen (geöffnet je nach Wetterlage). Im Volksgarten hält man sich parallel zur Volksgartenstraße und fährt dann hinter dem Kreisel am Eifelplatz immer parallel zur Eisenbahnlinie über die Moselstraße, auf der man die Luxemburger Straße kreuzt. Die nächste größere Straße ist die Zülpicher Straße. Sie führt vom Ring aus zur Universität; hier bestimmen vor allem Studenten das Bild. An der Kreuzung Moselstraße/Zülpicher Straße geht es schräg rechts in die Kyffhäuser Straße – eine Einbahnstraße, die einen kurzen Abstecher zu Fuß lohnt. Sie ist Teil des in Anspielung auf das Pariser Studentenviertel Quartier Latin “Kwartier Lateng” genannten Viertels und bietet zahlreiche Kneipen, Cafés und Imbisse (türkisch, griechisch, deutsch). Gleich an der Ecke lockt das “Theatercafé Filmdose” zur Einkehr (geöffnet 9-2 Uhr, Fr/Sa bis 3 Uhr, Frühstück bis 18 Uhr, So 10-16 Uhr).

Erholsame Idylle

Weiter geht’s auf der Dassel- und anschließend Lützowstraße, immer noch parallel zur Bahnlinie. Wenn man auf die Moltkestraße gelangt, ist es für ein paar hundert Meter mit der Ruhe vorbei, doch wenn man nicht gerade zur Rush Hour unterwegs ist, lässt es sich auf der dreispurigen Straße auch ohne Radweg gut fahren. Ins Blickfeld rückt jetzt der Colonius, der Fernmeldeturm, und wenn man die Aachener Straße überquert hat, wird die Straße wieder ruhig – und sehr schmal. Gut, dass man gleich die zweite Möglichkeit nutzen kann, rechts zum Brüsseler Platz abzubiegen und das Belgische Viertel kennen zu lernen. Hier findet man einige urige Kneipen, Cafés, Imbisse, Kioske. Wer sich gleich am Brüsseler Platz erholen will, kann einen Kaffee (oder ein Kölsch) im Ambiente der 60er Jahre im oder vor dem “Hallmackenreuther” genießen. Ruhig fährt man weiter durch die Brüsseler Straße zur Spichernstraße. Links erstreckt sich der kleine Stadtgarten, die älteste gestaltete öffentliche Grünanlage der Stadt. Der Colo­nius (geziert von einem unübersehbaren magentafarbenen T) dominiert diese erholsame Idylle.

Medienstadt Köln

Im Stadtgarten hält man sich links und fährt am Ende des Gartens hoch zum Bahndamm. Rechts liegt die sehr moderne katholische Kirche Neu Sankt Alban. Zusammen mit den Bahnschienen überquert man die Gladbacher Straße und fährt rechts hinunter zum Media Park. Seit Mitte der 80er Jahre entsteht hier auf einem ehemaligen Güterbahnhofgelände ein Ensemble postmoderner Büro- und Wohngebäude inmitten von kleinen Grünflächen. Hier sollten vor allem zahlreiche Vertreter der Medienbranche ihr Domizil aufschlagen. Das Konzept ging nicht ganz auf, und das Gelände macht nicht nur aufgrund der immer noch zahlreichen Bauaktivitäten einen unfertigen Eindruck.

Rechts am schönen Spielplatz vorbei gelangt man zum Zentrum des Parks mit einem großen Vorplatz vor dem modernen Cinedom und einer kleinen Teichanlage. Hier tummeln sich im Sommer Skater, Familien und Flaneure, für das leibliche Wohl sorgen Cafés, Kneipen und ein Bistro.

