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1 Zelt, 3 Mann und 7 Räder

 

Tipps für den Fahrrad-Urlaub mit Kleinkind

Als kleine Familie mit Fahrrädern und Zelt unterwegs, ist man immer eine Attraktion. Und damit eine solche Tour auch zum Vergnügen wird, gibt es hier ein paar wichtige Tipps und Informationen

„Mama, Dampflok!“ „Ja, tatsächlich, in deinem Bilderbuch ist eine Dampflok, fein“ – 4 % Steigung, Sonne, wenig Schatten. „Mama, Dampflok!!“ „Ja, eine Dampflok, ich seh’s“ – 6 % Steigung, immerhin Schatten. „Mama! Dampflok!!“ „Ja-a!„ – 9 % Steigung, Ende nicht in Sicht. „Mama!!! Dampflok!!!“ „Mhm ...“ – Ende in Sicht, die Eltern steigen vom Rad, das Kind springt aus dem Kinder-Anhänger heraus und saust ab ins Gelände.

>Bei einer Radtour mit Kleinkind ändert sich nicht nur die Kommunikation. Wer es gewohnt war, alleine oder im eingespielten Team den Radurlaub zu verbringen, wird feststellen, dass mit dem Nachwuchs fast alles anders wird. Nicht weniger schön, aber anders als ohne Kind. Und vor allem etwas weniger erholsam, das war zumindest unsere Feststellung. Doch noch nicht einmal das muss der Fall sein, wenn man bei der Planung, Ausrüstung und Durchführung ein paar Regeln beherzigt.

Die folgenden Tipps basieren auf unseren Erfahrungen, die wir während einer 14-tägigen Rad-Campingtour in Deutschland mit einem zweieinhalbjährigen, sehr aktiven Jungen sammeln konnten. Sie sind sicherlich nicht alle auf jede Familie und jede Situation übertragbar, bieten aber viele wertvolle Hilfestellungen.

Die Packesel – Räder und Anhänger

Auf jeder größeren Fahrradtour gehört der Nachwuchs am besten in einen Kinder-Anhänger. Hier haben die Kinder Bewegungsfreiheit, können ggf. zu zweit darin sitzen, schlafen, das Spielzeug griffbereit haben und sind vor Wind und Wetter geschützt. Unser Sohn hatte seinen Anhänger bereits mit vier Monaten eingeweiht und lässt sich sehr gerne darin herumfahren. Die Wahl fiel auf den „Chariot Chauffeur“, der unserer Meinung nach folgende Vorteile kombiniert: gute Laufeigenschaften der einzeln aufgehängten Laufräder, relativ geringes Gewicht, Stauraum hinter dem Sitz, verschiedene Verdecke (Fliegennetz, Sonnenschutz, Regenschutz), gute Verarbeitung, geringes Packmaß, schneller Aufbau.

TIPP: Anhänger auch bei schönstem Wetter unbedingt schließen (Fliegennetz). Das hält Insekten fern und schützt vor hochspritzenden Steinchen.

Schon auf den Zweier-Touren waren unsere Fahrräder jeweils mit vier Packtaschen plus Gepäcksack beladen. Daher schafften wir uns für die Tour zu dritt einen Gepäckanhänger an, um den Fahrer des Rads mit Kinder-Anhänger zu entlasten und das zusätzliche Gepäck transportieren zu können. Unsere Wahl fiel auf den einrädrigen „BOB Yak“, den man zwar nicht zu schwer beladen kann (max. 30 kg), der dafür aber über hervorragende Laufeigenschaften und ein geringes Eigengewicht (ca. 5,6 kg) verfügt. Er ist mit einer großen wasserdichten Tasche ausgestattet sowie mit Spanngurten, um zusätzliche Gegenstände zu befestigen.

Beide Anhänger sollte man aus Sicherheitsgründen mit einem Wimpel ausstatten. Insbesondere in der Stadt wird man so von Autofahrern besser wahrgenommen. Zusätzlich kann man das Kind im Anhänger einen Helm tragen lassen.

TIPP: Das Fahren mit Anhänger am besten schon auf Tagesausflügen ausprobieren. Weniger wichtig für die Eltern als vielmehr fürs Kind, das den Anhänger schon vor der großen Tour gut kennen und lieben gelernt haben sollte.

Der Windelexpress – Ausrüstung und Beladung

Spätestens, wenn die Kleidungsstücke für jedes Familienmitglied in schönen Häufchen vor den Urlaubern liegt wird klar, dass so ein Kleinkind mindestens soviel Stauraum wie ein Erwachsener braucht.

