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Radreise: Auf den Spuren der Tour de France

Weinprobe bei Picknick in der Weinkooperative Château Pesquié

Rotwein, Käse, Baguette – es braucht nicht viel für ein entspanntes Picknick. Im Süden Frankreichs, in der Provence, gilt dieses Credo ganz besonders. Gerade dort kommen nämlich noch ein paar Zutaten hinzu, die gepflegten Müßiggang auf das Allerfeinste gewährleisten. „Das Angebot ist relativ neu,“ erklärt Francoise Radellet von der Weinkooperative Château Pesquié ihren Gäste, die sich an einer langen Tafel im Schatten 300-jähriger mächtiger Platanen niedergelassen haben. „Die Probe und Verköstigung unterschiedlicher Weine unseres Portfolios im authentischen Rahmen genießt aber schon jetzt eine hohe Popularität.“

In der Weinkooperative Château Pesquié in der Provence kann man im Schatten Jahrhunderte alter mächtiger Bäume Weine verköstigen (Foto: Udo Haafke)
Weinkooperative Château Pesquié

Kein Wunder, denn romantischer und französisch-authentischer könnte diese Location kaum sein: Der Park des Schlosses von Pesquié mit seiner typischen ockergelben Fassade ist eine Symphonie der Farben, die man schlicht nur staunend bewundern kann. Beinahe lenkt das Umfeld zu sehr ab vom eigentlichen Sinn des Zusammentreffens. Der charmanten Französin gelingt es jedoch problemlos die Aufmerksamkeit wieder auf sich und die Weine zu lenken. Weißweine, Rosé und Rotweine machen in Probiermengen die Runde, was den Geschmack nicht trifft, landet in einem großen, silbernen Krug, die Gläser werden kurz ausgespült und schon folgt der nächste Rebensaft. Dazwischen bietet die Tafel eine erstaunliche Fülle unterschiedlicher Produkte, die alle regionaler Erzeugung entstammen. Brot, Wurst, milde und scharfe Salami und natürlich eine Vielzahl an fantastischen Käsesorten. Dazu Dips mit Trüffeln, Oliven, Kapern und Kräutern, frische Erdbeeren, Kirschen und allerlei Obst. Zum paradiesischen Gefühl fehlt lediglich die Schlange.

Die schmackhaften Weine und die kulinarische Tafel verlieren beim Anblick der Umgebung fast an Bedeutung (Foto: Udo Haafke)
Wein aus der Weinkooperative Château Pesquié

Mit dem Fahrrad zum Mekka der Radsportwelt

Schließlich geht es aber für die derart verwöhnten Genießer wieder auf ihr geduldig wartendes Fortbewegungsmittel, ihr Velo, das Fahrrad. Auf dem Rundweg nicht im Schatten, aber zumindest in Sichtweite des mächtigen Mont Ventoux durchqueren die eifrigen Biker ein Landschaftsgemälde aus verträumten Dörfern, weitläufigen Weinbergen, fruchtbaren Obstplantagen und wild blühenden Mohnfeldern, deren kräftiges Rot weithin lockt und leuchtet. Teilnehmer, Zuschauer, Funktionäre und Sportler des legendären Radrennens Tour de France, das schon mehr als 100 Jahre ausgetragen wird, dürften für diese epischen Ansichten verständlicherweise kein Auge haben. Sie streben nach Höherem. Hinauf auf den knappen Zweitausender, um einen der vorderen Plätze bei der Königsetappe zu erringen.

Das Fahrrad ist in der Provence ein beliebtes Fortbewegungsmittel (Foto: Udo Haafke)
Fahrrad in der Provence

Das Dörfchen Bédoin, hier startet der oft entscheidende Abschnitt des anspruchsvollsten Radrennens der Welt, stellt auch dann, wenn die Tour gerade nicht hier Station macht, das Mekka der Radsportler dar. In den Cafés überwiegen die Träger hautenger, atmungsaktiver und leuchtend bunter Trikots mit großen Reklametexten, schnittiger Sonnenbrillen und wenigstens ansatzweise modischer, notwendiger Kunststoffhelme. Überall stehen Sporträder herum.

Am Fahrradverleih von La Route de Ventoux herrscht entsprechend hektische Betriebsamkeit, fast wie in einem Ameisenhaufen. „Es ist ein stetes Kommen und Gehen. Wir haben so ziemlich alle Nationalitäten hier vertreten,“ berichtet Lise Collin von Velotourisme. „Die Herren und auch viele Damen haben alle das gemeinsame, ambitionierte Ziel den Berg zu erklimmen.“ Je nach persönlichem Fitnessstand dauert der 15 km lange, kurvenreiche Aufstieg mit dem Rad dann knapp zwei Stunden. „Wer die Herausforderung annimmt, der bereitet sich ein unvergessliches Erfolgserlebnis. Und runter geht es natürlich etwas schneller.“ Ein paar E-Bikes hat gibt es auch im Verleih, doch gilt es als verpönt, diese für den Weg nach oben einzusetzen.

