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Auf dem Weg zum Jakobsweg

Eine Radtour durch den unbekannten Südwesten Frankreichs

Auf dem Jakobsweg sind von Jahr zu Jahr mehr Pilger unterwegs: 2012 wanderten hier über 190.000 Menschen in Richtung Santiago de Compostela – im Jahr 1990 waren es gerade einmal 5.000. Damals legten 1.200 Pilger die Strecke mit dem Fahrrad zurück, 2012 waren es schon 27.000.

Die Radtour zum Jakobsweg beginnt in der französischen Stadt Clérmont-Ferrand

Den „Weg zum Jakobsweg“ – die unzähligen Routen, die quer durch Europa in Richtung Spanien führen – legen dagegen deutlich weniger Pilger zurück. Dabei gibt es hier unzählige schöne Strecken, die sich ideal für eine Radtour „abseits der ausgetretenen Pfade“ eignen.

Eine davon führt von Clérmont-Ferrand im Herzen Frankreichs nach Saint-Jean-Pied-de-Port – dem Städtchen am Fuß der Pyrenäen, in dem der Pilgerweg nach Santiago beginnt. Auf winzigen Straßen und Feldwegen geht es durch den dünn besiedelten Südwesten Frankreichs, der oft wie in einen Dornröschenschlaf versunken scheint. Durch die saftig-grünen Hochebenen des Massif Central, das kurvenreiche Tal der Dordogne und die weiten, kaum besiedelte Ebene der Landes – bis man die raue Berglandschaft der Pyrenäen erreicht.

Schon direkt hinter Clérmont-Ferrand steht die größte Bergetappe bevor: 600 Höhenmeter geht es stetig und steil bergauf. Doch dann hat man einen legendären Pass erreicht: Den Col de la Moréno (1065 Meter), eine der berühmten Bergetappen der Tour de France, die früher bis zum Gipfel des Puy de Dome hinaufführte. Der Vulkankegel mit seinen zwei Lavadomen ragt unmittelbar neben der Passhöhe auf – mit 1465 Metern überragt er Clérmont-Ferrand um gut 1.000 Meter.

Vom Pass Col de la Moréno hat man eine wunderbare Sicht auf den Puy de Dome

Die Mühe des Anstiegs hat sich gelohnt, denn nun führt der Weg durch das weite Hochland des Massif Central – mit blühenden Wiesen und Weideflächen, die kaum von Menschen besiedelt sind. Nach etlichen Steigungen und rasanten Talfahrten erreicht man den Stausee Barrage de Bort-les-Orgues. Wie überall in der Region sind die Campingplätze außerhalb der Ferienzeit menschenleer – und so ist es kein Problem, einen Übernachtungsplatz mit Seeblick zu bekommen.

Der Weg zum Jakobsweg kreuzt viele Sehenswürdigkeiten: hier die Kirche im Örtchen Orcival

Wie nebenbei trifft man überall auf die Zeugnisse der Vergangenheit: Die mittelalterliche Steinkirche im kleinen Dorf Orcival, das verwinkelte Schloss Chateau de la Vigne mit Blick über die Bergkette der Monts du Cantal oder die geheimnisvollen Tours de Merle – Überreste einer mittelalterlichen Burg, die auf einer Halbinsel im Fluss Maronne versteckt liegen.

Im Tal der Dordogne wird das Radlerleben wieder gemütlicher: Mit leichtem Gefälle winden sich die schmalen, kaum befahrenen Landstraßen neben dem kleinen Fluss entlang, auf dem hier und da Paddler unterwegs sind. Hier gibt es überall etwas zu entdecken: Neben der Straße ragen senkrechte Felswände in die Höhe, und beinahe hinter jeder Kurve taucht ein neues Schloss auf. Die Orte – mit klangvollen Namen wie Argentat oder La Roque-Gageac – sehen aus wie von Zuckerbäckern gebaut: Häuser, Kirchen und Burgen bestehen aus grauem Basaltstein, die Dächer, Rundtürme und Erker sind mit Schieferschindeln gedeckt.

Aber fast noch schöner als die vielen touristischen Attraktionen ist es, sich morgens mit einem französischen Frühstück auf den Marktplatz in die Sonne zu setzen: Mit frisch gebackenen Croissants, Baguette und Käse aus der Region – die einfach unübertrefflich lecker schmecken.

