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Thailands grünes Herz: Radausflug in die Umgebung von Bangkok

Zugegeben, diese Radtour beginnt etwas ungewöhnlich. Im Bangkoker Stadtteil Thonburi, westlich des Chao-Phraya-Flusses, liegt der Pendler-Bahnhof Wong Wian Yai – versteckt in einem Labyrinth aus kleinen Gassen, umgeben vom Trubel der Straßenverkäufer und Motorradtaxifahrer. Hier haben die Händler ihre Stände so dicht neben den schmalen, von Gras überwachsenen Schienen aufgebaut, dass man glauben könnte, der letzte Zug sei schon vor Jahren abgefahren. Doch das kleine Schaffnerhäuschen am Kopfende des Bahnhofs ist besetzt, auf einer vergilbten Tafel sind säuberlich die Abfahrtszeiten der Züge aufgelistet.

Hier beginnt ein Ausflug, wie ihn nur wohl wenige Touristen erleben: Hinein ins „grüne Herz“ Thailands, die ruhige, ländlich geprägte Umgebung von Bangkok, in der man sich oft um Jahrzehnte in die Vergangenheit versetzt fühlt.

Mit dem Rad furch das grüne Herz Thailands: die ruhige und ländliche Umgebung um die Megametropole Bangkok (Foto: Christine Amrhein)

Mit dem Rad im Bummelzug

Ein Rad mitzunehmen, ist im Bummelzug in die Provinzstadt Samut Sakhon kein Problem – hier wird von großen Plastiksäcken mit Reisnudeln über Kartons mit Fischsauce bis hin zu Körben mit mehreren Hähnen so ziemlich alles transportiert. Eine Stunde lang rumpelt der Zug gemächlich Richtung Südwesten, vor dem Fenster ziehen in Armeslänge Holz- und Wellblechhütten vorbei, vor denen abgenutzte Ledersofas stehen und die Wäsche auf der Leine flattert. 

In Samut Sakhon angekommen, heißt es endlich „auf in den Sattel“. Auf einer schmalen, schnurgeraden Straße geht es durch tiefgrünes Feuchtland, in dem sich undurchdringliches Urwaldgestrüpp, riesige Bambusgräser und Reisfelder abwechseln. Immer wieder quert der Weg kleine Kanäle, die das weite Gebiet zwischen dem Mae-Klong-Fluss und dem Golf von Thailand wie ein Gitternetz durchziehen. 

Eine Stunde lang rumpelt der Zug gemächlich Richtung Südwesten, nach Samut Sakhon (Foto: Christine Amrhein)

In der 35 Kilometer entfernten Provinzhauptstadt Samut Songkhram lohnt sich ein Spaziergang über den „Eisenbahnmarkt“ im Zentrum: Hier werden Mangos, Guaven und Kokosnüsse, getrocknete Fische und die safrangelben, in Sirup getauchten Teigbällchen „Thon Yod“ verkauft – und zwar zum Teil direkt neben und auf den Schienen. Spannend wird es, wenn vier Mal am Tag der Regionalzug aus Samut Sakhon einfährt: Dann räumen die Händler in Hektik ihre Waren von den Schienen und halten die Plastikplanen, die ihre Stände überspannen, mit Eisenstangen so nach oben, dass der Zug mit einer Haaresbreite Abstand durch die Schneise fahren kann.

Der Eisenbahnmarkt in Samut Songkhram: Verkauf direkt an den Schienen (Foto: Christine Amrhein)

Besuch der schwimmenden Märkte

Von Samut Songkhram ist es nur noch ein Katzensprung nach Amphawa. Die sechs Kilometer entfernte Kleinstadt ist berühmt für den schwimmenden Markt, der von Freitag- bis Sonntagnachmittag hier stattfindet. Entlang eines schmalen Kanals, der von mehreren Holzbrücken überspannt wird, reihen sich Dutzende thailändische Holzhäuser mit ihren spitz zulaufenden Giebeln. Hier kann man nach Herzenslust bummeln, einkaufen und schlemmen: Überall gibt es Restaurants, Cafés, Kunsthandwerk-Läden und Geschäfte mit regionalen Spezialitäten. 

Auf beiden Seiten des Kanals erstreckt sich eine hölzerne Uferpromenade, die von gelb blühenden Trompeten-Bäumen und hunderten Blumentrögen gesäumt ist. Alle paar Meter führen Treppenstufen hinunter zum Wasser – es ist also ganz einfach, sich bei einem der zahlreichen schwimmenden Verkäufer einen Snack oder ein Mittagessen zu besorgen. Wie in einem Mini-Restaurant stapeln sich auf jedem Langboot Töpfe und Pfannen, Kühlboxen, Plastiktassen und die Teller mit den fertigen Gerichten. Und auf jedem Boot zeigt ein kleines Pappschild an, welche Gerichte heute im Angebot sind. 