Auf der ab hier ruhigen Maybachstraße verlässt man den Media Park in nördliche Richtung. An der Kreuzung zur Krefelder Straße hat einen der Verkehr für kurze Zeit wieder, doch ein kurzer Radweg erlaubt nach der Kreuzung die Fahrt entgegen der Einbahnstraße, um links die Maybachstraße weiter bis zum Sudermannplatz zu fahren. Hier ist man im Agnesviertel, benannt nach der Sankt Agnes-Kirche, der zweitgrößten Kirche Kölns. Mitten über den Platz gelangt man in die Melchiorstraße und hier zur Alten Feuerwache. Das Kommunikationszentrum beherbergt ein gutes Restaurant, in dem begrünten Innenhof lässt es sich im Sommer sehr schön sitzen (geöffnet 10-1 Uhr, So Frühstücksbuffet).

Um zu der Namensgeberin des Viertels zu gelangen fährt man weiter auf der Melchiorstraße, biegt dann nach rechts in die Weißenburgstraße. Die Neusser Straße muss überquert werden, und man gelangt zu der imposanten neugotischen Hallenkirche. Auf Kopfsteinpflaster fährt man rechts an ihr vorbei und gelangt zum Radweg entlang der Niehler Straße.

Viel Grün

Die Niehler Straße stößt auf die Innere Kanalstraße, Teil des zweiten Straßenrings um Köln. Man biegt rechts auf den Radweg und gelangt an dessen Ende zum Eis- und Schwimmstadion, das es rechts zu umfahren gilt. So gelangt man zu einer Fußgängerbrücke, die für Radfahrer gesperrt ist. Links geht es jedoch weiter, unter der Inneren Kanalstraße hindurch zu einem Radweg entlang der stark befahrenen Amsterdamer Straße – erlaubterweise ein kurzes Stück in die Gegenrichtung auf der linken Straßenseite. Die Amsterdamer Straße überquert man schiebend an einer Ampelüberführung. Auf der anderen Seite geht es geradeaus durch einen kleinen Seiteneingang in die Flora. Dieser im englischen Stil gehaltene Garten lohnt mit seinem großen Gewächshaus aus dem vorletzten Jahrhundert auf jeden Fall einen Besuch, auch wenn das Radfahren verboten ist und keine speziellen Fahrradständer vorhanden sind.

Neben der Flora hat hier am nördlichen Grüngürtel auch der Botanische Garten und der Zoo seinen Platz. Der Zoo wurde 1869 gegründet und beherbergt heute ca. 6000 Tiere sowie ein Aquarium und ein Insektarium (geöffnet im Sommer 9-18 Uhr, Winter ab Oktober 9-17 Uhr).

Nach dem Besuch der Flora fährt man nach Verlassen des Gartens ein kurzes Stück nach links (also wieder auf der linken Seite entgegen der Richtung) entlang der Amsterdamer Straße und kommt zu dem kleinen ruhigen Sträßchen An der Flora. Jetzt trennt einen nur die Riehler Straße und anschließend die Uferstraße (Konrad-Adenauer Ufer) vom Rheinufer-Radweg. Will man jetzt möglichst schnell den Ausgangspunkt, die Hohenzollernbrücke erreichen, fährt man den Rheinufer-Radweg nach rechts und bei nächster Gelegenheit hinunter zur Promenade, auf der man die Tour mit Blick auf das Messegelände am Deutzer Ufer gemütlich ausklingen lassen kann.

Alles so schön bunt

Wer noch ein Stück Köln erleben möchte, bleibt jedoch oben auf dem Radweg entlang der Rheinuferstraße. Auffällig ist bald links die “Bastei”: Bis zu acht Meter überragt das flache ehemalige Restaurantgebäude das alte Untergeschoss des Turmes, der die einstige Hafeneinfahrt des im vorletzten Jahrhunderts zugeschütteten Sicherheithafens bewachte.

Hier verlässt man nochmals den Rhein, überquert (mit Ampel) die Rheinuferstraße, um den Thürmchenswall entlang bis zum Eigelsteintorbogen zu fahren. Das Doppelturmtor gehörte zu den mächtigsten in der mittelalterlichen Stadtmauer – kein Wunder, kam doch der Großteil des aus Norden kommenden Landverkehrs hierdurch in die Stadt. Vom Tor führt eine gerade, enge, sehr bunte Straße in Richtung Innenstadt, der Eigelstein. Hier und auf den benachbarten Straßen spielt sich mit seinen türkischen Imbissen, Restaurants und Geschäften tags und nachts viel ab. Auch ein Blick auf das eine oder andere mehr oder weniger gut erhaltene reizvolle Haus aus der Gründerzeit lohnt sich.