Köstlichkeiten der Region kann man auf den Straßenmärkten erwerben

Auch auf regionale Spezialitäten trifft man hier auf Schritt und Tritt – alle paar Kilometer wirbt ein Schild an der Straße mit frischen Produkten vom Bauernhof. Da gibt es Ziegen- und Schafkäse, Wurst- und Fleischspezialitäten, Walnussprodukte und natürlich Cidre und Wein. Eine ähnliche Auswahl findet sich auf den vielen Märkten, auf denen es farbenfroh und lebhaft zugeht: Zum Beispiel auf dem großen Freitagsmarkt in Souillac oder dem mit Fähnchen geschmückten Marktplatz in Beaumont-du-Périgord.

Bei Le Buisson de Cadouin verlässt der Weg das Tal der Dordogne wieder. Jetzt werden die Höhepunkte weniger – aber vielleicht macht gerade das den Reiz dieser abgelegenen, verträumten Gegend aus. Sanft gewellte Hügel wechseln sich mit Flusstälern, Sonnenblumenfelder mit Viehweiden und gelb-braunen Feldern ab. Im Spätsommer und Herbst duftet es nach Äpfeln und Pflaumen, und für einen kleinen Snack zwischendurch gibt es überall am Wegrand Brombeerhecken, die von dunkelvioletten Früchten überquellen.

In La Roque-Gageac im Dordogne-Tal ragen neben den Straßen steile Felswände empor

Jenseits des Garonne-Tals beginnt die weite Tiefebene der Landes. Früher gab es hier nur Sumpf- und Heideland, heute fühlt man sich ein bisschen an Sibirien erinnert. Kilometer um Kilometer geht es auf schnurgeraden Straßen durch immer gleiche Kiefernhaine. Dies hier ist das größte zusammenhängende Waldgebiet Europas, das Napoleon um 1800 anlegen ließ. Die wenigen Dörfer, die nur aus einer Kirche und ein paar Häusern bestehen, wirken wie von der Außenwelt abgeschnitten. Kein Wunder, dass die Bewohner fragen, was in aller Welt zwei Radfahrer hierher verschlagen hat.

Bis man das Ziel in Saint-Jean-Pied-de-Port erreicht hat, muss man noch eine der größten zusammenhängenden Waldgebiete Europas durchqueren

Erst in Mont-de-Marsan, dem Hauptort des Département Landes, gibt es wieder so etwas wie städtisches Leben. Im Zentrum, wo sich die Flüsse Midou und Douze zur Midouze vereinigen, stehen viele elegante Gebäude, die ebenfalls auf die Zeit Napoleons zurückgehen: die Präfektur, das Gericht, die Madeleine und auch das Gefängnis. Die zahlreichen Cafés, zeitgenössische Skulpturen in den Straßen und die vielen jungen Leute verbreiten ein jugendliches Flair.

Nun geht es unaufhaltsam in Richtung Pyrenäen – und auf dem Weg dorthin durch den Thermalort Salies de Béarn. Im Mittelalter wurden hier Quellen entdeckt, die zehnmal salzhaltiger sind als das Meer. Seitdem lebt die Stadt von und mit dem Salz. Überall werden Salz-Produkte verkauft, ein Thermalbad bietet Heilbehandlungen an, und jedes Jahr Mitte September findet ein großes Salzfest statt.

Allmählich wird die Landschaft hügeliger, die Bergrücken sind von Schafherden und nur noch vereinzelt von Bäumen bedeckt. Hier oben bestehen die Dörfer aus strahlend weißen Häusern und tragen zum Teil schon baskische Namen – wie Peyhorade oder Irissarry. Über den Hügeln hängen schwere Wolken, und nach etlichen Anstiegen im Nieselregen ist es ein Genuss, wenn doch wieder die Sonne herauskommt.

Kurz darauf ist man schon mitten drin im Pilgerleben: In Saint-Jean-Pied-de Port trifft man an jeder Ecke Männer mit Wanderrucksäcken, Frauen mit Halstüchern und Teleskopstöcken, junge Japanerinnen mit der Jakobsmuschel am Rucksack. Nun muss jeder für sich entscheiden, ob er sich ins Getümmel stürzen möchte – und sich auf den Pilgerweg nach Santiago de Compostela macht.