An jedem Fahrrad hatten wir vier Packtaschen und quer liegend eine bzw. zwei Isomatten befestigt. Das Zelt kam in den Gepäckanhänger zusammen mit einer großen Tasche, in der das ganze Kindergepäck verstaut war. Es wäre eine Überlegung wert, in den Gepäckanhänger alle schweren Gegenstände wie Kocher und Geschirr, Werkzeug für unterwegs etc. zu verstauen. Wir fanden es jedoch schlicht praktischer, in nur einer Tasche nach den Windeln, Ersatzklamotten, Gummistiefeln, Buddelhose und Bilderbuch kramen zu müssen, statt auf eine ideale Gewichtsverteilung zu achten. Diese Gepäckaufteilung hat außerdem den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass es in den Fahrradtaschen so wie von früheren Reisen gewohnt aussah.

TIPP: In den Kinderanhänger griffbereit fürs Kind die gerade angesagten Spielsachen für unterwegs packen (Autos, Bilderbuch, Stofftier, Tasche mit spannendem Kleinkram). Außer Reichweite den Tagesproviant und ein paar Windeln. Das reicht an zusätzlichem Gewicht.

Gummistiefel und wasserdichte Anziehsachen sollte man auf jeden Fall dabei haben. Selbst wenn es nicht regnet, ist das Gras morgens feucht vom Tau und Dramen sind vorprogrammiert, falls die Füße in den Sandalen nass werden. Apropos Regen: wasserdichte Packtaschen und ein wasserdichter Anhänger erleichtern das Leben unterwegs sehr.

Trautes Heim – Zelt und Campingausrüstung

Wir hatten uns bereits vor einigen Jahren für ein Tunnelzelt entschieden. Zum einen ist das Innenzelt geräumig. Außerdem erhält man hier einen großen Vorraum, in dem man die Taschen griffbereit und vor Regen geschützt lagern und bei Bedarf auch kochen kann. Wer viel in regnerischen Regionen unterwegs ist, wird diese Vorteile zu schätzen wissen. Das Zwei-Mann-Zelt erwies sich aber schon auf Kurzausflügen mit Kind als zu klein. Wir hatten aus unseren Erfahrungen mit dem ersten Zelt gelernt (im Laufe der Zeit trotz Unterboden undichter Zeltboden, gebrochene Stangen, schlechter Stand bei starkem Wind) und wollten bei der Qualität keine Kompromisse mehr eingehen. Daher wählten wir ein Drei-Mann-Tunnelzelt des Erfinders dieses Zelttyps, der schwedischen Firma Hilleberg, das uns wie erwartet unliebsame Überraschungen ersparte.

Als Kocher diente uns der „Trangia-Spirituskocher“. Diese hat einen festen Stand und ist leicht zu bedienen. Zum Glück war er für unseren Sohn auch völlig uninteressant, so dass es hier keine Probleme gab.

In kälteren Nächten zogen wir unserem Sohn Kapuzenjäckchen über, ansonsten schlief er im von zu Hause gewohnten Schlafsack. Wir hatten für alle Fälle einen gefütterten und einen leichten Sommerschlafsack dabei, auf die Mitnahme von Decken oder Lammfell hatten wir verzichtet.

TIPP: Wer noch ein bisschen Platz für sich selbst auf der Isomatte haben will, sollte für den Nachwuchs den selben Platz wie für einen Erwachsenen einkalkulieren: Also ein Drei-Mann-Zelt und drei Isomatten mitnehmen.

Bergauf, bergab – Streckenplanung

Unsere Tour führte von Köln durch Eifel, Hunsrück und Pfälzer Wald nach Heidelberg. Dabei wurden einige ausgeschilderte Radwege benutzt (Rhein-Radweg, Aare-Radweg, Nahe-Radweg) sowie möglichst ruhige Nebenstrecken. Mit Anhänger gut zu fahren sind Radwege mit wenig Kontakt zu den Autostraßen. Sehr zu empfehlen sind die Radwege im Pfälzer Wald. Fast genauso gut fährt es sich unserer Meinung nach auf den ruhigen kleinen Straßen, wie man sie in den nicht so stark zersiedelten Gebieten wie Eifel und Hunsrück findet. Leider lauern immer noch hier und da kleine Fallen, wenn Poller oder Geländer die Fahrradfahrer vor gefährlichen Übergängen abbremsen sollen – und Radfahrer mit Anhänger herunter vom Rad und zu millimetergenauem Rangieren zwingen.

Etappenlängen mit etwa 3-4 Stunden reiner Fahrzeit pro Tag erwiesen sich als sinnvoll. Unser Sohn hielt es bis zu 1,5 Stunden am Stück im Anhänger aus. Und wenn die darauf folgenden Spielpausen lang genug waren (mindestens eine halbe Stunde), stieg er auch gerne wieder in den Anhänger ein.