Am Ende des Eigelsteins kann man entweder nach links an der Bahnhofsrückseite vorbei hinunter zum Rheinufer und der Hohenzollernbrücke gelangen, leider auf einer großen, stark befahrenen Straße ohne Radweg. Oder man fährt weiter gera­de­aus unter den Bahnlinien hinweg, um zum Bahnhofsvorplatz und zur Domplatte zu gelangen. Ein geeigneter Ort, die Köln-Tour ausklingen zu lassen, ist beispielsweise das Brauhaus “Früh am Dom”. Man erreicht es über den Roncalliplatz an der Südseite des Doms.

Routen-Infos

Etappen der Route:

Rheinufer/Hohenzollernbrücke – Rheinufer/Altstadt – Chlodwigplatz (Südstadt) – Volksgarten – Kwartier Lateng – Belgisches Viertel – Stadtgarten – Media-Park – Agnes-Viertel – Flora – Rheinufer – Eigelstein – Rheinufer/Hohenzollernbrücke oder Dom

Gesamtstrecke: ca. 15 km
Reine Fahrtzeit, gemütlich: ca. 1,5 Stunden

Fahrradmitnahme im ÖPNV

Köln sowie seine Nachbarregionen sind durch ein dichtes Netz von öffentlichen Nah­verkehrsmitteln erschlossen. Im Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) ist die Fahrrad­mit­nahme in Regional- und Nahverkehrszügen, S-Bahnen, Stadtbahnen und Bussen möglich. Dazu muss ein Fahrschein für Fahrräder gelöst werden (z.Z. 2,80 Euro).

Tipps

Wie in fast allen deutschen Großstädten gilt auch für Köln, dass Rechtsabbieger, geistlose Parker, Lieferwagen, unaufmerksame Fußgänger und andere Gefahren dem Radfahrer drohen. Das größte Radler-Paradies der Stadt ist wohl die weitläufige Grünanlage längs des Militärrings; den größten Horror empfindet der, der sich mit seinem Rad der Nord-Süd-Fahrt anvertraut. Diese Schneide ist für das Auto zur zügigen Durchquerung der Stadt gebaut, Fußgänger und Radfahrer sollten sie meiden. Auch die großen Einfallstraßen in die Stadt, wie die Aachener oder die Luxemburger Straße, sind für Radler nicht geeignet. Diese sollten sich ihren Weg durch kleine Straßen in die Stadt hinein suchen.

Köln-Infos

Internet: www.koeln.de, www.stadt-koeln.de und www.koeln-online.de

KölnTourismus Office, Kardinal-Höffner-Platz 1 (Am Dom), 50667 Köln, Tel. 0221/221-34643-0, E-Mail: info@koelntourismus.de

Stadt Köln, Amt für Straßen- und Verkehrstechnik, Willy-Brandt-Platz 2, 50679 Köln, Tel. 0221/221-27186, Fax 0221/221-27801

Bürgerladen des Presse- und Informationsamtes, Laurentzplatz 4, 50667 Köln, Tel. 0221/221-26484, 221-26487, Fax 0221/221-26486. Hier und im Straßenverkehrsamt kann man die kostenlosen Faltblätter mit Tourenvorschlägen für Radfahrer beziehen.

ADFC Köln, Mauritiussteinweg 11, 50676 Köln, Tel. 0221 323919. Telefax: 0221 326986. E-Mail-Adresse: mail@adfc-koeln.de , www.adfc-koeln.de

Alle Angaben wurden von Hayit Medien und Radtouren.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Text: Cornelia Auschra, Fotos: Cornelia Auschra / Hayit Medien
(c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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