Auch wenn die Tour de France nicht gerade stattfindet, ist das Dorf Bédoin das Mekka der Radsportler (Foto: Udo Haafke)
Bédoin in der Provence

Und doch könnte die E-Tour de France auf dem Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor wohl schon bald ins Haus stehen. Die Unterstützung beim Strampeln hat tatsächlich ihre Vorteile. Speziell auf den zahlreichen Bergstrecken mit Serpentinen, engen Kurven und Windungen erweist sich der zusätzliche Antrieb als hilfreich. Beinahe mühelos fliegt man nun bergauf, vorausgesetzt es passiert kein Schaltfehler, denn dann wird es umso schwerer und Absteigen und Schieben sind angesagt. Und bergab, ja das ist fein – da gerät man fast in einen Geschwindigkeitsrausch. Verstärkt bieten die zahlreichen Fahrradvermietungen in der Region Rhone-Alpes mietbare E-Bikes an und haben darüber hinaus ein Versorgungsnetz aufgebaut, denn so ein Akku hält natürlich nicht ewig. Mit entsprechender Karte ausgerüstet ist es somit keine Hexerei mehr eine Tauschstation für schlappe Batterien auf der eigenen Route zu finden.

Die Anziehungskraft der sonderbar geformten Welt der Ockerfelsformationen von Roussillon ist für Besucher ungebrochen (Foto: Udo Haafke)
Ockerfelsformationen von Roussillon

Zu den Ockerfelsformationen von Roussillon

Das Licht der Abendsonne mystifiziert die bizarren, orangeroten Ockerfelsformationen von Roussillon in einem fast übernatürlichen Glanz, faszinierend ein Spaziergang oder besser das Lustwandeln durch die bizarr geformte Felsenwelt, deren Farbigkeit sich wie selbstverständlich in den Häusern des Dorfes widerspiegelt. Die wirtschaftliche Bedeutung des Ockerabbaus im Vaucluse ist längst Geschichte, die Attraktivität der Farbwelt jedoch ungebrochen. In Gargas dient ein aufgelassener Ockerbruch, die Mines de Bruoux, als beeindruckende Kulisse für Freilichtaufführungen und -konzerte. Die nur im Rahmen einer Führung begehbaren Gänge hinter der Bühne finden Verwendung als monumentale Galerien. Dort, in der finsteren Kühle fast kathedralenartiger, hoher Räume und einem unendlich erscheinenden Labyrinth aus Korridoren, schürften früher Menschen das wertvolle weiche Gestein, das als Grundlage und Bindemittel für die Herstellung von Farben Verwendung fand.

Einst ein Ockerbruch dienen die Mines de Bruoux heute als Austragungsort für Konzerte und Aufführungen (Foto: Udo Haafke)
Mines de Bruoux in Gargas

Radroute „Le Luberon à Vélo” in Ménerbes

Ménerbes klebt geschmeidig und in sich liebevoll chaotisch verschachtelt auf den verzweigten, zackigen Felsrücken des Luberon-Massivs. Das Dorf gehört zu den Schönsten einer ländlichen Phalanx, welche die Franzosen mit dem Prädikat “Plus Beaux Villages de France“ auszeichneten und die entlang der ausgeschilderten Fahrradroute “Le Luberon à Vélo“ hautnah erlebt werden kann. Weißlich-graues Feldgestein dominiert die Fassaden der kleinen Häuser entlang der schmalen Gassen, die vor einem alten Herrenhaus aus dem 17. Jahrhundert enden.

Ménerbes zählt zu den schönsten Dörfern der Provence und liegt an der Route „Le Luberon à Vélo” (Foto: Udo Haafke)
Ménerbes

Die Maison de la Truffle et du Vin ist ein kulinarisches Kleinod, wie der Name deutlich belegt. In der heimeligen Atmosphäre der lichtdurchfluteten Katakomben des Hauses können die verschiedenen Weine der Region verkostet und nach persönlichem Gusto auch käuflich erworben werden. Der unzweifelhafte Höhepunkt naht jedoch, wenn Pierre Matres sich mit seinem Messer den unscheinbaren, schwarzbraunen Knollen der Spezies “tuber melanosporum“ nähert. Besser bekannt unter dem Namen Schwarzer Trüffel des Perigord.