Bootsverkäufer auf dem schwimmenden Markt in Amphawa (Foto: Christine Amrhein)

Wer den Abend oder die Nacht in Amphawa verbringt, sollte sich eine einstündige Bootsrundfahrt nicht entgehen lassen. Vorbei an spärlich beleuchteten Kanalhäusern und bunt geschmückten Restaurantterrassen geht es in ein Gewirr von kleinen, finsteren Kanälen. Und plötzlich leuchten in einem Baum oder einem Strauch unzählige Glühwürmchen auf – fast so, als hätte dort jemand eine Lichterkette mit tausenden winziger Blinklichter befestigt. 

Holzhäuser säumen den Kanal von Amphawa (Foto: Christine Amrhein)

Goldverzierte Tempel und farbenfrohe Gärten

Das nächste Ziel ist der schwimmenden Markt in Damnoen Saduak, 15 Kilometer nördlich von Amphawa. Nun wird die Landschaft immer abwechslungsreicher:  Immer in der Nähe des Mae-Klong-Flusses, führt der Weg durch Grapefruit-, Bananen-, Litschi- und Jackfrucht-Plantagen, kommt an goldverzierten Tempeln und Gärten mit farbenfrohen Orchideen vorbei und überquert unzählige Kanäle. In den kleinen Dörfern sitzen alte Frauen vor den am Wasser gebauten Holzhäusern, und in den Kanälen plantschen kleine Jungen fröhlich im schlammbraunen Wasser herum.

Je nachdem, wie lang man sich Zeit lässt, ist der Damnoen-Saduak-Markt in ein bis zwei Stunden erreicht. Auch hier sind die Einheimischen mit langen, schmalen Sampan-Booten auf dem Wasser unterwegs: Frauen mit Strohhüten steuern die dicht gedrängten Boote mit langen Stöcken durch das Wasser. Hier verkaufen sie vor allem Blumen und frische Früchte, die sie kunstvoll nach Farben und Sorten auf ihren Booten angeordnet haben – ein exotischer, farbenfroher Anblick. Allerdings wimmelt es an den Wochenenden nicht nur von Booten, sondern oft auch von thailändischen und ausländischen Besuchern.

Wer nach dem Marktbesuch noch Zeit und Muße hat, kann den Mae-Klong-Fluss überqueren und auf einem ebenso abwechslungsreichen Weg zurück nach Samut Songkhram radeln. Ansonsten stehen in Damnoen Saduak genügend Busse bereit, die die Ausflügler  in zwei Stunden bequem zurück nach Bangkok bringen.  

Christine Amrhein

Auf beiden Seiten des Kanals in Amphawa erstrecken sich hölzerne Uferpromenaden (Foto: Christine Amrhein)

Radreise-Infos Bangkok und Umgebung

An- und Rückreise

Die direkte Anreise von Deutschland nach Bangkok ist mit Lufthansa, Air Berlin, Condor und Thai Airways möglich. Die Flugzeit beträgt 11 bis 12 Stunden, die Kosten liegen bei etwa 700 Euro.

Abgesehen von der Zugverbindung von Wong Wian Yai fahren von Bangkok aus zahlreiche Busse nach Samut Sakhon (Dauer: 1 Stunde), Samut Songkhram (Dauer: 2 Stunden) und Damnoen Saduak (Dauer: 2 Stunden). Die Busse starten am Südbusbahnhof im Bangkoker Stadtteil Thonburi.

Öffnungszeiten der Märkte

Amphawa Floating Market: Freitag bis Sonntag, 16 bis 21 Uhr
Damnoen Saduak Floating Market: Samstag und Sonntag, 7 bis 16 Uhr

Tourenanbieter

Geführte Radtouren zwischen Damnoen Saduak und Amphawa bietet „Bike and Travel Co.“ an. 

Zwei-Tages-Touren nach Amphawa mit einer kleinen Radtour ins Umland werden von Exotissimo Travel angeboten.

Beste Zeit für Radtouren in Thailand

Die angenehmste Zeit für Radausflüge in Thailand ist die „kühle“, trockene Jahreszeit von November bis Februar. Von Mitte Februar bis Mitte Mai kann es sehr heiß werden, 35 bis 37 Grad sind keine Seltenheit. In der Regenzeit von Mitte Mai bis Ende Oktober sollte man wetterfeste Kleidung (Regenjacke oder Plastik-Poncho) dabei haben. An vielen Tagen regnet es jedoch auch in der Regenzeit nur wenig oder gar nicht. Gute Wettervorhersagen findet man beim Thai Meteorological Department.

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Text und Fotos: Christine Amrhein (c) copyright, Alle Rechte vorbehalten

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