8. Etappe: Navia - Mondoñedo, ca. 73km
Hauptstationen: Navia - Tapia de Casariego - Ribadeo - Villanova de Lourenzá - Mondoñedo
Bergig und karg
Im Preis der Hotelübernachtung ist übrigens ein reichhaltiges und vielseitiges Frühstücksbuffet enthalten, das man sich nicht entgehen lassen sollte, um gestärkt für die Tagesstationen der 8. Etappe zu sein. Diese hat es nämlich streckenweise in sich. Von Navia folgt man bis Tapia de Casariego (Tageskilometer 20) der N-634. Dieser ist einer der wenigen Abschnitte auf der Tour, auf dem die Nationalstraße recht befahren ist. Somit ist dieses Teilstück unschön zu fahren, zumal es ständig an kleinen Industriegebieten vorbei geht. Aber zumindest sind diese Kilometer flach und man kommt schnell voran. In Tapia folgt man am besten dem im Pilgerführer empfohlenen Küstenweg in Richtung Villamil und kann dort noch mal letzte Blicke auf die Steilküste werfen. Denn kurz vor Ribadeo, der ersten Stadt in Galicien, biegt der Camino ins Landesinnere ab und aus dem Camino de la Costa wird der Camino del Norte. Von nun an geht es auf den verbleibenden 200 Kilometern bis Santiago de Compostela nur noch in südwestlicher Richtung.
Urige Küste für gut Trainierte
Den Übergang zwischen Asturien und Galicien erkennt man sehr gut an den plötzlich schlechter werdenden Straßen und den verwaisten Siedlungen am Wegesrand. Schnell wird deutlich, dass hier eine der ärmsten Regionen Galiciens beginnt, in der nicht mehr viel von der einst florierenden Eukalyptus-Industrie zu sehen ist. In keinem anderen Abschnitt auf dem Camino kommt man an so vielen Häuser- und Industrieruinen vorbei, wie in der Provinz Lugo in Nordgalicien. Auf der anderen Seite findet man hier aber auch eine beinahe unberührte Naturlandschaft, die bis kurz vor Santiago durch weitläufige Waldstücke und abgelegene Dörfer führt. Besonders schön sind die kleinen Örtchen mit ihren unbefestigten Dorfstraßen, den urigen Steinhäusern und halbverfallenen Gehöften, die einen für kurze Augenblicke in eine vergangene Zeit zurückkatapultieren.
Der nächste Etappenabschnitt führt nach Villanova de Lourenzá (Tageskilometer 63) und hält den anspruchsvollsten Teil des Tages bereit. Man radelt nicht nur mitten durchs Nirgendwo, sondern auch von Meereshöhe auf 435 Höhenmeter. Ganze 15 km lang bergauf bis zur Anhöhe „alto da Cadeira”, auf der der Anblick einer wild-romantischen Kapellen-Ruine verwundert. Nach der folgenden kurvigen und sehr steilen Abfahrt nach Gondán folgt ein zweiter Berg dieser Kategorie durch das vorgebirgsähnliche Waldgebiet. Danach hat man sich eine Pause in Villanova de Lourenzá verdient. Mehr als eine kleine Bar findet man dort allerdings nicht. Nun sind es aber auch nur noch 10 km bis Mondoñedo, auf denen allerdings nochmal 300 Höhenmeter bewältigt werden müssen.
Mondoñedo bietet einen etwas skurrilen Anblick, wenn man vorher 40 km lang durch absolute Einöde gefahren ist und sich dann auf einer Anhöhe eine durch ihre Granitfassaden gräulich-unscheinbare Stadt auftürmt, die einem ein wenig so vorkommt, als würde man sie durch einen Schleier betrachten. Die einzigen Lichtblicke sind die riesige gotische Kathedrale im Mittelpunkt der Stadt und die sich drum herum rankenden kleinen Lädchen und Bars. Dafür ist die Pilgerherberge von Mondoñedo aber ein Highlight. Diese befindet sich in einem modernisierten Gemeindegebäude und verfügt über 30 saubere Betten auf zwei Etagen mit geräumigen Badezimmern und sehr sauberen Toilettenanlagen. Den Schlüssel zur Herberge erhält man übrigens bei der örtlichen Polizei am Rathausplatz. Dort werden auch hygienische Bettüberzüge ausgeteilt.