TIPP: Ideale Pausenorte sind neben Spielplätzen große Wiesen, ein Café mit Eisbecher, Picknickplatz am Bach, Pferdekoppel. Möglichst aufregend sollte es sein, damit das Kind sich austoben kann.

Und nächstes Jahr? – Ein Fazit

So sehr wir das Mittelgebirge lieben – eine für die Radler weniger anstrengende Streckenführung hätte uns etwas mehr Erholung verschafft. Trotz häufiger Spielplatz- und Austob-Pausen blühte Sohnemann regelmäßig abends auf dem Campingplatz auf und forderte einen Sparring-Partner. Bei den Eltern dagegen war einfach der Akku leer. Oftmals reichten dann die Luft und Lust nicht mehr aus, nach Zeltaufbau, Duschaktionen, Gelände erkunden und Spielplatz in Besitz nehmen auf dem Kocher noch etwas zu zaubern. Also wurde die nächstgelegene Gaststätte aufgesucht – was diesem Urlaub das Zertifikat „teuerster Fahrrad-Camping-Urlaub aller Zeiten“ einbrachte.

TIPP: Unsere Faustregel lautet: 80 km Tagesetappe im Flachland, 60 km bei geringen Steigungen, 40-50 km im Mittelgebirge. Für Touren im Hochgebirge sollte man sich einen Pass pro Tag vornehmen.

TIPP: Wenn der Campingplatz über einen Spielplatz verfügt, lassen Sie sich am besten direkt daneben nieder!

Eine denkbare Alternative wäre es daher, eine solche Tour mit mehreren Familien und Kindern durchzuführen. Das verschafft den Eltern mehr Gelegenheit zur Erholung und bietet den Kindern abwechslungsreichere Spielgefährten. Doch auch ohne diese würden wir eine Radtour mit Kleinkind jederzeit wieder unternehmen, schließlich kehren alle mit vielen neuen Eindrücken und um manche spannende Erlebnisse reicher nach Hause zurück.

Cornelia Auschra

Infos und Adressen

Erfahrungsbericht Hilleberg Zelt in Patagonien

Eine Fahrradreise mit der Familie: 2 Erwachsene und 2 kleine Kinder. Jens Blume war mit der Familie mehrere Monate am südlichen Zipfel von Südamerika (Patagonien) unterwegs und berichtet über seine Erfahrungen mit dem Hilleberg Keron 4 Zelt im Langzeit-Test.
Weitere Infos hier: Bergzeit Magazin.

Kommentare

Sanchez, 15-03-13 23:01:
Der Text entspricht unseren Erfahrungen in Bezug auf die Fahrtzeit und Pausen. Ansonsten kann man mit einem 2,5-Jährigen auch problemlos viel weitere und haertere Touren fahren (monatelang, Hochgebirge, Tropen, ausserhalb Europa, wildcampen) - den Kids ist es schnuppe, die einzige Grenze sind Kondition und Stressresistenz der Eltern.
Maren, 11-09-11 21:10:
Hört sich gut an!

Strecken gesucht für Kind von 3,5 Jahren

Hat jemand Erfahrung mit Kind auf FunTrailer (evtl. sogar einen gebrauchten zu verkaufen)?


Ich bin früher auch längere Touren gefahren. Nächsten Sommer wollen wir das erste Mail ein verlängertes Wochenende (max. 1 Woche) zu dritt eine Fahrt machen und suchen noch eine geeignete Wegstrecke. Wir nutzen einen Anhänger mit mäßiger Federung (Winther dolphin, 79 cm breit)

Idealerweise ist der Ausgangspunkt ab Frankfurt/M mit dem Zug, Schiff o.ä. erreichbar.

Wer hat eine Empfehlung?

Ist jemand in den letzten Jahren mal den Weg entlang des Rheins Richtung Norden (z. B. St. Goarshausen) gefahren? Eignet sich das mit Anhänger und gibt es genügend interessante Punkte für's Kind?

Vielen Dank und Grüße

Maren
Florian, 28-12-08 22:38:
Sehr toller artikel!
kann ich nur zustimmen, auch wenn ich meine ersten mehrtaegigen radtouren selbst geradelt habe....angefangen mit 15 km im selben jahr wie ich das radfahren gelernt habe, bis jetzt mit 17jahren 2 woechige radour quer durch deutschland mit mehr als 1200 km alleine! Ich liebe diese art von urlaub.

Weiter so!!!
immer rueckenwind und kette rechts!

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