Die magische Zahl 37
Was auch immer Mensch gerade tut – sein Körper versucht seine Idealtemperatur von ca. 37 °C zu erreichen und zu halten. Im Ruhezustand sorgen Organ- und Muskeltätigkeit für die Wärme- bildung; überschüssige Wärme wird zum geringeren Teil durch die Atmung, zum Großteil über die Haut (im Zustand der Ruhe als trockene Wärme) abgegeben. Reichen diese Mechanismen zur Temperaturregulierung nicht mehr aus, beispielsweise weil bei körperlicher Anstrengung wesentlich mehr Wärme produziert wird, muss zusätzlich Verdunstungskühle auf der Haut erzeugt werden: der Mensch schwitzt. Das heißt, die Haut sondert Wasser ab, das als Wasserdampf an die Umgebung abgegeben wird. Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit bestimmen die Aktivitäten des Körpers zur Wärmeregulierung. Je niedriger die Umgebungstemperatur ist, desto größer ist der Verlust trockener Wärme durch die Haut. Hierbei spielt auch der Wind eine große Rolle: Wir empfinden bewegte Luft als kälter als ruhende Luft (der sog. Windchill-Effekt), d.h. dass die Haut mehr Wärme abgibt, je größer die Windgeschwindigkeit der umgebenden Luft ist. Je trockener die umgebende Luft ist, desto effektiver arbeitet die Temperaturregulierung durch Schwitzen, da die trockene Luft aufnahmefähiger ist als feuchte Umgebungsluft. Je höher die Luftfeuchtigkeit ist, desto mehr schwitzt der Mensch also.
Funktionswäsche
Diese Ausführungen zeigen, dass zum Beispiel bei sportlicher Aktivität der menschliche Körper ganz schön gefordert wird. Beim Rad fahren spielen Umgebungsbedingungen wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wind eine große Rolle. Es ist einleuchtend, dass an die Bekleidung dementsprechend eine hohe Forderung gestellt wird. Sie sollte die körpereigene Wärmeisolationsfähigkeit genauso wenig wie seine Fähigkeit zur Wärmeabgabe behindern. Sie muss isolierend wirken, Feuchtigkeit von innen nach außen transportieren können, Luftaustausch ermöglichen und zu guter Letzt noch von außen einwirkende Feuchtigkeit (Regen) möglichst vollständig vom Körper abhalten. Traditionelle Stoffe wie Wolle, Seide oder Baumwolle sind hiermit rasch überfordert. Daher kommen heute diverse moderne (synthetische) Fasern ins Spiel, um Sportwäsche funktionaler arbeiten zu lassen (s. Kasten).
„Eierlegende Wollmilchsau?“
Die Anforderungen an funktionelle Sportlerkleidung sind im einzelnen:
• Wärmeisolation: Die wärmeisolierende Wirkung der Kleidung hält die Abgabe trockener Wärme durch die Haut möglichst gering.
• Wasserdampfdurchlässigkeit: Die Kleidung muss imstande sein, die auf der Haut entstehende Feuchtigkeit (Wasserdampf) nach außen durchzulassen. Eine gut isolierende Kleidung setzt dem Wasserdampf einen höheren Widerstand entgegen, weist also einen höheren sog. Wasserdampfdurchgangswiderstand auf.
• Luftaustausch: Körperbewegung beeinflusst sowohl Wärmeisolation als auch Wasserdampfdurchlässigkeit der Kleidung. Die durch Körperbewegung in Bewegung versetzte Luft unter, in und um die Kleidung verringert die Isolationsfähigkeit und erhöht den Transport von Wasserdampf. Geschickt angelegte Ventilationsöffnungen in den Kleidungsstücken – z. B. unter den Achseln – erhöhen also den Tragekomfort, wenn von der Sportbekleidung eher Wasserdampfdurchlässigkeit als Wärme-isolation gefragt ist.