Text und Fotos: Christine Amrhein

Praktische Infos und Unterkünfte

Anreise:

Bei der Anreise mit dem Zug muss man in Paris umsteigen. Schnellzüge fahren von Köln, Stuttgart, Frankfurt am Main und München nach Paris-Est. Vom Bahnhof Paris Bercy (in der Nähe des Gare de Lyon) gibt es mehrmals am Tag Verbindungen nach Clérmont-Ferrand (Fahrtdauer: 3-3,5 Stunden).

Nicht alle Züge nehmen Fahrräder mit, und Fahrradkarten von Paris nach Clérmont-Ferrand können nur direkt am Bahnhof gekauft werden. Das Reisebüro Titanic Reisen in Berlin (www.kopfbahnhof.info) kann gegen Gebühr dabei helfen, Fahrradkarten im Voraus zu besorgen.

Informationen über Zugverbindungen:
Deutsche Bahn: http://www.bahn.de/p/view/index.shtml
SNCF Frankreich: http://de.voyages-sncf.com/de/

Clérmont-Ferrand:

Office de Tourisme
Place de la Victoire
63000 Clérmont-Ferrand
Tel. +33 (0) 473 986 500
tourism@clermont-fd-com
www.clermontferrandtourism.com

Dav Hôtel Jaude
10 rue des Minimes
63000 Clérmont-Ferrand
Tel. +33 (0) 473 933 149
www.davhotel.fr

Hostel Corum Saint-Jean
17 rue Gaultier de Biauzat
63000 Clérmont-Ferrand
accueil@corumsaint.fr
www.corumsaintjean.fr

Orcival:

Auberge la Canton
Le Bourg
63210 Orcival
Tel. +33 (0) 473 658 207
aubergelecantou@orange.fr
www.aubergelecantou.com

Bort-les-Orgues:

Office de Tourisme
Place Marmontel
19110 Bort-les-Orgues
Tel. +33 (0) 555 960 249
contact@bort-artense.com
www.bort-artense.com

Campingplatz „Les Aubazines”
Route d’Ussel
19110 Bort-les-Orgues
Tel. +33 (0) 555 960 838
lesaubaz@aol.com
www.les-aubazines.com

Camping Outre-val
19110 Bort-les-Orgues
Tel. +33 (0) 555 960 582
outreval@camping-vallee-dordogne.fr
www.camping-vallee-dordogne.fr

Tal der Dordogne (Vallée Dordogne):

Hôtel Le Périgord
Port de Domme
24250 La Roque-Gageac
Tel. +33 (0) 553 283 655
bienvenue@hotelleperigord.eu
www.hotelleperigord.eu

Salzmuseum „Le Musée du Sel”
Rue des Puits Salants
64270 Salies-de-Bearn
Tel. +33 (0) 559 093 199
aavsmusee@orange.fr
www.amisvieuxsalies.fr

Saint-Jean-Pied-de-Port:

Office de Tourisme
14 Place Charles de Gaulle
64220 Saint-Jean-Pied-de-Port
www.saint-jean-pied-de-port.com

Pilgerbüro Accueil Saint Jacques
39 Rue de la Citadelle
64220 Saint-Jean-Pied-de-Port
Tel. +33 (0) 559 37 09

L'Esprit du Chemin
40, Rue de la Citadelle
64220 Saint-Jean-Pied-de-Port
Tel. +33 (0) 559 37 24 68
info@espritduchemin.org
www.espritduchemin.org/de

Le Chemin Vers d'Etoiles
21, Rue d'Espagne
64220 Saint-Jean-Pied-de-Port
Tel. +33 (0) 559 37 20 71
gite@bonhomme.net

Refuge Esponda
9 rue du Trinquet
64220 Saint-Jean-Pied-de-Port
Tel. +33 (0) 67 90 75 25 2
jeanmarie.mailharro@wanadoo.fr

Beste Reisezeit:

Die besten Reisezeiten sind das Frühjahr (März bis Mai) und der Herbst (September und Oktober). Um diese Zeit ist das Klima mild bzw. warm und meist trocken. Im Hochsommer (Juli und August) kann es sehr heiß werden. Zur Hauptreisezeit im Sommer sind die eher touristischen Orte oft überfüllt und es kann schwierig sein, ein Zimmer oder einen Platz auf einem Campingplatz zu finden.

Weitere Themen zum Jakobsweg auf www.radtouren.de

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Weitere Infos zum Jakobsweg

Viele Infos zur Geschichte des Jakobswegs, Tipps zu Übernachtungsmöglichkeiten, Pilgerausweis, Gepäck uvm. gibt es auf
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