Die regionale Sorte im Luberon heißt Sommertrüffel (tuber aestivum), ist unter der dunklen Oberfläche blass-beige und im Geschmack weniger intensiv als der berühmte Verwandte. In feine Scheiben geschnitten entfaltet er ein delikates, mildes und nussiges Aroma, welches Lust auf mehr Genuss macht. Schließlich steht ja noch eine weitere Fahrt mit dem Fahrrad an, was dann wieder der Linie zur gewohnten Haltung verhilft.

Übernachtungsmöglichkeit bietet das "Le Mas des Gres", ein ehemaliger Bauernhof (Foto: Udo Haafke)
Le Mas des Gres

Information:

Atout France - Französische Zentrale für Tourismus in Deutschland
http://www.provence­tourismus.de

Region Vaucluse en Provence

Anreise:
Air France fliegt von vielen deutschen Flughäfen, teilweise direkt, sonst mit Umstieg in Paris, in den Süden Frankreichs, zu den Flughäfen von Nizza, Marseille oder Lyon. Preise ab EUR 99.

Unterkunft:
Das Château Mazan liegt idyllisch am Ortsrand des typisch provenzalischen Dorfes Mazan. In dem eleganten Schlösschen aus dem 18. Jahrhundert residierte einst der Marquis de Sade. Es verfügt über 30 Zimmer, Preis inkl. Frühstück ab EUR 133.

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Etwas einfacher, dafür nahe der großartigen Ockerfelsen, La Petite Auberge de Roussillon. Das Gästehaus hat 17 Zimmer unterschiedlicher Kategorien und befindet sich in einer weitläufigen Parkanlage mit Swimmingpool, Preis inkl. Frühstück ab EUR 82.

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Das Le Mas des Gres, ein früherer Bauernhof, in Lagnes ist ein sehr familiär geführtes Haus, das sehr viel Wert auf seine Regionalität legt. Die 14 stilvollen Zimmer verströmen sehr viel Gemütlichkeit, Preis ab EUR 115.

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Essen und Trinken:
Im Restaurant L´Ingenue des Château Mazan wird regionale Küche auf hohem Niveau serviert. Der Küchenchef Franck Pujol stammt ursprünglich aus der Bretagne und hat sein Faible für Fisch und Meeresfrüchte mit in die Provence gebracht. Auf Leberpastete mit Ravioli als Vorspeise folgen frittierte Jakobsmuscheln mit Broccoli Püree und rohem Serrano Schinken, zum Dessert dann Apfelküchlein aromatisiert mit Sellerie und Limonenpfeffer, Preis ab EUR 60. Im Schatten alter Bäume bieten Terrasse und Garten des Hotels Le Mas des Gres eine zauberhafte Atmosphäre nicht nur zum üppigen Frühstück sondern speziell auch zum abendlichen Dinner. Die Küche von Nina und Thierry Crovara präsentiert sich mediterran bis rustikal mit einer reichhaltigen Menüauswahl, die vom Spargelsüppchen über frittierte Zucchiniblüten, Seebarschfilet und Knoblauchkaninchen bis zu Pfirsichen in Mandelmilch reichen, Preis ab EUR 49. Im Weingut Château Pesquie bei Mormoiron können die Weinkeller besichtigt werden, gibt es Weinproben und lauschiges Picknick unter Platanen. Wein statt Whisky produzieren die beiden Schotten Joanna und James King seit 2003 auf dem Château Unang bei Malemort-du-Comtat. Ihr Credo gilt vornehmlich der ökologischen Reinheit ihrer Produkte, die vor Ort verkostet werden können. Trüffelspezialitäten und Weindegustationen bietet das Maison de la Truffe et du Vin in Ménerbes.

Aktivitäten und Sehenswert:
Fahrräder können an vielen verschiedenen Standorten gemietet werden. In Bédoin stellt La Route de Ventoux Fahrräder für alle Gelegenheiten zur Verfügung, in Roussillon bietet Bicycle Rental OKHRA Zweiräder an und auf die trendigen E-Bikes hat sich Sun-E-Bike in Bonnieux und St. Remy-de-Provence spezialisiert, eine speziell aufgelegte Karte verweist auf Ladestationen bzw. Akku-Tauschstationen hin. Mietpreise für Fahrräder pro Tag je nach Art und Ausstattung ab EUR 12, E-Bikes ab EUR 36.

Die eindrucksvollen Ockerminen von Gargas können täglich, allerdings nur im Rahmen einer Führung besucht werden, eine Führung dauert üblicherweise eine knappe Stunde. Fotos dürfen im Innern des Ockerbruchs nicht gemacht werden. Preis pro Person EUR 8,10, Gruppe ab 15 Personen EUR 6,50 pro Person.

Text und Fotos: Udo Haafke

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Hayit Medien-Redaktion sowie von radtouren.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion
Diese Reisereportage wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusamt der Region Vaucluse-en-Provence, der Air France und SNCF.

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