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Neue Materialien für Fahrradreifen

Der ideale Fahrradreifen verfügt über hervorragende Haftung (Grip) bei Nässe und Trockenheit auf Asphalt genauso wie auf Schotter und Wurzeltrails, hat keinen nennenswerten Rollwiderstand, ist pannensicher und wiegt fast nichts.
Das sind Eigenschaften, die bislang nicht auf eine Felge zu bringen waren.


Pannensicherheit war nur möglich durch Verstärkung der Laufflächen des Reifens. Für grobes Geläuf und den Bikepark musste er mit Stahlkarkassen ausgerüstet und/oder mit Pannenmilch gefüllt werden. Wirkungsvolle, aber schwerwiegende Maßnahmen, die das Gewicht der rotierenden Massen jenseits des Felgenbandes schnell über die 1,3 Kilo-Marke treiben konnten. Gute Bodenhaftung musste indes mit größerem Rollwiderstand erkauft werden.


Doch die Zeit der Kompromisse ist vorbei. In Zusammenarbeit mit der Firma Warwick Mills (New Hampshire, USA) geht der Reifenhersteller Schwalbe neue Wege. Das Unternehmen mit Firmensitz im Bergischen Land hat einen Reifen entwickelt, der mit 195 Gramm die „magischen“ 200 Gramm unterschreitet und trotzdem über einen hervorragenden Pannenschutz verfügt.
Durch Verwendung eines Vectrangewebes besonders hoher Dichte (HD-LCP-Vectran = High density liquid crystal polymer Vectran) in den Reifenflanken wird ein bisher unerreichter Durchstichschutz ermöglicht.


Vectran ist ein Polyester, genauer gesagt ein aromatisches Polyestercopolymer, dessen Bausteine nominell p-Hydroxybenzoesäure und 6-Hydroxy-2-naphthoesäure sind. Es wird durch Polykondensation hergestellt. Bei diesem Verfahren verbinden sich die einzelnen Bausteine, auch Monomere genannt, unter Abspaltung kleiner Moleküle wie zum Beispiel Wasser (H2O) oder Salzsäure (HCl) miteinander zu  kettenförmigen Molekülen. Es entstehen so genannte Makromoleküle mit tausenden von Kettengliedern.


Vectran wurde schon im letzten Jahrtausend unserer Zeitrechnung verwendet und hat unter anderem den Pathfinder auf dessen Marsmission in Form von Airbags beschirmt. Das Material ist chemisch beinahe inert (besonders reaktionsträge). Es lässt sich noch nicht einmal von konzentrierter Salzsäure beeindrucken. Auch von Laugen nicht, sofern deren Konzentration kleiner als 30 Prozent ist. Organische Lösemittel können es nicht angreifen. Nur energiereiches ultraviolettes Licht lässt Vectran allmählich altern. Das macht aber nichts, denn Reifengummi ist mindestens genauso „anfällig“ gegenüber UV-Strahlung.


Die besonderen Eigenschaften des eigens für Schwalbe in einem patentierten Verfahren entwickelten Gewebes erklären sich aus dessen Struktur. Es ist nicht nur das engmaschigste Material seiner Art, sondern auch so gewebt, dass der Winkel zwischen Kett- und Schussfaden in Reifenlaufrichtung kleiner als 90 Grad ist (und parallel zur Speichenrichtung natürlich größer). Dadurch stabilisiert es sich quasi selbst während der Fahrt.


Zur Veranschaulichung der faszinierenden physikalischen Eigenschaften diene ein Vergleich. Vectran weist eine fünfmal größere Zugfestigkeit als Stahl auf, ist dafür mehr als fünfmal so leicht. Es ist doppelt so reißfest wie Titan. Seine Schnittfestigkeit übertrifft die von Kevlar, einem aromatischen Polyamid, das beispielsweise für schusssichere Westen verwendet wird, um das Dreifache. Sein Wasseraufnahmevermögen ist mit weniger als 0,1 Prozent sehr gering. Kevlar nimmt dagegen bis zu 3,7 Prozent seines Eigengewichts an Wasser auf.


All diese Eigenschaften machen das Spezialgewebe zu einem idealen Pannenschutz, der gleichzeitig höchst stabil und extrem leicht ist. Und damit ist man dem idealen Fahrradreifen ein gutes Stück näher gekommen.

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Text: Carola H. Haug (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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